„Durch die Woltersdorfer Schleuse bin ich noch nie gefahren“, dringt es durch das Gemurmel der rund 120 Gäste auf dem Kaiser-Dampfer. Unter den Stimmen auch die von Jörg Vogelsänger (52). Der SPD-Landtagsabgeordnete ist in Woltersdorf geboren und lebt in Erkner. Auch er hat die Schleusenpassage bisher verpasst. Wie die vielen anderen auf dem Schiff, die in der Region leben oder gar geboren sind. Er hat die Fahrt genossen.
„Drei Orte, drei Seen, drei Türme“ heißt in diesem Jahr die knapp dreistündige Heimat-Tour über den Wasserweg von der Woltersdorfer Strandpromenade bis zum Stienitzsee und wieder zurück. Zwischenhalt wurde jeweils an der Anlegestelle des Museumspark Rüdersdorf gemacht.
Die drei Seen zeigten sich an diesem Freitag von ihrer besten Seite: Im kühlenden sauberen Nass erfrischten sich die Anwohner in den Kanälen, lagen auf Luftmatratzen oder hielten sich einfach an Treppen fest. Seerosen in Ufernähe, Wassergräser überall. Kleine Datschen standen neben rustikal getrimmten Villen. Dazwischen Anlegestellen für große, sehr große und vor allem teure Yachten aber auch kleine Schlauchboote.
Gespenstig erheben sich unvermittelt die grauen Betongebäude mit den beiden Schornsteinen. Zu DDR-Zeiten produzierten die Arbeiter hier Phosphor. Man kann heute noch den Dreck ahnen, der hier heraus geblasen wurde. Die drohende Kulisse hat jedoch noch nicht ausgedient. Filmemacher drehen hier gerne ihre Endzeit-Science-Fiction-Streifen. Es folgen Auwälder mit ihren abgestorbenen Bäumen. Der Kanal verengt sich kurz vor dem Stielitzsee. In der sommerlichen Hitze wirkt das Buschwerk, das fast ins Wasser hängt, beinahe tropisch.
So abseits der „Zivilisation“ konnte man es fast vergessen: Es ist Grenzregion zwischen Märkisch Oderland und dem Landkreis Oder-Spree nahe Berlin. Die B1/ B5 trennt normalerweise zwischen den Orten und teilweise auch zwischen den Menschen. Auf dem Wasser: Man sieht die Straßen und die Brücken und der Betrachter wundert sich, wie klein sie wirken.
Über den blechernen Lautsprecher des Kaiserdampfers plauderte zwischendurch Gisela Schuldt vom Woltersdorfer Verschönerungsverein Kranichsberg. Sie erinnerte an die Zeit als Woltersdorf noch Hollywood war und warb für die Ausstellung auf ihrem Aussichtsturm. Sie beschrieb längst abgerissene Filmstudios und Kulissen. Auf dem Kalksee wies sie den Blick auf die Krokodilsbucht. Hier wurden tatsächlich Dschungelaufnahmen mit Krokodilen gedreht. Die Nazis bereiteten den Dreharbeiten im Jahre 1933 ein Ende. Regina Wolter von den Hennickendorfer Heimatfreunden berichtete während der Wendeschleife über den Stienitzsee über die Geschichte des Ortsteils und seinen Wachtelturm. Einst als Trockenturm für Feuerwehrschläuche gebaut, ist dieser heute ein beliebtes Ausflugsziel.
Für die Gäste gab es an Bord neben Kaffee, vorzüglichem Bienenstich und saftigen Kirschkuchen noch einige Überraschungen. Volksmusiker Patrick Lindner stieg auf dem Weg zum Stienitzsee zu und hatte die lustigen "Schwuplattler" aus München mitgebracht. Diese sorgten dann für reichlich Stimmung auf dem Vergnügungsdampfer. Patrick Lindner spielte dann abends auf der idyllischen Freilichtbühne der Rüdersdorfer Kultur GmbH den Kaiser in der Operette „Zum Weissen Rössl“. Und das bei Kaiserwetter...
Fazit: Eine Tour, die sich (gerade) für Einheimische lohnt!
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