Seit Anfang August heißt in der Erkneraner Museumsscheune eine kleine Ausstellung „Unser Dämeritzsee 1770 bis 2020“. Es geht um den Eingriff des Menschen in eine Wasserlandschaft am Rande einer sich entwickelnden Großstadt und die ökologischen Langzeitfolgen. Und um eine dringende Bitte das langsame Sterben eines Sees umzukehren. Jörg Vogelsänger: "Die Ausstellung ist eindringliche Mahnung. Das Wasser- und Schiffahrtsamt Berlin ist zuständig. Es muss wieder entschlammt und entkrautet werden. Hierfür müssen wir uns gemeinsam einsetzen."
Auf den ersten Karten sieht man noch genau: Die Spree floss am Dämeritzsee vorbei direkt in den Müggelsee. Alles was der Fluss an Sand, Schlamm und Steinen mit sich brachte, lagerte sich im Lauf der Jahrhunderte ab. Ein natürlicher Teil im Leben und Sterben eines Sees. Er verlandet mit der Zeit wird zum Sumpf oder Moor.
Lastkähne waren einst das Transportmittel Nr.1
Es war der Mensch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der in ganz Europa begann Flüsse und Seen zu begradigen, schiffbar zu machen. Moore und Sümpfe trocken zu legen und in Ackerland umzuwandeln. So auch der aufstrebende Preußische Staat. Die schnell wachsende Residenzstadt Berlin brauchte Kalk, Ziegel, Torf, Holz, Getreide und andere Lebensmittel. Die Preußischen Landstraßen reichten längst nicht mehr, die Eisenbahn, die Erkner zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Industriestandort machen sollte, gab es noch nicht.
Wasserstraßen waren die Transportwege der Zeit. Auf Lastkähnen mit Segeln transportierten Schiffer die Waren über Flüsse wie die Spree und Seen wie den Dämeritzsee. Was lag näher als beide zu verbinden, quasi den Fluss durch den See zu leiten (siehe oben, Karte von 1869). Die Vorteile lagen auf der Hand. Von der Spree gelangten die Schiffer jetzt in Rüdersdorfer Gewässer und weiter. Der Müggelsee verlandete nicht mehr so stark. Die Sedimente lagerten sich im Dämeritzsee ab. Was die Spree bis heute tut.
Im Jahre 1879 veranlasste das Wasserbauamt Coepenick einen 400 Meter langen Durchstich vom Westufer des Dämeritzsees zur Müggelspree. Bereits in den 20 Jahren hatte die Fahrrinnen zahlreiche Untiefen, eine Gefahr für die Schifffahrt.
Im Jahre 1924 ordnete der Reichsverkehrsminister noch die Verlegung der Müggelspreemündung in den östlichen Bereich des Dämeritzsees an. Kostenpunkt: 23.000 Goldmark. Danach war Schluss mit den systematischen Baggerarbeiten im Kampf gegen die Verlandung des Gewässers, das einfach zur Stadt Erkner gehört.
Unvorstellbar für die Initiatoren und Chronisten der Ausstellung über die Geschichte des Sees, der jetzt verschlammt, verkrautet und über weite Strecken nicht mehr befahrbar ist. Reimer Hoffmann (Bild re.), der den Landtagsabgeordneten Jörg Vogelsänger (Mitte) und den Vorsitzenden der Erkneraner Stadtverordnetenversammlung Lothar Eysser (li) durch die Ausstellung detailreich und engagiert führte, erinnerte an die Aufgabe eines intakten Gewässers am Rande einer Stadt wie Erkner.
„Es ist nicht nur die Erholung und Freizeit für unsere Mitbürger, um die es geht. Es ist auch ein Stück Heimat und Geschichte. Wasserwirtschaftswege sind langfristig eine ökologisch sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Verkehrswegen!“
Hintergrund
Dabravica nannten einst die heimischen Slawen den See, was wohl Gewässer am Eichenwald bedeutet. Lange hieß er Dameritzbabe. Wobei mit Babe eine sumpfige Stelle gemeint ist. Die Preußische Wasserbauverwaltung machte schließlich Dämeritzsee daraus.
Heimatmuseum Erkner, Heinrich-Heine-Straße 17/18, 15537 Erkner. Öffnungszeiten Mittwoch, Samstag & Sonntag von 13 bis 17 Uhr, Anmeldung erbeten: 03362 - 22 45 2 oder per E-Mail an hv-erkner(at)t-online.de
Der Dank der SPD-Fraktion gilt Reimer Hoffmann und Dr. Lutz Müller, die diese großartige Ausstellung zusammengestellt haben. Reimer Hoffmann war 20 Jahre Mitglied unserer Fraktion Erkner und langjähriger Bauausschußvorsitzender.
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