Maria Kampermann: 100 Jahre Frauenwahlrecht- gut ist nicht gut genug

Veröffentlicht am 14.11.2018 in Jugend

225 Jahre ist es her, dass Olympe de Gouges in Paris im Jahr 1793 hingerichtet wurde. Ihr ging die Französische Revolution nicht weit genug. Sie verteilte Flugblätter, forderte das Frauenwahlrecht und bezahlte ihren Einsatz letztlich mit dem Leben. Vor hundert Jahren als 1918 wurde nicht nur in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt. Ein Grund zu feiern? Viel ist erreicht, dennoch fehlt etliches für eine echte Gleichberechtigung, findet Maria Kampermann (Vorsitzende Juso LOS)...

Frauenrechte im Laufe der Zeiten, Autorin Maria Kampermann (re)

Doch man sollte nicht den Fehler machen, Wahlrecht mit Gleichberechtigung gleichzusetzen.

Ja, es ist viel passiert und ich zolle all jenen Männern und Frauen, die vor hundert Jahren, aber auch darüber hinaus für die Einführung und den Erhalt des Frauenwahlrechts gekämpft und gestritten haben, meinen größten Respekt.

Doch zur Wahrheit gehört auch, dass es nach wie vor viel zu tun gibt.

Zur Wahrheit gehört auch, dass ich auf dem Weg zum Festakt 100 Jahre Frauenwahlrecht immer noch sexistische Kommentare höre und sexistische Werbung sehe, in der Frauen und Mädchen wahlweise als rosa Prinzesschen oder folgsame Hausfrauen dargestellt werden.

Gleichberechtigung? Nicht in der männerdominierten Werbewelt von Mediamarkt, Dr. Oetker und Co. Und schon gar nicht in Wirtschaft oder Politik.

In den Führungsetagen deutscher Unternehmen finden sich nur 31% Frauen und das auch nur dank gesetzlicher Quote. Wenn im Bundestag über den Artikel 219a und die Gesundheit des weiblichen Körpers debattiert wird, stimmen zu 69% Männer ab. Ernsthaft?

Heute gibt es das Wahlrecht in Deutschland, heute wird niemand mehr für solche Forderungen hingerichtet. Doch das heißt noch lange nicht, dass es für die Feministinnen von heute nichts mehr zu tun gibt.

Es hat sich viel getan, doch mit Gleichberechtigung hat das alles heute noch nichts zu tun.

Es gibt zahlreiche Statistiken, die belegen, dass Frauen noch immer benachteiligt sind. Doch anstatt sich des Themas anzunehmen, werden skurrile Kontraargumente ins Leben gerufen, die ihresgleichen suchen.

Man dürfe gar keine Komplimente mehr machen, Türen aufhalten sowieso nicht und wenn die Tochter sich zum Fasching nun mal als rosa Fee verkleiden will, sei man ja gleich ein böser Sexist.

Nein verdammt! Es geht nicht ums Tür aufhalten oder um Faschingskostüme. Es geht darum, Frauen endlich als ebenbürtig anzuerkennen und sie gleich zu bezahlen. Es geht darum, dass Frauen in Politik und Wirtschaft endlich angemessen repräsentiert werden. Und es geht darum, endlich die gläserne Decke zu durchbrechen und dafür zu sorgen, dass nicht mehr das Geschlecht über die Erfolgschancen entscheiden, sondern nur das eigene Können.

Mutige Frauen und Männer haben vor 100 Jahren das Frauenwahlrecht erkämpft und wenn es nicht weitere 100 Jahre dauern soll, bis es eine wirkliche Gleichberechtigung gibt, müssen wir JETZT etwas unternehmen!

 
 

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