Brandenburger Agrarprodukten auf die Sprünge helfen

Veröffentlicht am 14.11.2017 in Wirtschaft

Brandenburgs Agrar- und Ernährungswirtschaft gehört zu den leistungsfähigen und strukturbestimmenden Wirtschaftszweigen im Land und befindet sich auf Erfolgskurs. Mit dem steigenden Interesse an Regionalprodukten wachsen auch die Herausforderungen. Es gilt, auf neue Konsumentenwünsche zu reagieren und die Wertschöpfung im Lande zu halten und auszubauen. Im Bericht zur „Regionalen Wertschöpfung, Produktion und Vermarktung Brandenburger Agrarerzeugnisse fördern“ geben Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger und Wirtschaftsminister Albrecht Gerber am Dienstag 14. November 2017 im Kabinett ihren Lagebericht.

Wo stehen Landwirtschaft und Produte im Land?

2016 erwirtschafteten die landwirtschaftlichen Produktionsbetriebe 733 Millionen Euro Bruttowertschöpfung. Obwohl der Anteil der Landwirtschaft von 1,2 Prozent an der Bruttowertschöpfung der gesamten brandenburgischen Wirtschaft auf den ersten Blick gering erscheinen mag, ist dies doch doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Regionale Produkte bei Umfragen werden bei Verbrauchern stets hoch bewertet. In der Kaufentscheidung spielen sie jedoch noch eine kleinere Rolle. Im Handel liegt ihr Beitrag zum Umsatz unter zehn Prozent.

„Regional verankerte, wettbewerbsfähige Betriebe sind die beste Voraussetzung, damit Bauern selbst in die Verarbeitung beziehungsweise Teilverarbeitung der von ihnen produzierten pflanzlichen und tierischen Erzeugnisse einsteigen können, so Agrarminister Jörg Vogelsänger.

"Das Land bietet hierfür mit seinen Programmen seit 1990 Unterstützung an. Diese reicht von der Förderung einer Lagerhaltung über Hofläden bis zu Verkaufsmaßnahmen. Wir wollen und müssen noch weitere Potenziale erschließen. Die Direktvermarktung durch Agrarbetriebe kann aber nur eine Ergänzung sein zu den Vertriebswegen der Ernährungswirtschaft und des Lebensmittelhandels. Wir brauchen das Bündnis mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern der Region, die durch ihr Kaufverhalten dazu beitragen können, den Absatz für Agrarprodukte aus Brandenburg zu erhöhen.“

Gerber: „Viele Menschen wollen heutzutage wissen, woher ihre Wurst oder ihr Käse kommen. ,Regional‘ ist angesagt – und dieser Trend birgt großes Potenzial für unsere Lebensmittelproduzenten. Regionalität steht für Verlässlichkeit, Qualität und Frische. Wer regionale Produkte konsumiert, unterstützt heimische Arbeitsplätze und schont zugleich die Umwelt, weil nur kurze Transportwege anfallen. Allerdings wollen die Kunde die Herkunft einer Ware auch nachvollziehen können. Besonders für kleine Unternehmen ist dieser Nachweis aufwendig. 2016 wurde deshalb unter Federführung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde das mit Bundesmitteln finanzierte Verbundprojekt RegioFoodPlus gestartet, das der Entwicklung eines Cloud-basierten Dokumentationssystems dient, mit dem die Herkunft eines Lebensmittels zurückverfolgt werden kann. Landesseitig unterstützen wir u. a. das Netzwerk ,Marktgenuss‘, das eine Online-Handelsplattform für Lebensmittel aufbaut.“

Was wird getan?

Mit rund 3.400 Unternehmen von der Land- und Ernährungswirtschaft, in Verbindung mit Logistik und Handel, zählt das "Cluster Ernährungswirtschaft" zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen Brandenburgs. Rund 58.000 Beschäftigten bietet dieser Bereich vor allem im ländlichen Raum Arbeit und Einkommen. Ein Clustermanagement Ernährungswirtschaft beim Wirtschaftsministerium koordiniert und vernetzt die Interessen der Brandenburger Unternehmen.

Im Ergebnis einer Ausschreibung der Leistungen des Agrarmarketings für land- und ernährungswirtschaftliche Erzeugnisse und landtouristische Angebote des Landes Brandenburg wurde im Januar 2016 der Verband pro agro e. V. mit einem Auftrag in Höhe von jährlich 600.000 Euro für diese Dienstleistungen gebunden.

Mit dem speziellen Fokus auf die ökologische Lebensmittelwirtschaft ist die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin und Brandenburg e. V. (FÖL) aktiv. Sie begleitet – auch gefördert vom Land – Messen und Marketingveranstaltungen, unterstützt die Vernetzung der Unternehmen, um gemeinsam Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Dem Trend zu Bio-Produkten folgend bewirtschaften Bio-Bauern etwa 10 Prozent der Landwirtschaftsfläche. Damit nimmt Brandenburg im bundesweiten Vergleich einen der Spitzenplätze ein.

Der Lagebericht kennt vier Handlungsschwerpunkte

  • Die Schließung von Wertschöpfungsketten und die Sicherung der regionalen Rohstoffgrundlage ist nur in konzertierter Herangehensweise zu lösen. Aus diesem Grund werden die Akteure der Branche mit pro agro e. V. und FÖL e. V. daran arbeiten. Das Clustermanagement wird die Aktivitäten weiter unterstützen.
  • Die Gemeinschaftsverpflegung bietet Wachstumschancen für die regionalen Produzenten. Hier soll auf Erfahrungen aus bereits durchgeführten Workshops aufgebaut werden. Im öffentlichen Bereich sind Ausschreibungsvorgaben hemmend für den Einsatz regionaler Rohwaren. Regionalität darf aus wettbewerblichen Gründen allein kein Kriterium darstellen. Im Rahmen einer breiten Diskussion müssen Nachhaltigkeitskriterien gefunden werden, die von den Produzenten bedient werden können und den Einsatz von Regionalität in der Gemeinschaftsverpflegung erleichtern. Eine Anschubnachfrage aus der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung soll unterstützt werden.
  • Für die Regionalvermarktung sollen die Chancen von regionalen Marken weiter genutzt und ausgebaut werden. Bestehende interne Workshops mit Regionalinitiativen sollen durch Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen Deutschlands ergänzt werden.
  • Die Studie zum Landesmarketing hat ergeben, dass Brandenburg in der bundesweiten Wahrnehmung noch zu wenig präsent ist. Für den überregionalen Absatz von regionalen Lebensmitteln ist dies nicht günstig. In diesem Sinne kann die Lebensmittelvermarktung von einem verbesserten Landesimage deutlich profitieren.
 
 

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