Apfelblüten erfroren - Ernte verhagelt: Vogelsänger zur Ernte 2017

Veröffentlicht am 23.08.2017 in Landwirtschaft

„Es wird nach den extremen Wetterlagen, die zu Schäden in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen geführt haben, niemanden überraschen, dass wir insgesamt von keinem guten Erntejahr ausgehen". Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger hat am Mittwoch 23. August in Vetschau mit dem Präsidenten des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, eine erste Bilanz der diesjährigen Ernte gezogen. "In einigen Landkreisen gehen wir sogar von so erheblichen Verlusten aus, dass wir uns entschlossen haben, für Brandenburg die Rahmenrichtlinie des Bundes für Hilfen nach extremen Wetterereignissen in Kraft zu setzen.“

Brandenburgs Bauern bewirtschaften rund 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF). Das sind fast 45 Prozent der Bodenfläche des Landes. Auf etwa 550.000 Hektar wird Getreide angebaut. Knapp 300.000 Hektar sind Dauergrünland.

Bei wichtigen Kulturen sind von den Betrieben regional hohe Ausfälle, in einigen Fällen sogar Totalverluste, angezeigt worden. Allerdings ist die Situation in einem großen Flächenland wie Brandenburg auch sehr unterschiedlich.

Bauern müssen Futter zukaufen

Genauere Zahlen über die wirtschaftlichen Auswirkungen werden sich erst ergeben, wenn in wenigen Wochen ein Großteil der Ernte verkauft ist. Dennoch wurden bereits die ersten Schritte auf den Weg gebracht, um möglichst zeitnah mit Hilfen reagieren zu können. Denn bereits in diesem Jahr müssen die Landwirte die für die Ernte 2018 notwendigen Investitionen – zum Beispiel in Saatgut und Pflanzenschutzmittel – sicherstellen und Betrieben, denen durch das Wetter die Futtergrundlage verloren geht, müssen zukaufen.

Nach den Regularien der EU können betroffene Agrarunternehmen einen teilweisen Schadensausgleich aufgrund extremer Wetterereignisse erlangen. Anträge können nur Betriebe stellen, die Verluste von mindestens 30 Prozent, bezogen auf den durchschnittlichen wirtschaftlichen Ertrag der vergangenen drei Jahre, nachweisen können.

Frost und Regen zur Unzeit

In den Kreisen erfolgt derzeit die Erfassung der Frostschäden vom April, von denen vor allem Gartenbaubetriebe betroffen waren, sowie die vorläufige Erfassung der landwirtschaftlichen Schäden, verursacht durch starke und anhaltende Regenfälle im Juli. Ziel ist, bis zum Monatsende einen ersten Überblick über die Höhe der zu erwartenden Anträge zu bekommen, um dann die finanziellen Mittel mit dem Finanzministerium und gegebenenfalls auch mit dem Landtag abzustimmen.

Das unbeständige Wetters verzögert die Erntearbeiten auch noch. Zeitweise ist beim Drusch ein Rückstand von ein bis zwei Wochen im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen. Wegen des Starkregens ist mancherorts Getreide zum Liegen gekommen, was die Ernte zusätzlich erschwert. Zur Qualität können zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Aussagen getroffen werden. Jedoch wirkt jeder Regentag auf die Qualität.

Getreide wird eingefahren

Die Ernte der Wintergerste ist abgeschlossen. Geschätzt wird derzeit ein Ertrag von 61,5 Dezitonnen je Hektar im konventionellen Anbau (fünfjähriger Mittelwert 62,5 Dezitonnen je Hektar). Die Ernte beim Winterraps ist in etwa zu 90 Prozent abgeschlossen. Die Erträge von 26,4 Dezitonnen je Hektar im konventionellen Anbau sind enttäuschend. Sie liegen etwa 9 Dezitonnen je Hektar unter dem fünfjährigen Durchschnitt 35,3 Dezitonnen je Hektar.

Der Anteil der abgeernteten Fläche bei Winterweizen und Winterroggen liegt bei 70 bis 75 Prozent. Die Ertragsvorschätzungen bewegen sich beim Winterweizen bei etwa 62 Dezitonnen je Hektar im konventionellen Anbau. Das sind zirka 6 Dezitonnen unter dem fünfjährigen Mittelwert von 68,2 Dezitonnen je Hektar. Winterroggen liegt mit rund 38 Dezitonnen je Hektar im konventionellen Anbau etwa 10 Dezitonnen unter dem fünf jährigen Mittelwert (48,2 Dezitonnen je Hektar).

Apfel floppt – Spargel toppt

Im Gartenbau reicht die Ertragserwartung bei der wichtigsten heimischen Obstart Apfel von normal bis 90 Prozent Verlust. Der offizielle Start in die Brandenburger Kernobsternte 2017 wird am 6. September auf der Apfelplantage der BB Brandenburger Obst GmbH Altlandsberg im Ortsteil Wesendahl erfolgen.

Die wichtigste Gemüsekultur in Brandenburg – der Spargel - wird in diesem Jahr mit einem Durchschnittsertrag von 55,5 Dezitonnen je Hektar und dem bislang frühesten Erntetermin in die Annalen eingehen. Der Durchschnittsertrag lag auf Brandenburger Spargelfeldern 2016 bei 58,5 Dezitonnen je Hektar und damit über dem gesamtdeutschen Durchschnittsertrag von 53,9 Dezitonnen je Hektar. Das war der zweitbeste Ertrag nach 1991. Nur im Jahr 2014 war der Ertrag mit 59,7 Dezitonnen je Hektar noch etwas höher.

 
 

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