Noch im Rennen: Sechs Doppelspitzen

Veröffentlicht am 14.10.2019 in Wahlen

Wir wählen eine neue Spitze! Bis zum 25. sind alle Genossen, die zum 16. September 2019 eingetreten sind und aufgenommen, aufgefordert, eine neue Doppelspitze für die Sozialdemokratische Partei Deutschland vorzuschlagen. Jeder kann teilnehmen. Wer sich rechtzeitig gemeldet hat, kann das Online tun. Alle anderen erhalten die Wahlunterlagen schriftlich. Es gibt also keinen Grund, nicht zu wählen.

Achtung: Am letzten Tag der Vorstellungstournee in München haben Hilde Mattheis und Dierk Hirschel ihre Kandidatur zurückgezogen. Auf den Stimmzetteln und bei der Online-Abstimmung konnte das nicht mehr berücksichtigt werden. Bitte beachtet dies bei Eurer Stimmabgabe.

Wer sich noch nicht hinreichend informiert fühlt, kann sich eine der zahlreichen Live-Mitschnitte der Kandidatenrunden anschauen. Hier als Beispiel die Veranstaltung im Willy-Brand-Haus am 17. September 2019.

Das sind die Kandidaten (Kandidierenden)

Kurz vor Bewerbungsschluss hatten Nordrhein-Westfalens ehemaliger Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken aus Baden-Württemberg gemeldet. Saskia und Norbert mit eigenen Worten

  • "Wenn die SPD Zukunft haben will und eine gerechte Zukunft schaffen, dann muss sie sich an Kopf und Gliedern neu erfinden", meint Esken auf Twitter. Walter-Borjans und sie seien ein "Tandem auf Augenhöhe" und ergänzten einander ideal. "Gemeinsam stehen wir für klar sozialdemokratische Botschaften und Haltungen ohne Schnörkel."

Christina Kampmann, 38 Jahre, Ex-Familienministerin NRW und Landtagsabgeordnete mit Michael Roth, 48 Jahre, Staatsminister im Auswärtigen Amt, Diplom-Politologe und seit 1998 Bundestagsabgeordneter aus Hessen. Christina und Michael mit eigenen Worten

  • Mit 35 Jahren wurde Christina Kampmann Ministerin für Familie, Frauen und Kultur im Kabinett von SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in NRW. Sie würde die SPD gerne als die Partei positionieren, die Konzepte hat für die Zukunft der Arbeit und Arbeiter, deren Jobs von Digitalisierung bedroht sind. „Aufstieg durch Bildung", das ist der sozialdemokratische Glaubenssatz des Sohnes eines Bergmanns. Roth, Jurist und seit dem 28. Lebensjahr direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für die SPD. Roth arbeitet derzeit als Staatssekretär im von Heiko Maas geführten Außenministerium, mit Zuständigkeit für die Europapolitik. Er ist wie Kampmann eher Vertreter eines Mittekurses der SPD, wünscht sich keinen dezidierten Linksruck.

Karl Lauterbach, 56 Jahre, Mediziner, Gesundheitsexperte der SPD und Nina Scheer, 47 Jahre, Juristin und Politologin, Umweltpolitikerin. Karl und Nina mit eigenen Worten

  • Karl Lauterbach, Mann mit Fliege, ist seit fast 14 Jahren Bundestagsabgeordneter, engagiert sich für eine Abschaffung der Zweiklassenmedizin und mehr soziale Gerechtigkeit. Als Gesundheits- und Pflegeexperte setzt er mit der Umweltpolitikerin Nina Scheer "Sozial-ökologisch klar" auf die Stimmen der einfachen SPD-Mitglieder. Die SPD müsse künftig Soziales und Umweltfragen mehr miteinander verknüpfen, deutlich linker werden, finden beide. Ihre Ansage: "Schnell raus aus der großen Koalition".

Gefunden hatten sich Boris Pistorius und Petra Köpping. Das niedersächsische Innenministerium bestätigte die Kandidatur des 59-Jährigen. Petra und Boris mit eigenen Worten

  • Pistorius ist seit 2013 Innenminister in Niedersachsen und gilt als einer der profiliertesten Innenpolitiker der SPD. Die 61 Jahre alte Köpping ist seit 2014 Staatsministerin für Gleichstellung und Integration in Dresden.

Vizekanzler Olaf Scholz, Bundesfinanzminister und Vizekanzler stieg am 16. August nach langem Zögern ins Rennen um den SPD-Vorsitz ein. Mit ihm will Klara Geywitz, nicht wiedergewählte brandenburgische Landtagsabgeordnete und ehemalige Generalsekretärin der Landes-SPD die Zukunft der deutschen Sozialdemokraten mitgestalten. Sie schrieb in einem offenen Brief an die Mitglieder. Auf Phoenix stellten sich die beiden in der Bundespressekonferenz vor. Die Selbstdarstellung von Olaf und Klara

Gesine Schwan, willige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin und Mitglied der Grundwertekommission der SPD, hatte in Ralf Stegner einen Partner gefunden. Ralf und Gesine mit eigenen Worten

Eine Stimme von außen

So stehen die Chancen der Kandidaten-Duos“, titelte die Berliner Morgenpost am 12. Oktober. Auch wenn man der Einordnung nach Richtung Schubladen und Aussichten nicht unbedingt folgen kann, lohnt ein Blick auf den Beitrag von außen.

Hintergrund

„Wer tut sich das an?“ Das fragte das seriöse Wochenblatt „Die Zeit“ zu Beginn der Kandidatenrunde. Nachrichtenmagazine und Agenturen stellten die üblichen Verdächtigen als auch neue Kandidaten für den Vorsitz der alten großen SPD vor. Seit der Wende im Jahre 1990 wurden 17 Parteichefs im Willy-Brandt-Haus verschlissen oder fungierten kommissarisch. Ein untrügerisches Anzeichen für fortwährende Machtkämpfe, Mobbing und Intrigen. Für den Außenstehenden ist es kaum erkennbar, wer hier nun Täter und wer Opfer war. So würde es jedenfalls bei jeder anderen Institution heißen. Willy Brandt, dem großen Ehrenvorsitzenden und Helmut Schmidt, dem Macher, würde es nicht gefallen. (Wobei die beiden schillernden Persönlichkeiten im Trio mit Herbert Wehner auch keinen großartigen Umgang pflegten.)

Jetzt sollen die 426.000 Frauen und Männer, Jusos, genannt Genossen den Vorstand bestimmen. Der Bundesparteitag Anfang Dezember muss das Votum allerdings bestätigen.  Rund 20.000 Genossinnen und Genossen hatten die Vorstellungstournee besucht, mehr als 130.000 haben sich für die Online-Wahl registriert.

 
 

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