Eulen nach Brandenburg tragen?

Veröffentlicht am 28.12.2016 in Umwelt

„Athene noctua“ heißt der Steinkauz in der Fachsprache der Ornithologen. Ein kleiner Hinweis, dass die Eulen vom antiken Athen, eigentlich Steinkäuze sind. Sie sind Stadtwappen der griechischen Metropole und Sinnbild für Weisheit zugleich. Deshalb war es überflüssig, solch ein Tier in das einstige philosophische Zentrum zu tragen. Jetzt soll der kleine Raubvogel aber in Brandenburg wieder heimisch werden. Dafür werden Helfer gesucht.

Nachtrag: Der entfernte Verwandte, der Waldkauz, wurde zum Vogel des Jahres 2017 gekürt. In Deutschland leben insgesamt zehn Eulenarten.

In Deutschland gehört der Steinkauz zu den bedrohten Vogelarten. Eine Wiederbesiedlung auf natürlichem Wege ist in absehbarer Zeit praktisch ausgeschlossen. Frei lebende Steinkauzpopulationen, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen und Hessen, sind zu weit entfernt für die natürliche Rückkehr nach Brandenburg.

Der Steinkauz war in Brandenburg einmal keine seltene Eulenart. Man konnte ihn häufiger beobachten, wie er auf dem Boden laufend Mäuse jagte. Denn ein guter oder gar lautloser Flieger, wie seine zahlreichen Verwandten, war er nie. Die kleinen Eulen brauchen eine kleinräumig gegliederte Landschaft mit Hecken, Feldgehölzen, Sträuchern und Kopfweiden. Am besten also extensiv beweidetes Grünland. Bis Mitte der Achtziger Jahre war er im Naturpark Nuthe-Nieplitz heimisch. Dieser liegt etwa 20 Kilometer südlich von Berlin.

Hilfe für einen Rückkehrer

Dann verschwand der putzige Vogel auch dort, wie überall in Brandenburg: Alte Obst- und Alleebäume wurden gefällt, die Felder immer größer  und die Wiesen melioriert, verbessert. Was hieß: Zahlreiche Kräuter, Hecken verwanden, mit zahlreichen Kleintieren.

Ab 1992 wurden mit Hilfe des Umweltministeriums im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Nuthe-Nieplitz-Niederung hier wieder extensive, auch historische Nutzungsformen wie Schafbeweidung oder Streuobstwiesen etabliert. Etliche Flächen werden heute wieder von Rindern, Pferden, Schafen und Ziegen beweidet. Hecken, Baumreihen und Sträucher wurden gepflanzt. Koppeln und Streuobstwiesen sind angelegt. Inzwischen sind die Lebensbedingungen für Steinkäuze wieder hergestellt.

Aus dem Käfig in die Freiheit

Zwei Tage nach Weihnachten sorgt der Förderbescheid für das Steinkauz-Wiederansiedlungsprojekt von Steinkäuzen beim Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung für Festtagsstimmung. Am Mittwoch, 28. Dezember 2016 hat Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger rund 543.000 Euro aus der ELER-Richtlinie(1) „Natürliches Erbe“ für die weitere Arbeit des bereits 2011 gestarteten Projekts zur Verfügung gestellt.

Mit dem Geld will der Förderverein im Naturpark langfristig eine stabile Population mit 150 Brutpaaren ansiedeln. Ehrenamtliche Steinkauz-Züchter bemühen sich seit mehreren Jahren um die Vögel. Einer der Ersten war der Falkner Falk Witt in seiner Hegestation im Beelitzer Ortsteil Körzin. Inzwischen haben weitere Züchter begonnen, Steinkäuze zu züchten, um Jungvögel an geeigneten Standorten auszuwildern.

Die Zuchtvögel werden artgerecht mit Insekten, Mäusen, Regenwürmern und Eintagsküken gefüttert. In ihren künftigen Lebensräumen werden die Jungvögel in Auswilderungsvolieren auf das Leben in Freiheit vorbereitet.

Seit Dezember 2011 wird das Projekt zur Wiederansiedlung mit Mitteln des Landes Brandenburg und der EU gefördert. In dem Projekt arbeiten die Naturparks Nuthe-Nieplitz und Hoher Fläming zusammen.

Der NABU Kreisverband Potsdam, die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg, die Viola Pfeifer Stiftung und Steinkauzfreunde unterstützen das Vorhaben. Die ersten freilebenden Brutpaare und weitere neu besetzte Reviere stimmen optimistisch. Von den bisher in die Freiheit entlassenen kleinen Eulen, sind zahlreiche schon wieder gesichtet worden.

Betreuer für Nisthilfen gesucht

Da in der freien Landschaft weiterhin natürliche Bruthöhlen fehlen, werden für jedes anzusiedelnde, freilebende Brutpaar mindestens zwei Nisthilfen und weitere als Unterschlupf und Schutz in Bäumen und an Gebäuden angebracht. Helfer sind immer willkommen! Wer bei der Wiederansiedlung des Steinkauzes aktiv dabei sein will, kann das Projekt unter anderem als Betreuer mit Kontrollen der Nisthilfen unterstützen!
WIE und WO? www.foerderverein-nuthe-nieplitz.de

(1) ELER ist das Kurzwort für den Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes, dem wichtigsten Förderinstrument im Agrar- und Umweltbereich.

 
 

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