Da war doch was! Prag 1968 - bewegende Sechziger!

Veröffentlicht am 20.08.2018 in Allgemein

Heute ist der 13. August 2018. Vor 57 Jahren gab Walter Ulbricht die Weisung in Berlin eine Mauer zu bauen. Kurz zuvor hatte er sich noch verplappert: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.“ Apparatschik Erich Honecker war der Erfüllungsgehilfe. Im Jahre 1968 erlebte Prag seinen Sozialismus mit menschlichen Antlitz, niedergewalzt am 21. August. Inzwischen ist viel passiert. Hajo Guhl ergänzte den Beitrag, blickt durch die Jahrzehnte zurück...

Im Westen Berlins saß im Schöneberger Rathaus ein Regierender Bürgermeister Willy Brandt, ratlos und allein gelassen. Bundeskanzler Konrad Adenauer ließ sich viel Zeit, die geteilte Stadt zu besuchen. Der damalige US-Präsident John F. Kennedy sagte seinen denkwürdigen Satz: "Ich bin ein Berliner!" Eine Aussage, die bis ins Mark ging. Der jugendlich wirkende "Erste Mann Amerikas" wollte daran erinnern, dass die Westberliner Bürger einer freien Stadt sind und somit jeder freie Bürger in der Welt eben auch ein Berliner ist.

Sieben Jahre später, heute vor 50 Jahren, also 1968, erlebte Prag seinen Frühling. Ein schüchterner fast unscheinbarer Funktionär namens Alexander Dubček wollte für die Tschechen und Slowaken zwischen Prag und Brünn einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“.

Panzer des Großen Bruders und Freunden walzten am 21. August 1968 den Aufstand nieder. Der Schock saß tief. Was blieb, war der Wunsch nach Freiheit ohne das alles überwachende Auge der Partei. Der dritten Revolte nach dem Aufstand in Ost-Berlin im Jahre 1953 und dem Ungarn-Aufstand 1956 folgten die Unruhen in Polen. Die unabhängige Gewerkschaft Solidarność und ein unbeugsamer polinischer Geistlicher namens Karol Józef Wojtyła, der als Papst Johannes Paul II nach Rom zog läuteten das Ende des sozialistischen Lagers ein. Mitte der Achtziger Jahre war das System am Ende und vor allem pleite.

Im selben Jahr 1968 ging auch die Jugend des Westens auf die Barrikaden. Junge Amerikaner wollten nicht in einem Krieg in einem fernen Land namens Vietnam verheizt werden, der außer Toten und entlaubtem Urwald keinem etwas brachte.

Die (west)deutsche Linke an den Universitäten fragte ihre Eltern: „Was habt ihr eigentlich zwischen 1933 und 1945 gemacht?“ Die Antworten blieben bis auf wenige Ausnahmen aus.

Auf den Straßen war eher zu hören: „Unter Adolf wär das nicht passiert. Geh erst einmal zum Frisör, Du langhaariger Lauser!“

Die antworteten auf ihren Demos: "Bürger lasst das Gaffen sein, kommt herunter, reiht euch ein".

Die Aufarbeitung ist stark verkürzt, stimmt aber von der Richtung her. Die (Alt)-68er sind jetzt Mitte 70 und arbeiten an der Verklärung ihrer Jahre. Etwas fassungslos müssen sie allerdings ansehen, wie ihre "Fortschritte" in einer Art "Restauration" niedergewälzt werden sollen. Anders sind die politischen Ansinnen der rechten Strömungen in Europa und auf der ganzen Welt kaum zu verstehen.

Änderungen, Erschütterungen, Umwälzungen und sogar Revolutionen gehören zur menschlichen Gesellschaft. Die verschiedenen Stationen der (europäischen) Geschichte sind bekannt.

Zu den positiven Ergebnissen gehören: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Gleichberechtigung der Geschlechter. Emanzipation von Minderheiten. Soziale Gerechtigkeit und Absicherung bei Krankheit und Alter. Gute Ausbildung und Aufstiegschancen. Teilhabe am Wohlstand. Anspruch auf ein friedliches Leben für alle! Die Liste kann variieren und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alles Kernkompetenzen der Sozialdemokratie.

Da sitzt nun ein alternder National-Konservativer Polit-Star und Ex-Funktionär einer christlichen Partei und gesteht den Bankrott seiner Bewegung einfach so nebenbei: Seine Partei sei jung und hätte auf viele Fragen einfach noch keine Programme!

Der Mann, der im Brandenburger Landtag als Alterspräsident bei der Eröffnungsrede so wunderbar den Soziologen Max Weber zitieren konnte, kann keine Antwort geben, wenn es darum geht, etwas besser zu machen als die sogenannten „Altparteien“ (gemeint sind: CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke) Du Bildungsbürger und angeblicher Feingeist, das hatten wir schon mal. Und zwar in braun! Die Farbe solltest Du ja kennen, in Deinem blau getünchten Verein!

Es war ein John F. Kennedy, der seine Bürger aufforderte: "Frage Dich, was Du für Dein Land tun kannst. Und nicht, was Dein Land für Dich tun kann." Ein Satz, den der gegenwärtige POTUS wohl kaum verstehen wird. Er ist damit beschäftigt, die sozialen Errungenschaften seines Vorgängers Barack Obama einzureissen. Neben seinen Zwitter-Eskapaden...

Zum Schluss noch etwas Versöhnliches: Am Abend des 12. August 2018 endeten in Berlin die Europameisterschaften der Leichtathletik. Vier junge Frauen aus Deutschland gewannen noch einmal Bronze in der 4x100Meter-Staffel. Fröhliche Mädels, frech und selbstbewusst. Sie sind für unser Land angetreten. Wie auch alle anderen Athleten, die Medaillen errangen oder darum kämpften.

Das waren nicht alle Deine Deutschen? Ja, 1936 hatte ooch eener furchtbare Schwierigkeiten, einem Sportler mit einer anderen Farbe oder Religion die Hand zu geben. Dafür hat er anschließend die Welt in Schutt und Asche jelegt. Das wird man ja noch sagen dürfen!

 
 

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