Wir brauchen Menschen wie Franz! Und zwar überall!

Veröffentlicht am 07.10.2019 in Kultur

Ehrenbürger Franz Hauer und seine Familie

Das Ehrenamt hält unsere Gemeinschaften zusammen. Die Freiwilligen retten Leben, helfen in all den anderen Institutionen oder Vereinen und sind auch sonst recht rührig in Gemeinden oder Städten. Der Schreiber dieser Zeilen schließt sich hier einmal dem Loblied auf einen Ehrenämtler an, der nicht aus der Region stammt. Hajo Guhl würdigt Franz Hauer aus dem Mühlviertel. Wer zwischen den Zeilen liest, wird merken, dass es auch etwas mit Brandenburg zu tun hat.

Lieber Franz,

jetzt bist Du Ehrenbürger von Oberkappel, gelegen im schönen Mühlviertel*. Rund 700 Einwohner zählt die Marktgemeinde. Du, Franz Hauer wohnhaft im Rannatal, Jahrgang 1943, warst bei der Feuerwehr, zwei mal Kapellmeister, die Liste Deines Tuns für den Ort und die Region ist lang.

Da gibt es entlang dieses Flüsschens, genannt Ranna, einen Trimm-Dich-Pfad. Wer hält ihn in Ordnung? Das Dach eines (deutschen) Nachbarn droht unter der Last einzubrechen! Wer schippt? Kaffeemaschinen, eingerissene Achshalter am Fahrrad, kaputte Reißverschlüsse Wer repariert? Jeder, der Franz kennt, weiß von einer guten Tat zu berichten!

Und seine Frau Liese? Sie schmunzelt ob der Unruhe ihres Franz!

Ob wir es nun Ehrenamt nennen, Hilfsbereitschaft oder wie auch immer. Menschen wie Franz sind der Kitt in unserer Gesellschaft. In einem kleinen Ort wie Oberkappel fällt uneigennützige Arbeit für den Nachbarn und die Gesellschaft jedoch eher auf als in der anonymen Großstadt. Hier muss man nur genauer hinschauen.

Der Verfasser dieser Zeilen hat des öfteren mit Franz gesprochen, diskutiert und verglichen. Franz ist ein Kenner der Region und seiner Historie. Also ging es unter anderem auch um Lebensweise und Lebensart von Mühlviertel und Brandenburg.

Der Landstrich zwischen Donautal und Böhmerwald hat harte Zeiten durchlebt. Tschechiens Eiserner Vorhang bestand ab 1945 aus einem acht Kilometer breiten Niemandsland. Bis zum Jahr 1955 gehörte das Mühlviertel zum sowjetischen besetzten Teil Österreichs. Der Schmuggel zwischen Bayern und diesem Zipfel Österreich florierte. Der Wohlstand kam in diese Region mit großer Verzögerung.

Wer sich heute in Oberkappel und Umgebung umschaut, mag den Bildern aus dem Vierziger, Fünfziger und Sechziger Jahren kaum glauben. Sie haben hart gearbeitet für ihre schönen Häuser, ihren Wohlstand. Franz musste als „Gastarbeiter“ ins westdeutsche Donautal, nachdem seine Arbeitsstelle in der Gemeinde nach einer Reform fortfiel. Gut, er konnte wie viele seiner Nachbarn abends wieder nach Hause fahren. Er war eben ein Pendler.

Grenzen sind die Menschen der Region gewohnt, sogar geteilte Ortschaften, haben sich arrangiert. So gehört Kappel zur Bundesrepublik und Oberkappel zu Österreich. Die alte Grenze ist noch zu erkennen.

Heute, nachdem auch die Grenze zum Böhmerwald verschwunden ist und die Grenzhäuser zwischen Deutschland und Österreich längst verkauft, liegt das Mühlviertel plötzlich in der Mitte Europas. „Wir können froh sein, dass die Deutschen sich nicht wie eine Großmacht aufspielen“, hat der Franz einmal gesagt. Glückliches Österreich.

Franz ist nun Ehrenbürger von Oberkappel. Das Dorf, die Kirchengemeinde und vor allem die Familie hat´s gefeiert. Zünftig, lang und selbstbewusst.

Wie eingangs behauptet: Es ist die freiwillige Arbeit für einen Mitmenschen, die eine Gesellschaft zusammenhält. Ob nun im Mühlviertel oder in Brandenburg. Sie loben ihre Ehrenämtler mit Recht.

P.S.: In Oberkappel leben übrigens in einem ehemaligen Hotel rund 50 Asylsuchende. Seit Jahren. Sie hatten einen katholischen Pfarrer, der aus Afrika kam. Probleme: Keine.

* Wer hinter Passau entlang der Donau Richtung Linz fährt, biegt irgendwann links ab.

 
 

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