Wie alt? Wie dick? – Der Brandenburger Durchschnittsbaum

Veröffentlicht am 10.10.2014 in Allgemein

Mit den Daten der 3. Bundeswaldinventur haben die Verantwortlichen der Forstwirtschaft zum ersten Mal einen Vergleich, in welche Richtung sich Brandenburgs Wälder entwickeln. Wie sieht unser Wald heute aus?

Der Brandenburger Durchschnittsbaum ist 71 Jahre alt, 21,5 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 21 Zentimeter. (Zum Vergleich der deutsche Baum im Jahr 2012: 77 Jahre, 24,7 Meter, 25 Zentimeter). Auf einem Hektar stehen im Schnitt 858 Bäume. Das macht 905 Millionen Bäume in Brandenburgs Wäldern. So die für Brandenburg relevanten Ergebnisse aus der 3. Bundeswaldinventur. „Mit 1,1 Millionen Hektar Wald gehört Brandenburg zu den waldreichsten deutschen Bundesländern“ so Forstminister Jörg Vogelsänger. „Die Ergebnisse sind insgesamt erfreulich, aber es gibt auch Schattenseiten.“

Waldfläche konstant geblieben

Auf jeden Brandenburger kommen 4.490 Quadratmeter Wald. „Trotz großer Inanspruchnahme von Waldflächen für den Braunkohletagebau und Infrastruktur-Projekte haben Ausgleichsmaßmaßnahmen dafür gesorgt, dass die Waldfläche in den vergangenen zehn Jahren gleich geblieben ist“, erklärte Jörg Vogelsänger.

Mit 37,2 Prozent Waldanteil gehört Brandenburg zu den fünf Bundesländern mit dem größten Waldanteil an der Landesfläche (Bundesdurchschnitt: 32 Prozent). Zehn Prozent der Waldfläche in Deutschland liegt in Brandenburg. Für 16 Prozent der Waldfläche – das sind 186.000 Hektar – gelten Nutzungseinschränkungen.

Der lange Weg zum gesunden Mischwald

Brandenburg ist weiter das Kiefernland Nummer Eins in Deutschland. Mit 70 Prozent nehmen Kiefern mit Abstand die größte Fläche ein. Damit liegt die Mark weit über dem Bundesdurchschnitt von 22 Prozent Kiefernanteil. Eichen sind mit sieben und Buchen mit drei Prozent vertreten. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Laubholzanteil um zwei Prozent erhöht und liegt nunmehr bei 25 Prozent. Bei den jungen Bäumen bis 20 Jahren sind bereits 43 Prozent der Waldfläche mit Laubbäumen bewachsen.

In den großen Kieferngebieten besteht eine hohe Gefährdung durch Waldbrand und Schadinsekten. In Mischwäldern sind diese Risiken wesentlich geringer. Das Einbringen von Laubbäumen trägt zu einer Stabilisierung der Wälder bei und wird konsequent weiterverfolgt. Vogelsänger: „Der Waldumbau ist ein Generationsprogramm. Auch wenn erste Ergebnisse sichtbar sind, wird dies noch für viele Jahre eine unserer größten Aufgaben sein.“

Spitzenplatz beim Wildverbiss

Die Waldverjüngung, insbesondere mit Laubbäumen, ist durch den enorm hohen Wildverbiss immer wieder gefährdet. 52,2 Prozent der Jungbäume sind durch Wild geschädigt (verbissen). Damit nimmt Brandenburg einen traurigen Spitzenplatz in der Bundesstatistik ein. Um den jungen Pflanzen eine Chance zu geben, sind rund 40.000 Hektar zum Schutz gegen Wild eingezäunt. Das sind 71 Prozent der Bäume bis 20 Jahre.

Brandenburg ist Privatwald-Land

Die Privatisierungen des Treuhandwalds ist fast abgeschlossen. Damit stieg der Anteil privater Waldbesitzer von 42 auf 60 Prozent, 40 Prozent sind in öffentlicher Hand von Land, Bund und Kommunen. Der Privatwaldbesitz ist stark zersplittert. So gibt es rund 100.000 Waldbesitzer. Nur 15 Prozent der Privatwaldflächen sind in Besitz von Eigentümern mit mehr als tausend Hektar, 38 Prozent der Privatwaldflächen kleiner als 20 Hektar. „Dies hat Auswirkungen auf den Holzeinschlag im Privatwald“, unterstreicht Minister Vogelsänger, „daher ist die Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse weiterhin ein Schwerpunkt unserer Forstpolitik.“

Holzvorräte gestiegen

Die Holznutzung ist in Brandenburgs Wäldern in allen Besitzarten nachhaltig. Die Holzvorräte haben seit 2002 landesweit um 46 Kubikmeter pro Hektar zugenommen. Dies bedeutet ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2002. Jährlich steigt der heimische Holzvorrat um 10,4 Millionen Kubikmeter. Das entspricht einem Holzzuwachs von 20 Kubikmeter pro Minute. In Brandenburg werden jährlich durchschnittlich 5,5 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen, das heißt nur 53 Prozent des Zuwachses werden genutzt. Im Bundesvergleich nimmt die Region mit einem Holzvorrat 283 Kubikmeter pro Hektar allerdings einen hinteren Platz ein. Ursachen hierfür sind die oft Standorte mit nährstoffarmen Böden und dem hohen Kiefernanteil.

Zählen ist Pflicht

Eine Bundeswaldinventur wurde das erste Mal von 1986 bis 1989 in den alten Bundesländern durchgeführt, im Jahre 2002 die zweite Zählung in allen 16 Bundesländern. Für die 3. Bundeswaldinventur sammelten die Länder die Daten in den Jahren 2011 und 2012.  Nach den Vorgaben des Bundeswaldgesetzes ist eine auf ganz Deutschland bezogene, forstliche Großrauminventur durchzuführen, mit deren Ergebnissen ein Gesamtüberblick über Waldverhältnisse und forstwirtschaftliche Daten möglich wird. Die über ein Stichprobenmodell erhobenen Daten sind die Basis, um neueste Informationen über den Waldzustand zu errechnen und aufzubereiten. Die Daten wurden von Mitarbeitern des Thünen-Instituts des Bundes ausgewertet. Sie sind ein Gradmesser für den Zustand und die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Die Ergebnisse sind auch eine wichtige Grundlage für forstpolitische Entscheidungen.

Fünf Teams des Landesbetriebs Forst waren in Brandenburger Wäldern unterwegs, haben Höhe und Durchmesser von Bäumen gemessen, Verjüngung und abgestorbene Holzmengen aufgenommen. Die Erhebungen erfolgten in Brandenburg an 2.864 Standorten, so genannten Waldtraktecken.

 
 

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