Gute Frage: „Länger mobil – aber sicher?“

Veröffentlicht am 05.11.2021 in Verkehr

Die Langzeitanalysen sind eindeutig: Unfälle mit und von Senioren (m/w/d) nehmen zu. Bei der Tagung „Länger mobil – aber sicher?“ riefen Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann und Innenminister Michael Stübgen zur gegenseitigen Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf. 

Um die Sicherheit älterer Menschen im Straßenverkehr noch mehr in den Fokus zu rücken, hat das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung gemeinsam mit dem Ministerium für Inneres und Kommunales die Fachtagung „Länger mobil – aber sicher?“ organisiert. Zahlreiche nationale und internationale Akteure aus dem Bereich Verkehrssicherheit nahmen daran teil. Neben den Analysen und Vorträgen von Expertinnen und Experten wurden bestehende und mögliche Maßnahmen und Ansätze für die künftige Verkehrssicherheitsarbeit der Akteure diskutiert.

Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung (MIL): „Weil die Zahl der Unfälle mit der Beteiligung von älteren Menschen zunimmt, wird das Thema sichere Mobilität im Alter für die Verkehrssicherheitsarbeit immer wichtiger. Hier gibt es bereits eine Vielzahl an Hilfen und Angeboten für Seniorinnen und Senioren. Wir müssen dem Thema aber noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Ein Schlüssel dazu ist es, die Menschen zu mehr Vor- und Rücksicht im Straßenverkehr zu bewegen. Denn bei schweren Unfällen spielen überhöhte Geschwindigkeit und zu wenig Abstand eine große Rolle. Das gilt für alle Altersklassen. Wir wollen mit unserer Verkehrssicherheitsarbeit nicht polarisieren, sondern engagiert und sachlich informieren. Bei der Mobilität geht es um weit mehr als um persönliche Freiheit, es geht um gesellschaftliche Teilhabe – sei es beim täglichen Einkauf oder dem Besuch der Enkel. Sichere Mobilität für Seniorinnen und Senioren zu ermöglichen ist Aufgabe von uns allen.“

Michael Stübgen, Minister des Innern und für Kommunales (MIK): „Im vergangenen Jahr ereignete sich in Brandenburg alle 33 Minuten ein Verkehrsunfall, an dem ein älterer Mensch beteiligt war. Nahezu alle fünf Stunden wurde eine Person über 65 Jahre im Straßenverkehr verletzt. Jeden siebten Tag musste ein getöteter älterer Mensch bei einem Verkehrsunfall registriert werden. Aktuell leben fast 639.000 Menschen, die älter als 65 Jahre sind in Brandenburg – und ihr Anteil wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Darauf muss die Gesellschaft Antworten geben, denn jede Bürgerin und jeder Bürger hat das Recht, sich frei und sicher im Straßenverkehr bewegen zu können.“

Von Schutzplanken und Verkehrserziehung

Die Verkehrssicherheitsarbeit des MIL besteht aus Prävention und konkreten Schutzmaßnahmen. Neben der Landeskampagne „Lieber sicher. Lieber leben“ für Fahranfänger und Kinder aber auch Senioren, gibt es Investitionen in Straßen sowie die Unterstützung der vielen amtlichen und ehrenamtlichen Akteure im Bereich der Verkehrssicherheit.

Letztes Jahr investierte das MIL 800.000 Euro in 24 Kilometer neue Schutzplanken gegen Unfälle an Bäumen, 2021 waren es bereits mehr als drei Millionen Euro für 85 Kilometer. Im Programm zur Schul- und Spielwegesicherung hat das MIL 2020 den Kommunen 450.000 Euro zur Verfügung gestellt, 2021 werden es 600.000 Euro sein.

Maßnahmen wie diese zeigen ihre Wirkung. Zum Beispiel ist die Zahl der Unfalltoten durch Baumunfälle von 409 im Jahr 1995 und 110 im Jahr 2005 auf 34 Unfalltote im letzten Jahr gesunken. Insgesamt lag die Zahl der Verkehrsunfalltoten Anfang der 90er noch bei der sechsfachen Zahl von heute, seit Mitte der 2000er Jahre bis heute hat sich die Anzahl nochmals halbiert.

Hintergrund: Unfälle seltener, aber schwerer

Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil verunglücken Menschen ab 65 Jahren seltener bei Verkehrsunfällen als jüngere. Sie sind jedoch überproportional häufig in schwere Verkehrsunfälle verwickelt. So lag ihr Anteil an allen Verunglückten im Jahr 2019 bei 13,5 Prozent. Bei den Verkehrstoten waren es jedoch 34,0 Prozent. Damit gehörte jeder dritte Verkehrstote zu dieser Altersgruppe. Im Jahr 2019 verunglückten 52.444 Menschen ab 65 Jahren im Straßenverkehr. 13.189 von ihnen wurden dabei schwer verletzt, 1.037 starben. Besonders gefährdet sind die über 75-Jährigen.

Typische Unfallursachen...

  • zu Fuß: Fehler beim Überqueren der Fahrbahn,
  • mit dem Rad oder Pedelec: falsche Straßenbenutzung,
  • mit dem Auto: Vorfahrt missachtet sowie Fehler beim Abbiegen, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren,
  • mit Motorrädern: nicht angepasste Geschwindigkeit und Abstandsfehler.

Waren im Jahr 2019 über 64-Jährige als Autofahrer an einem Unfall beteiligt, trugen sie in zwei Drittel (67,6 Prozent) die Hauptschuld. Bei den ab 75-Jährigen waren es sogar drei von vier Unfall beteiligten Autofahrern (75,2 Prozent). (Quelle Verkehrswacht/Destatis)

 
 

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