Potsdam feierte am Wochenende den 500. Geburtstag des Reinheitsgebotes!
Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – Diese vier Zutaten machen ein Bier aus, das nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1905 gebraut wurde. Doch das Reinheitsgebot als solches feiert in diesem Jahr bereits seinen 500. Geburtstag. So auch geschehen am Wochenende in Potsdam. Herzlichen Glückwunsch also, gute alte Lebensmittelverordnung!
Man schrieb das Jahr 1516, als der Bayerische Kurfürst ein Gesetz erließ, nachdem beim Bier in seinem Staat nicht mehr herum gepanscht werden durfte. Eine lobenswerte Initiative, die allerdings auch darauf hinweist, dass manche Brauer bei den Zutaten recht kreativ waren. Das Reinheitsgebot wird in Deutschland bis heute eingehalten. Sonst ist‘s kein Bier, darf nicht so genannt werden. Bis auf ganz wenige Ausnahmen. Dennoch: Deutschland ist Spitzenreiter, was die Vielfalt der Biere angeht. Allen voran Bayern, dann kommt NRW. Das Land Brandenburg ist mit seinen 24 Brauereien, darunter 23 Private dagegen ein Zwerg. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger: „Die Liste wird hoffentlich immer länger.“
„Brandenburg ist bis heute ein wichtiger Brauereistandort“, betont Vogelsänger: „Das Brauereiwesen gehörte lange zu den strukturbestimmenden Branchen im ländlichen Raum. Noch vor wenigen Jahrzehnten hat es im Land mehr als 100 Brauereien gegeben. Mehr als 70 Städte und Gemeinden können stolz auf eine Brauereitradition verweisen. Obwohl heute durch Übernahmen und Standortschließungen etliche Traditionsmarken vom Markt verschwunden sind, ist die Brauereilandschaft dank engagierter Klein- und Kleinstbrauereien immer noch bunt und vielfältig. So sind es vor allem Gasthausbrauereien in Dörfern und Kleinstädten, die mit alten Rezepturen an die handwerklich geprägte Braukultur des Landes anknüpfen, regionale Biersorten auf den Markt bringen und mit vielen Ideen und manchmal auch mit viel Mut Neues ausprobieren.“
Was ist Bier und was macht den Unterschied?
Biere in Deutschland haben meist 4,9 Prozent Alkohol, aufs Liter-Volumen gerechnet. Wie bereits gesagt: Bier ist auf keinen Fall gleich Bier. Erst einmal kommt es die Rohstoffe an. Die Hefe selbst ist heute eine Wissenschaft für sich. Im industriellen Maßstab kommen häufig Extrakte von Malz und Hopfen zum Einsatz. Kein Wunder, dass diese Bier irgendwie recht ähnlich schmecken. Aber dann kommt der große Unterschied.zwischen dem industriell hergestellten Gerstensaft und dem Getränk aus der handwerklich orientierten Brauerei.
Im Geschmack unterscheiden sich die Hopfenkaltschalen zum Teil deutlich. Doch wie kommt das zustande? Was macht die Qualität von Malz, Hopfen und Hefe aus? Was ist ober- oder untergärig? Was also ist das Besondere an den verschiedenen Bieren? Wie unterscheiden sie sich im Geschmack? Ein Schnellkurs zum Mitreden:
Alkfreie
Ein guter Durstlöscher ist immer ein alkoholfreies Bier. Besonders für Autofahrer. Für die Werber: Ja, es ist ein isotonisches Getränk. Genügend Mineralstoffe befinden sich in den allerdings in den meisten Getränken. Wer trinkt schon destilliertes Wasser? Bis auf wenige alkoholfreie Varianten schmecken sie nur eiskalt. Wie enstehen Alkoholfreie? Entweder wird der Alkohol nach dem normalen Brauen entzogen oder der Vorgang wird abgebrochen.
Altbier
Düsseldorfer Gegenstück zum Kölsch. Bei Diskussionen von Rheinländern um ihre Biere: erst gar nicht einmischen. Siehe Kölsch
Berliner Weiße
Echte Berliner Weiße ist eine Mischung für sich: zuerst kommen Weizen- und Gerstenmalz gemeinsam in die Maische. Beim Gären machen sich Hefe und Milchsäurebakterien getrennt oder gemeinsam an die Arbeit. Im 17. Jahrhundert stieg die Weiße zum Lieblingsgetränk der Berliner auf. Waldmeister oder Himbeer-Sirup kam erst in den 20ger Jahren in die typische Glasschale. In Potsdam gibt es noch eine Brauerei, die Weiße nach altem Verfahren braut.
Craft Beer
Vor allem junge Amerikaner hatten genug von den Biergiganten ihres Landes. Sie begannen bereits in den 70er Jahren craft beer zu brauen (englisch craft „Handwerk, handwerklich arbeiten“). Ein Akt geschmacksorientierter Notwehr also. Craft Brewerys sind unabhängig von großen Bier-Multis und haben in den USA mittlerweile einen Marktanteil von rund elf Prozent. Soweit die Erfolgsgeschichte. Viele der Kleinstbrauereien (micro brewery) sind stolz darauf, nach dem Deutschen Reinheitsgebot zu brauen. Müssen es aber nicht. Deshalb wird in den USA intensiv an Zutaten und Geschmacksrichtungen experimentiert. Die Craft Beer-Welle ist inzwischen auch Deutschland geschwappt. Wer hier vom Pfad der Tugend (Reinheitsgebot) abkommen möchte, darf sein Gebräu nicht Bier nennen. Auch wenn es fantastisch schmeckt...
Dunkles
Beim Dunklen kommt mehr Malz zum Einsatz. Allerdings: Hier muss man einen Blick auf die ersten Schritte bei Herstellung von Bier werfen. Gerste wird zum Keimen gebracht. Beim anschließenden Darren entsteht aus Stärke Malzzucker. Dieser ist je nach Sorte mal heller mal dunkler. Es gilt aber das Prinzip: Je mehr Malz desto dunkler wird das Bier. Es schmeckt meist süßer als Helles.
Helles
Ein Helles schmeckt süßer und weicher als Pils. Die herbe Hopfennote fehlt, helles Malzsorten kommen zum Einsatz. Solche weichen Biere werden heute in der Werbung zum Teil als Getränk für junge Frauen vermarktet. Helles gibt es heute fast nur noch als Export. Letzteres wurde durch Pasteurisieren extra haltbar gemacht.
Kölsch
Bei Diskussionen um Kölsch wie beschrieben am besten raushalten. Ist etwas heller als Pils, der Alkoholgehalt ist mit 4,9 Prozent jedoch genauso hoch. Hauptunterschied. Bei Pils oder Hellem ist die Hefe untergärig, Kölsch ist obergärig. Kölsch ist eine Marke. Die Kölsch-Konvention aus dem Jahr 1985 besagt. Dieses Bier darf nur in Brauereien der Domstadt oder im Umland gebraut werden. Noch eine Besonderheit: In ein Glas Kölsch passen 0,2 Liter passen. Daher die rekordverdächtigen Deckel bei den Rheinländern.
Obergärig versus Untergärig
Kölsch, Altbier, Weißbier, Berliner Weiße gehören zu den obergärigen Bieren. Obergärige Hefe benötigt Umgebungstemperaturen von 15 bis 20°C. Es braut sich also schneller und ohne Kühltechnik. Pils oder Helles entstehen mit untergäriger Hefe bei 4 bis 9°C, die Kältetechnik des Herrn Linde machte es Ende 1880 möglich.
Pils
Das Pils ist in aller Munde und damit das meist verkaufte Bier in Deutschland. Frisch, herb und hopfenbetont soll es sein Pils hat einen Alkoholgehalt von 4,9 Prozent. Bayerische Brauer brachten das herbe Helle einst ins damalige böhmische Pilsen. Für die Kalorienzähler unter den Biertrinkern: 420 Kilo Kalorien pro Liter.
Potsdamer, Alsterwasser, Radler und Co
In der ursprünglichen Variante eine Mischung von Bier mit klarer (Zitronen)-Limonade. Am Zapfhahn gilt: Die Limo kommt zuerst, dann das Bier. Die fertigen Mixgetränke schmecken nach Irgendetwas, nur nicht nach…
Starkbier
Eine Erfindung (bayerischer) Mönche für die Fastenzeit (Aschermittwoch bis Ostern). Starkbiere enden in München auf -ator und sind mit 6,5 bis 12 Prozent Alkohol deutlich stärker. Verursachen damit heftige Räusche, der hohe Malzgehalt u.U. starke Kopfschmerzen.
Weißbier oder Weizen
Weißbier hat mit weißem Bier nichts zu tun. Es ist der Weizen, der dieses Bier prägt. Darf trotzdem Bier genannt werden. Weizenbier wird weder aus dem Bauchnabel (irreführende Werbung) noch aus der Flasche getrunken (geht wegen der Kohlensäure nicht). Gutes Weizenbier schmeckt frisch, leicht bananig und perlt. Ein wunderbares Sommergetränk! Beim Kristall-Weizen ist die Hefe herausgefiltert.
Wo sind Brauereien in Brandenburg:
Brauereien, Kleinst- und Gasthausbrauereien im Land Brandenburg (Stand April 2016; Quellen: Brandenburger Brauereiführer, Bierdeckel-Magazin, lokale Presse)
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