
„Genau 32,4 Jahre würde es dauern, bis alle heutigen angedachten Maßnahmen zum Hochwasserschutz umgesetzt sind!“ Das stellte Dipl. Ing Ulrich Blüher, Vorsitzender des Landesverbands BWK – die Umweltingenieure - in seiner Eröffnungsrede fest. Der 24. Jahreskongress der Berliner und Brandenburger Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau fand in Bad Saarower Hotel Esplanade statt. Das zentrale Thema: Stationärer und mobiler Hochwasserschutz – Stand der Technik. Es ging um Überwachung mit Hilfe von Drohnen, mobilen Schutzwällen aber auch Kampfmittelsuche.
Eine Angelegenheit für Minister Jörg Vogelsänger, selbst Ingenieur. Seine Ressorts Landwirtschaft und Umwelt sind intensiv die dem Schutz vor Hochwasser beschäftigt: „Rund 600 Millionen Euro hat das Land Brandenburg seit dem Jahre 1997 in Deiche und andere Maßnahmen investiert.“ Er erinnerte die Ingenieure und Techniker auch daran, dass ein Umdenken stattgefunden habe. „Wir räumen heute dem Fluss mehr Platz ein. Die Schaffung von Rückhaltesystemen ist ist langfristig erfolgreicher als der Bau von klassischem Hochwasserschutz“. 450 Millionen Euro habe die Sanierung, der Neubau aber auch die Rückverlegung von 257 Kilometer Deichen gekostet. Entlang der Elbe seien bislang 76 Prozent der Deichlinie gemäß Masterplan saniert, entlang der Oder sogar 96 Prozent.
Neuestes Problem bei den Schutzmaßnahmen sein inzwischen der Biber. Von den rund 1000 Nagern hätten sich etliche in kritischen Bereichen von Deichen eingenistet. Auch die Hinterlassenschaft aus dem 2. Weltkrieg würde die Kosten für den Hochwasserschutz in die Höhe treiben.
Beim Deichbau von Breese an der Elbe bei Wittenberge seien bereits zwölf Fliegerbomben mit Langzeitzündern gesprengt worden. Jetzt müsste mit 100.000 Bohrlöchern sichergestellt werden dass keinen weiteren Sprengkörper auf dem 20 Hektar großen Areal verborgen sind. Mehrkosten: knapp fünf Millionen Euro.
Vogelsänger, der die nächsten Jahre als „Elbminister“ für die Koordination der Schutzbauten an der Elbe zuständig ist, wies auf die gute Zusammenarbeit mit seinen Amtskollegen aus den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin hin. „Wir sind uns sehr schnell einig, wenn wir vom Bund mehr Geld wollen.“
Bei letzten großen Hochwasser im Jahre 2013 habe sich das Zusammenspiel des stationären Hochwasserschutzes und des Katastrophenschutzes mit seinen mobilen Schutzlösungen bewährt.
Aber das nächste Jahrhundert-Hochwasser kommt bestimmt. Im Mittel drei pro 100 Jahren. Nur keiner weiß, wann!