Martin Schulz vorgeschlagen

Veröffentlicht am 25.01.2017 in Bundespolitik

Nun ist es raus! Nach langem Druck auch der Presse und dem Fernsehen hat sich Sigmar Gabriel, der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, gestern, am 24. Januar 2017, für einen Rückzug aus der K-Frage und von der Parteispitze entschieden.  Sein Vorschlag für die Kanzlerkandidatur und für den Parteivorsitz: Martin Schulz. Auf einer Pressekonferenz am Abend stellte sich der designierte Kanzlerkandidat vor. Lesen Sie die Rede im Wortlaut.

Martin Schulz auf der Pressekonferenz am 24. Januar 2017

 „Ich danke Ihnen meine Damen und Herren und liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Sie so lange ausgehaart haben. Heute ist das für mich - das können Sie verstehen - ein besonderer Tag, der mich tief bewegt. Sigmar Gabriel hat das gerade gesagt: Das Präsidium der SPD hat auf seinen Vorschlag hin beschlossen, mich dem Parteivorstand am kommenden Sonntag  als Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden der SPD zu empfehlen.

Das ist eine außergewöhnliche Ehre, die ich, das gebe ich zu, mit Stolz, aber auch mit der gebotenen Demut annehme und aus der ich versuchen werde, das Beste für unser Land zu machen, denn ich glaube die SPD hat einen Auftrag unser Land zu verbessern. Das war auch die Leitlinie von Sigmar Gabriel. In allem was er als Vorsitzender unserer Partei – und ich glaube er ist ein großer Vorsitzender der SPD - für unsere Partei und für unser Land getan hat, das war das Leitmotiv, durch die Sozialdemokratie das Land zu verbessern.

Ich werde morgen vor der Bundestagsfraktion und am Wochenende den Parteivorstand der SPD meine Bewerbung erläutern und am Sonntagnachmittag hier im Willy-Brandt-Haus (Sitz der SPD) die Inhalte, mit denen wir in den Wahlkampf ziehen, vertieft erläutern und ich lade Sie alle ganz herzlich jetzt schon dazu ein.

Wir wollen als Sozialdemokraten klar machen, dass es in dieser Zeit um viel geht. Es geht ein tiefer Riss durch die Gesellschaft – nicht nur in unserem Land. Auch in den anderen Ländern Europas. Die europäischen Gesellschaften driften auseinander – man kann eigentlich nach der Präsidentschaftswahl in den USA sagen – weltweit driftet die Gesellschaft auseinander und es gibt eine große Verunsicherung unter den Menschen. Dem Auseinanderdriften muss man mit Mut und mit Zuversicht entgegentreten. Wir brauchen diesen Mut – und den haben wir auch!

Die SPD ist eine mutige Partei und wir wollen, dass die Zuversicht, die uns heute hier in unseren Diskussionen geleitet hat, übertragbar wird auf die gesamte Bevölkerung. Wir wollen einen Wahlkampf führen, der uns als Sozialdemokratische Partei Deutschlands am Ende mit dem Auftrag ausstattet, dieses Land zu führen, denn dieses Land braucht in diesen schwierigen Zeiten eine neue Führung.

Wir wollen, dass die hart arbeitenden Menschen in diesem Lande - die sich an die Regeln halten - sicher und gut in Deutschland leben können. Wir wollen, dass es gerecht und fair zugeht. Wir wollen, dass die Menschen sich respektiert fühlen, das es in diesem Land eine sichere Zukunft für ihre Kinder gibt und das sie darauf vertrauen können, dass die Demokratie, die sie – die Menschen – respektieren auch umgekehrt dafür da ist, dass die Menschen auch das Gefühl haben, respektiert zu sein. Dass sie die gleichen Chancen und Möglichkeiten in dieser Gesellschaft haben. Jede einzelne Familie, jeder einzelne Mann, jede einzelne Frau, jedes einzelne Paar, alle Kinder, die gleichen und fairen Chancen haben, sich in dieser Gesellschaft zu verwirklichen.

 Wir wollen, – und das vor allem in dieser Zeit von selbsternannten Eliten – dass die Menschen nach ihren Taten und Motiven beurteilt werden und nicht nach ihrer Herkunft und ihrem Geldbeutel. Die SPD hat den Führungsanspruch in diesem Land für diese Themen und wir wollen diesen Führungsanspruch in Stimmen umsetzen. Das ist das Ziel der nächsten acht Monate.

Ich komme als ein Politiker hier her nach Berlin, der fest davon überzeugt ist, dass ein funktionierendes Europa die Grundbedingung für Frieden und Wohlstand ist und deshalb wird es mit mir kein „Bashing“ gegen Europa geben, mit mir wird es keine Hatz gegen Minderheiten geben und ich sage in dieser auseinander driftenden Gesellschaft allen Populisten und den Feinden unserer Demokratie und unserer pluralen Werteordnung hier entschieden den Kampf an. Wir werden unsere soziale Demokratie und unser offenes Gesellschaftsmodell als Sozialdemokratische Partei verteidigen. Wann immer die Demokratie in diesem Lande gefährdet war, gab es eine Brandmauer gegen die Feinde der Demokratie und die heißt Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

Ich werde am kommenden Sonntag ausführlich darlegen und bitte Sie daher um Verständnis, dass ich das heute Abend noch nicht vertieft tue, wie ich in diesen Wahlkampf – unterstützt von meinen Kolleginnen und Kollegen, von meinen Genossinnen und Genossen – ziehen werde. Ich freue mich auch auf die Zusammenarbeit mit Ihnen meine Damen und Herren (gestikuliert und richtet seinen Blick in Richtung der Kameras) auf die Begegnungen mit Ihnen in den kommenden Wochen und Monaten und auf einen Wahlkampf, von dem ich glaube, dass er spannend, interessant und für die SPD erfolgreich werden wird. Dankeschön.“

Mit dem Votum des Parteivorsitzenden, des Präsidiums und der SPD-Bundestagsfraktion wird sich Martin Schulz am kommenden Sonntag dem Vorstand der SPD vorstellen. Dort könnte das Votum wegweisend für den Parteitag in vier Wochen sein.

Am kommenden Sonntag wird Martin Schulz Grundsätzliches und Details seines Programms für die SPD vorstellen. Wir sind gespannt!

 
 

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