Notizen vom Lande (2): Europas Apfelgarten kurz hinter Philadelphia

Veröffentlicht am 02.09.2017 in Landwirtschaft

Man könnte es als gelungene Marketing-Aktion abtun. Kurz hinter Philadelphia/Mark bei den Luchwiesen haben deutsche Umweltminister Apfelbäume aus ihrer Heimat gepflanzt. Und schon wird die Sache als Randnotiz in den Medien vergessen. Das muss aber nicht sein! Denn es geht um Streuobstwiesen, deren erneute Nutzung und schließlich um gesunde Säfte. Das geht also auch den Agrarminister Jörg Vogelsänger etwas an. Der Reihe nach:

Die Umweltminister des Bundes und der Länder haben während der Umweltministerkonferenz im April 2017 ihren Apfelbaum gepflanzt.

Die 18 jungen Pflanzen (alles spezielle Sorten aus den Regionen plus einer bundesdeutschen und einer europäischen Sorte) haben den widrigen Wetterbedingungen der letzten Monate getrotzt und sind gut über die Runden gekommen. Jörg Vogelsänger als Vorsitzender Umweltministerkonferenz sollte jetzt beim Ministersortengarten“ vorbeischauen und eine Erläuterungstafel ihrer Bestimmung übergeben. Machte er auch. Soweit das Ritual!

Doch hinter der Idee von prominenten Apfelsorten steckt mehr. Ostmost und der Äpfel und Konsorten Streuobstwiesen- und Äcker e.V., allen voran Bernd Schock und seine Freunde (Konsorten).

Der Marketing-Experte hat es nämlich weniger auf die künftige Apfelernte im Ministersortengarten abgesehen, als auf die verwaisten Streuobstwiesen in der Mark Brandenburg. Die Grundidee lautet nämlich: Macht aus den Ernten der wunderbare Saftkreationen! Ganz kurz gesagt: Die Mischungen stimmen und sie schmecken. Und es gibt inzwischen zahlreiche Kunden, die bereits sind, den (stolzen) Preis für eine 0,3-Liter-Flasche auf den Tresen der Kreuzberger Szene-Kneipe zu legen.

Bernd Schock und Konsorten sind derweil immer auf Suche nach verwilderten Streuobstwiesen mit ihren seltenen Apfelsorten. Sie retten damit auch ein Stück Brandenburger Kultur.

Wie zum Trotz stand neben der Ministerriege ein Apfelbaum, der sich regelrecht unter den Früchten bog. Und das im Jahr 2017, in dem bis zu 90 Prozent der Blüten in den Forsttagen des April abstarben.

Auf die kleine bundesdeutsche Apfelplantage wartet übrigens eine kräftige Beförderung. Die Freunde der Streuobstwiesen wollen hier den ersten Europäischen Apfelgarten anlegen. „Aus jedem Land der Europäischen Union sollte hier der Baum einer typische Apfelsorte wachsen“, so Bernd Schock. Umweltminister Jörg Vogelsänger würde es freuen.

 
 

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