Plädoyer für den Kleingarten

Veröffentlicht am 02.07.2015 in Umwelt

Minister Jörg Vogelsänger trägt seit dem 27. Juni 2015 den Titel „Ehrenkleingärtner Brandenburgs“. Für ein Jahr. Zu Recht. Die Kleingärtnerei ist eine sozialdemokratische Angelegenheit mit Tradition. Der Abgeordnete des Wahlkreises 31 ist als Minister nicht nur für Umwelt und Landwirtschaft zuständig, sondern auch noch für die Entwicklung des Ländlichen Raumes. Hobby-Gärtner ist er obendrein. Es passt also! Auch wenn seine Frau Kerstin in der Familie den grünen Daumen hat.

Jetzt könnte man zur Tagesordnung übergehen, sich auf das nächste Wochenende auf der Datsche freuen, oder eben den Schrebergarten.

Doch verharren wir für einen Moment, bleiben bei den „Handtuch-großen Beeten“ in den Laubenpieper-Kolonien und den Gärten der Städter in der Region um Berlin. Ein Kommentar von Hajo Guhl

Der Großvater des Kommentators hatte Ende der 20er Jahre in Zossen ein Grundstück erworben. Der Sozialdemokrat tat das aus gutem Grund. Mit den Erzeugnissen des Gartens konnte der Schlossermeister die Familie mit gesundem Obst und Gemüse versorgen. Die hochmoderne S-Bahn machte die Mobilität möglich. Die Enkel fraßen in den 50ern nach den Kindern in den Dreißigern die Johannisbeersträucher kahl. Oma braute Wein.

Kleingärtner hatten es in Notzeiten immer besser. Das war auch Sinn dieser Idee. Gesunde Luft, Verbindung zur Natur und eine Eigenversorgung waren Markenzeichen der Schrebergarten-Kultur. Es war das Stück Freiheit, der Gegensatz zum düsteren zweiten und dritten Hinterhof einer Großstadt.

Nicht die Piefigkeit und der Gruppenzwang des gesamtdeutschen Spießers, wie sie heute (meist zu Unrecht) den Gartenkolonien anhängt. Die Datsche war darüber hinaus das Rückzugsgebiet des DDR-Bürgers ins Private. Partei und Staat hatten draußen zu bleiben. Was häufig gelang.

Viele Kleingartensiedlungen in Brandenburg kämpfen heute ums Überleben. Die Mitglieder werden älter. Kinder und Enkel sind fortgezogen oder sehen keinen Sinn in der mühseligen Bewirtschaftung von gut 100 oder 200 Quadratmetern. Für sie sieht Freizeitgestaltung anders aus.

Sterben die Schrebergärten? Verkrauten die Gemüsebeete? Werden die Sträucher und Obstbäume überwuchert?

Auf lange Sicht wohl eher nein! Ein Umdenken findet statt. Aber zur Zeit noch an anderen grünen Ecken. Unter dem Schlagwort "Green Urbanizing" bepflanzen engagierte meist junge Großstädter Flachdächer. In den Köpfen von Stadtplanern entstehen bereits Gebäude, in denen alles wächst, was man an Obst und Gemüse zum Leben braucht. Produktion vor Ort. In etlichen Megastädten dieser Erde werden die urbanen Gewächshäuser samt Fischzucht im Bassin wohl notwendig sein.

Berlin mit seinen 3,6 Millionen Einwohnern gehört eher zu den beschaulichen "Kleinstädten", verglichen mit den Monstermetropolen von 20 Millionen Menschen und mehr. Meist in Fernost. Grüne Dächer sind eine gute Idee. Sie liefern Tomaten, Radieschen, Salat und Gurken. Auf kürzestem Weg. Bepflanzte Dächer isolieren Häuser, vermindern ein Aufheizen von sonst zubetonierten Flächen. Die Auswirkungen auf das Kleinklima sind messbar. Für den Menschen in der Stadt alles eine Wohltat.

Macht das den Kleingarten, den Laubenpieper überflüssig? Nein! Wir haben Platz in Brandenburg. Das „Umland“ von Berlin lädt also nicht nur zum Verweilen, sondern auch zum Leben ein. Freiraum ist reichlich da.

Die Metropole Berlin kämpft wie andere Städte auch gegen steigende Mieten an. Es muss gebaut werden. Viele Kleingartenkolonien sollen neuen Wohnprojekten weichen.

Es ist längst nicht so katastrophal wie in London oder New York. Dort verdienen junge Menschen häufig gutes Geld. Mehr als in Berlin. Dennoch leben sie eng in WGs und teilen sich sogar die Zimmer. Zum Leben bleibt nicht viel. Mehr ist nicht drin. Der Grund: Sie sind (für ein paar Jahre) dabei, in der hippen Szene (oder was die jüngeren sonst dazu sagen)!

Wer es sich in den großen Metropolen dennoch leisten kann, zieht am Wochenende aufs Land. Wie klein das Feriendomizil auch immer sein mag. Der liebevoll restaurierte Hof, dessen Äcker längst jemand anders bearbeitet. Die einst verfallene Hütte des Urgroßvaters (Die Schweden machen es vor). Die Datsche in der Wochenend-Siedlung...

Hirngespinste? Utopie? Nee! Allet schon mal dajewesen!

Wer es sich als Westberliner in den 60er und 70er Jahren leisten konnte, hatte sein Wochenendhaus in Franken oder auf der Westseite des Harzes. Das Auto machte es möglich. Der leidige Transitweg ebenfalls.

Den Familiengarten mit Gurken, Bohnen, Äpfeln und vor allem Johannisbeeren aus der Weimarer Zeit hatten wir schon beschrieben. Der Schrebergarten als revolutionäre Idee des 19. Jahrhunderts.

Bleibt noch der Ackerbürger. Die wohlhabenden Berliner und Neuköllner des 17. und 18. Jahrhunderts nannten häufig einen eigenen Hof ihr eigen. Vor den Toren der Städte ließen sie von ihrem Gesinde alles produzieren, was sie zum Leben brauchten. Den Supermarkt, den Fleischer oder den Feinkostladen um die Ecke gab es nämlich noch gar nicht.

Alternde Gesellschaften sind konservativer als Völker mit vielen jungen Menschen. Wir erleben das selbst in unserem Land. Es geht vielfach nur noch ums Erhalten. Nur nicht vorwärts denken. Dabei leben wir in einer Zeit rascher Änderungen. Schneller als uns gelegentlich lieb sein kann. Dennoch gilt: Wir müssen in diesen Tagen nicht immer alles neu erfinden, nur Vorhandenes aufgreifen und (an unsere) Zeit anpassen. Ein Garten für den gestressten Großstädter? Warum eigentlich nicht!

 
 

Für Sie vor Ort

Landtagsbüro
Alter Markt 1
14467 Potsdam
Tel.: 0331/966 1330
Fax: 0331/966 1307
E-Mail: Joerg.Vogelsaenger@spd-fraktion.brandenburg.de
Wahlkreisbüro Erkner
Für Sie geöffnet

Montag: 13:00 bis 16:00 Uhr
Dienstag: 9:00 bis 12:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 bis 18:00 Uhr

Dr.-Hans-Lebach-Str. 1a
15537 Erkner
Tel.: 03342/212 446
Fax: 03342/424 19 66
E-Mail: wk@JoergVogelsaenger.de
Wahlkreisbüro Neuenhagen
Für Sie geöffnet
Dienstag    14:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch   14:00 - 18:00 Uhr
Freitag          9:00 - 12:00 Uhr

Ernst-Thälmann-Str. 32a
15366 Neuenhagen
Tel.: 03342/212 446
Fax: 03342/424 19 66

Bitte verabreden Sie rechtzeitig
einen Termin mit Ihrem
Landtagsabgeordneten Jörg Vogelsänger

Wo ist was los?

Alle Termine öffnen.

13.06.2026, 15:00 Uhr - 17:00 Uhr Fußball Herren, Landesliga Süd Brandenburg
Bitte beachten Sie den aktuellen Anpfiff eines Spiels FV Erkner 1920 – VfB Tr …

17.06.2026, 10:00 Uhr - 19.06.2026, 18:00 Uhr Plenum des Brandenburger Landtages
Die Plenar-Tage sind vorläufig eingeplant, außerplanmäßige Sitzungen sowie Änderungen gibt der Landtag ku …

24.06.2026, 17:30 Uhr - 22:00 Uhr Kreistag „Oder-Spree“

Alle Termine

Koalitionsvertrag SPD CDU

Verantworung für Brandenburg

Nachrichten

07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de