Erste Hilfe am Unfallort – Könnten Sie es?

Veröffentlicht am 06.06.2014 in Verkehr

  Hand auf Herz: Könnten Sie es? Bei einem Unfall einem Verletzten Erste Hilfe leisten?

Denn die ersten Minuten sind entscheidend! Der erste Helfer vor Ort ist allzu häufig derjenige, der über das Schicksal des Verletzten entscheidet.

Erste Hilfe rettet Leben. Doch der letzte Erste-Hilfe-Kurs liegt bei rund 37 Prozent der PKW-Führerschein-Besitzer mehr als zehn Jahre zurück. Das belegen Studien. Die Aussagen der Befragten über ihre Fähigkeiten lassen allerdings nichts Gutes ahnen

81 Prozent der Autofahrer würden einen Verletzten ansprechen! Sie wollen sehen, ob er bei Bewusstsein ist.
Nur noch zwei Drittel würden auf die Atmung achten; auf starke Blutungen oder schweren Verletzungen rund 61 Prozent.
Bei einer Herz-Lungen-Wiederbelebung wäre bereits die Hälfte der Autofahrer überfordert!  Lediglich rund 57 Prozent der Studien-Teilnehmer setzten die Hände richtig auf; nur 37 Prozent würden solange weitermachen, bis die Rettungskräfte eintreffen und übernehmen.
Wer jedoch frühzeitig mit der Wiederbelebung aufhört, riskiert beim Verletzten jedoch ernsthafte gesundheitliche Schäden. Durch die mangelnde Blutversorgung kann das Gehirn nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten.

Verkehrsminister Jörg Vogelsänger: „Bei einem Unfall helfend einzugreifen ist immer besser, als gar nichts zu tun. Jeder sollte dazu in der Lage sein. Da bei den meisten von uns der Erwerb des Führerscheins bereits länger zurückliegt, ist eine regelmäßige Auffrischung der Kenntnisse in der Ersten Hilfe zu empfehlen.“

Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht (DVW), Bundesminister a.D.: „Studien-Ergebnisse legen erschreckende Defizite offen. Das Wissen um die lebensrettenden Maßnahmen sollte deshalb jeder Autofahrer alle fünf Jahre wiederholen.“

Im Jahr 2013 zählte die Polizei bei rund 2,3 Millionen Unfällen (bei fallender Tendenz)

  • Getötete                3338   -7,3 %
  • Schwerveletzte     64045   -3,4%
  • Leichtverletzte    310014

Erste Hilfe rettet jedoch nicht nur im Straßenverkehr Leben und verhindert Spätschäden bei den Verletzten (Zahlen 2012).

  • 8.158 Todesopfer sind durch Unfälle im Hausbereich zu beklagen.
  • 8.273 Unfalltote gab es bei anderen Aktivitäten - vornehmlich in der Freizeit.

Bei den Unfallverletzten liegt keine gesicherte Gesamtzahl vor. Verschiedene Erhebungen (u.a. Robert Koch Institut) ergeben aber folgendes Bild:

  • 1,15 Mio. Arbeitsunfälle, davon 0,13 Mio. im Bereich Verkehr.
  • 1,34 Mio. Schulunfälle, 0,05 Mio. im Verkehr.
  • 2,80 Mio. Unfälle im Hausbereich und 2,29 Mio. Unfälle in der Freizeit.

Jörg Vogelsänger und Kurt Bodewig empfehlen deshalb allen Verkehrsteilnehmenden, ihre Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig aufzufrischen. Die beiden unterstützen damit einen Beschluss, den die Jahreshauptversammlung der DVW am 24. Mai 2014 verabschiedete. Der Antrag stammte vom Präsidium der DVW gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK).

Erste Hilfe an der Unfallstelle bedeutet nicht nur, menschliches Leben zu retten sowie bedrohende Gefahren oder Gesundheitsstörungen bis zum Eintreffen professioneller Hilfe abzuwenden oder zu mildern. Dazu gehören auch die Absicherung der Unfallstelle, das Absetzen eines Notrufs und die Betreuung der Verletzten.

Das Straßenverkehrsgesetz (§ 2 Abs. 2 Nr. 6 StVG) schreibt übrigens vor, dass jeder Verkehrsteilnehmende die Grundzüge der Versorgung Unfallverletzter im Straßenverkehr beherrscht oder Erste Hilfe leisten kann. Für Fahrschülerinnen und Fahrschülern für den PKW-Führerschein ist der Besuch des achtstündigen Lehrgangs „Lebensrettende Sofortmaßnahmen gemäß § 19 Fahrerlaubnisverordnung verpflichtend.

Die Hilfsorganisationen arbeiten zurzeit mit den Unfallversicherungsträgern an einer Neukonzeption der Erste-Hilfe-Ausbildung. Das Deutsche Rote Kreuz engagiert sich im internationalen Dialog einer auf wissenschaftlicher Evidenz basierten Erste-Hilfe-Ausbildung und hat mit dem „European First Aid Certificate“ grenzübergreifende Standards in diesem Themenfeld gesetzt. Die Deutsche Verkehrswacht und das Brandenburger Verkehrsministerium begrüßen diese Initiativen.

Die Deutsche Verkehrswacht gehört zu den ältesten und größten Bürgerinitiativen Deutschlands. Seit ihrer Gründung 1924 arbeitet sie für mehr Sicherheit und weniger Unfälle auf unseren Straßen – heute mit mehr als 60.000 ehrenamtlich Engagierten. Sie informieren, beraten und trainieren mit Verkehrsteilnehmern jeden Alters sicheres Verhalten im Straßenverkehr. Die Zielgruppenprogramme der DVW erreichen rund 2,5 Millionen Menschen pro Jahr. Die DVW finanziert ihre Aktionen und Programme mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoring.

 

Weitere Informationen:
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