Erkner: Einem Großen der Stadt

Veröffentlicht am 17.10.2022 in Kultur

Jetzt steht er auf dem Kirchvorplatz von Erkner und schaut auf die Stadt. Der Kopf des großen Dichters und Dramaturgen Gerhart Hauptmann. Bildhauerin Sabina Grzimek schuf die Büste nach der Vorlage des 25-Jährigen. Hohe Stirn, wache Augen und eine auffällige Frisur. Ein Künstler und auch optisches Vorbild. (Wer einmal die Frankfurter Buchmesse (Main) besucht hat, die in diesen Tagen den Literaturbetrieb bestimmt, wird sie erkennen, diese Autoren...)

Wir schreiben als das Jahr 1888. Hauptmann lebt seit drei Jahren mit seiner Frau Marie, geb. Thienemann in der Erkneraner Villa Lasse. Sie werden noch ein Jahr bleiben und dann nach Berlin ziehen. Der bedeutendste Vertreter des deutschen Naturalismus hat in dieser Zeit Werke wie Bahnwärter Thiel geschrieben.Hauptmann hatte es geschafft. Nicht nur wegen seiner dramaturgischen Leistungen wie „Die Weber“ (1892 - als dichterischer Aufruf an das Mitleid der Besitzenden zu verstehen). Marie ist die Tochter die Tochter eines Dresdner Wollgroßhändlers und befreite ihren heiß geliebten Künstler nach der Heirat von finanziellen Sorgen.

Heute die TV-Diskussionsrunden diesen zornigen jungen Mann mit Eifer in ihre Selbstdarstellung einbeziehen, gar verschlingen. Es zumindest versuchen. Hauptmann war zu Lebzeiten eitel genug, den Verlockungen des Ruhms zu folgen (zunächst auch dem Nationalsozialismus). Was seine Leistung als Künstler nicht schmälern soll.

Für den stockkonservativen, reaktionären und noch eitleren Kaiser Wilhelm II war der Salon -Revoluzzer einfach nur ein Nestbeschmutzer und Skandalbruder. Was Hauptmann aber eher Ruhm als Tadel einbrachte. Im Jahre 1912 erhielt er zum Verdruss des Hohenzollern auch noch den Nobelpreis für Literatur.

"Er habe Erkner unendlich viel zu verdanken", schrieb Gerhart Hauptmann an seinem 80. Geburtstag. Das war im Jahr 1942, er starb vier Jahr später und das einstige Großdeutsche Reich lag in Schutt und Asche.

Insgesamt lebte der Dramatiker und bedeutendste Vertreter des deutschen Naturalismus vier Jahre in der Stadt. Das Museum am Eingang von Erkner zeugt von seinem kreativen Wirken zwischen 1885 und 1889. Bei der Festveranstaltung am Wochenende in der Genezareth Kirche nahmen über 200 Erkneraner und Gäste teil. (gu)

Zur Bild-Collage: Die Bildhauerin Sabina Grzimek (Mitte, Bild rechts unten) schuf die Büste, die jetzt am Kirchvorplatz von Erkner steht. Der Berliner Bronzegießer Marc Krepp goss sie. Zusammen mit Lothar Eysser (Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung, Gerhart Hauptmann Forum). Hauptmanns Büste enthüllten offiziell: Lothar Eysser und Sigrid Riedel, vom Gerhart Hauptmann Forum, die dieses Projekt entscheidend vorangebracht haben (Bild rechts oben).
 
 

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