Zehn Jahre EU-Beitritt Polens: Es wächst zusammen, was zusammengehört!

Veröffentlicht am 10.06.2014 in Europa

Seit zehn Jahren ist Polen Teil der Europäischen Union. Die Schranken fielen und die Zollstationen sind verschwunden. Man kann nur die Worte Willy Brandts wiederholen, der zum Ende der Teilung Deutschlands bemerkte: "Es wächst zusammen, was zusammengehört!" Selbiges gilt auch für Polen und die anderen Nachbarn im Osten Europas. Wieso sollen sie abseits stehen? Nicht an den Früchten und Priviliegien einer Europäischen Union teilhaben? Auch wenn Nörgler, Nationalisten und andere Gestrige es nicht wahrhaben wollen.

Polen, Balten, die Völker auf dem Balkan, Rumänen und Bulgaren haben immer dazu gehört! Sie sind Teil unserer Kultur, wie wir Teil ihrer sind. Schaut einfach in die Geschichtsbücher. Wir alle profititieren vom modernen Europa alle. Besonders wenn man Nachbarn als Freunde hat!

Lesen Sie das Grußwort von Minister Vogelsänger anlässlich des zehn-jährigen EU-Beitritts Polens/ und der erfolgreichen Städtepartnerschaft zwischen Erkner und Goluchow (Großpolen).

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Zdunek, sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde aus Goluchow!
Wir haben heute doppelten Grund zu feiern. Wir können einerseits eine positive Bilanz der erfolgreichen zehnjährigen Zusammenarbeit von Deutschland und Polen, von Brandenburg und Großpolen innerhalb der Europäischen Union ziehen.
Diese Zusammenarbeit funktioniert aber nicht, weil Verträge zwischen europäischen Staaten gemacht wurden, sondern sie funktioniert vor allem im konkreten Miteinander von Kommunen und Bürgern.

Und dies ist der zweite Anlass zum Feiern: die erfolgreiche und ebenfalls schon viele Jahre währende Partnerschaft von Goluchow und Erkner. Als Minister in Verantwortung für das Land Brandenburg und als Stadtverordneter und Bürger von Erkner sind für mich beide Jubiläen von besonderer Bedeutung: Das trifft natürlich auf unsere gesamte Delegation zu. Die Städtepartnerschaft wird zum Beispiel auch von unserem Bürgermeister, Jochen Kirsch,
intensiv begleitet.

Ich erinnere mich gut an die Bilder und Stimmen aus der Nacht zum 1. Mai 2004 in Frankfurt (Oder) und Slubice. Um Mitternacht ertönte dort die Europahymne, über den Köpfen der Zuschauer explodierte ein Freuden-Feuerwerk. Dann öffneten der damalige Außenminister Joschka Fischer und sein polnischer Amtskollege Wlodzimierz Cimoszewicz symbolisch die Grenze an der Oder-Brücke.

Ein wichtiger, zukunftsweisender Schritt für Europa. Gemeinsam in und für Europa. An einer friedlichen, harmonischen und erfolgreichen Entwicklung arbeiten. Das ist die Divise und das ist fantastisch!

Doch es gab seinerzeit bei aller Euphorie auch viele skeptische Töne zu hören. Die Menschen in der „alten“ Union befürchteten vor der Erweiterung 2004 eine steigende Arbeitslosigkeit und Dumpinglöhne, weil Millionen Arbeitssuchende „aus dem Osten“ ihnen die Jobs wegnehmen werden.

Genauso hörte man polnische Stimmen, die fürchteten, dass reiche Kapitalisten „aus dem Westen“ sich billig Grund und Boden unter den Nagel reißen könnten. Die Ängste haben sich nicht bewahrheitet, ganz im Gegenteil.

Mit Fug und Recht können wir die Entwicklung der Beziehungen zwischen Brandenburg und Polen in den zehn Jahre nach Polens EU-Beitritt überdurchschnittlich gut bilanzieren. Konkret lässt sich dies an Zahlen aus der Wirtschaft ablesen.

Seit 2004 verdoppelten sich die Brandenburger Exporte nach Polen, die Importe aus Polen stiegen um die dreifache Menge. Polen wurde zum wichtigsten Handelspartner unserer märkischen Wirtschaft.
Auch die Logistik-Branche arbeitet erfolgreich und in Sachen Verkehrsanbindung haben wir ebenfalls Fortschritte erreicht – egal, ob auf der Schiene oder der Straße. Aber es gibt natürlich noch viel zu tun.

Wir arbeiten gut in der Oder-Partnerschaft zusammen. Wir sind ein gemeinsamer Kooperationsraum. Wir haben Verständnis füreinander, können einander zuhören und arbeiten daran, gemeinsame Probleme gemeinsam zu lösen und langfristig gemeinsam wettbewerbsfähig zu sein. Zahlreiche deutsch-polnische Projekte in verschiedenen Politikfeldern tragen bereits erste Früchte.

Unsere in Poznan unterzeichnete Gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen dem Land Brandenburg und der Wojewodschaft Großpolen bewirkte eine solide Vertiefung von Kontakten, projektbezogener Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustauschens. Im Herbst letzten Jahres kamen wir beispielsweise in Poznan zu einer gemeinsamen Fachkonferenz zusammen, um unseren Partnern in Politik und Verwaltung von Großpolen unsere Erfahrungen in der Organisation des Öffentlichen
Personennahverkehrs in Deutschland und konkret im Land Brandenburg zu vermitteln.

Jetzt geht es in Europa darum, die europäische Einigung zu wahren und mit kraftvoller und kluger Politik eine neue Spaltung Europas zu verhindern. Hier steht die neue EU-Kommission und das neu gewählte EU Parlament in besonderer Verantwortung. Es sind zuallererst die Begegnungen der Menschen, die der europäischen Idee Leben einhauchen.

Diese Begegnungen erzeugen interkulturelles Verständnis, ohne das uns unterschiedliche Denk-, Sicht- und Arbeitsweisen in Europa verschlossen blieben. Der europäische Gedanke lebt davon, das Verbindende zu suchen und das Trennende zu überwinden. Das ist auch der Gedanke, auf dem unsere Städtepartnerschaft Erkner – Goluchow basiert.

Ich danke an dieser Stelle den Akteuren, die die Initiative ergriffen hatten, diese Städtepartnerschaft zu vereinbaren. Besonders möchte ich hier Hans Hoffmann und Joachim Schulze hervorheben. Unsere Städtepartnerschaft Erkner – Goluchow ist auf das freiwillige Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger sowie deren Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden und Vereinen angewiesen.

  • Unseren Freiwilligen sei Dank. Sie sind diejenigen, die tolle Ideen haben, die Projekte in Gang setzen, die an den Projekten dranbleiben und damit in erheblichem Maße das gesellschaftliche Miteinander befördern.
  • Diese Städtepartnerschaft gibt einzigartige Möglichkeiten, etwas über den Alltag der Bürger und Bürgerinnen in Goluchow und Erkner zu lernen, mit ihnen zu sprechen und dadurch auch Freunde zu finden.
  • Unsere Städtepartnerschaft Erkner – Goluchow hat ein beachtliches Potenzial ans Licht befördert zur Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Bürgern und Bürgerinnen in beiden Orten.

Bürgerinnen und Bürger sind aufeinander neugierig geworden und betrachten die regelmäßigen Kontakte und die gute Zusammenarbeit von Schulen, Vereinen und Verbänden als Bereicherung für sich und ihre Gemeinschaften. Ich bin überzeugt, dass Menschen, die in solchen Städtepartnerschaften zusammen arbeiten, über die Zeit in ihrem Herzen europäische Werte entwickeln. Diese Offenheit wird für den Umgang mit den Herausforderungen unserer gemeinsamen Zukunft unentbehrlich sein!

Wir freuen uns auf die bevorstehenden Begegnungen in Goluchow/ in PoznanFreunde in Polen zu haben und wir sind dankbar,
Jörg Vogelsänger
Minister für Infrastruktur undLand Brandenburg
Landwirtschaft

 
 

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