Erlebnisse im RE-1: Deutscher Sonntag?

Veröffentlicht am 01.05.2017 in Allgemein

Bahnhof Fürstenwalde, Sonntag Nachmittag kurz nach dem Fußball-Spiel. Die Meldung über den Bundesinnenminister und seine Thesen zur Deutschen Leitkultur beschäftigen seit dem Vormittag die Medien. Eine Meute von einem knappen Dutzend, stark angetrunkenen gröhlen sprit- und sprachgefärbt ihr Liedgut. Gängige Melodien, ins zotige verfärbte Texte. Im Bahnhof zerschlagene Bierflaschen.

Rund 30 Meter von den „Fans“ stehen Polizisten, halten sie mit ihrer Anwesenheit in Schach.

Der Zug in Richtung Magdeburg hält pünktlich. Reisende steigen aus. Die Wartenden ein. Es wird friedlich. Nur der Müll der Fankultur zeugt von den Ereignissen.

Die Reisenden im anfahrenden Zug hoffen auf eine ruhige Fahrt. Der Stress mit den stark Angetrunken ist zu spüren. Die nervöse Ruhe währt nicht lange.

Die Meute ist noch nicht müde. Berauscht von ihrer Stärke, macht sie sich auf den Weg durch die Abteile. Sie suchen Schwächere, mit dunklem Teint und schwarzen Haaren. Der Haufen fängt an zu pöbeln. Haben es auf eine junge Frau, wahrscheinlich aus Südamerika abgesehen. Sie sackt sichtlich zusammen. „Die Ausländer sollen mal wieder dahin, wo sie herkommen“. Sie sangen: „Wir bauen hier mal nen Galgen und machen Probehängen!“ Betretenes Schweigen bei den Mitreisenden.

Das lassen wir jetzt einmal!“ Eine dunkle Stimme, nicht allzu laut, nicht aufgeregt, macht sich bemerkbar. Vier Polizisten, in ihren dunkelblauen Uniform, Anfang 30 Jahre groß, kurze Haare, sichtlich durchtrainiert, stehen unvermittelt hinter den Fußball-Rowdies, die sich gerade in Randale steigern. Die Polizisten sprachen abwechselnd…

„Herkunft, Hautfarbe, Religion spielt hier keine Rolle...“

Wir haben entschlossen, dass sie an der nächsten Haltestelle in Erkner aussteigen werden!“

„Da nimmt man Sie in Empfang!“

Es folgt ein Heidengegröhle!

An die anderen Passagiere: „ist von Ihnen jemand körperlich belästigt worden?“ Zu der jungen Südamerikanerin: „Sie brauchen jetzt keine Angst mehr haben. Ich passe auf Sie auf!“

Der Regio rollt in Erkner ein. Dann geht es blitzschnell!

Die vier Polizisten greifen sich die Wortführer, drehen deren Arme nach hinten! Zu den anderen: „Wir empfehlen ihnen allen jetzt mitzukommen! Sonst müssten wir Sonderkräfte holen und das wird sehr teuer für Sie alle..“

Die Meute folgte maulend. Draußen stehen bereits weitere Polizisten.

Die Türen schließen, der Regio rollt pünktlich weiter!

Großes Kompliment meine Herren in Uniform! Das wird man wohl mal sagen dürfen!
 
 

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