Vogelsänger zum „Ehrenkleingärtner“ ernannt

Veröffentlicht am 29.06.2015 in Umwelt

Die Initiative des Landesverbands Brandenburg der Gartenfreunde e.V. hat Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger in der BUGA-Stadt Brandenburg an der Havel mit der Plakette der Wilhelm-Naulin-Stiftung ausgezeichnet. Die höchste Auszeichnung des deutschen Kleingartenwesens wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich nachhaltig und im besonderen Maß in diesem Themenbereich engagieren.

„Ich sehe die Auszeichnung stellvertretend als Anerkennung für die vielen Bemühungen im Land, den Anliegen der Kleingärtner gerecht zu werden. Die organisierten Kleingartenfreunde sind eine Macht, die viel im Land bewegen“, bedankte sich der Minister und Hobby-Gärtner Jörg Vogelsänger. Obwohl unter den aktiven Mitgliedern zur Zeit die älteren Jahrgänge dominierten, nutzten immer mehr junge Familien, Jugendliche und Kinder in ihrer Freizeit den elterlichen oder großelterlichen Kleingarten.

Attraktives Angebot für junge Familien

Vogelsänger weiter: „Ich sehe deshalb gute Chancen, mehr junge Leute für die Übernahme eines eigenen Kleingartens zu gewinnen. Neben der Arbeit in der eigenen Parzelle, der Freude am Wachsen und Ernten, sind es die gemeinschaftlichen Erlebnisse mit den Nachbarn oder im Verein, die für viele der Grund sind, sich in einem Kleingartenverein zu engagieren.“

Gartenfreunde seien nicht nur landesweit präsent, sie seien auch nah an den Menschen. So würden Ältere, Alleinstehende, sozial Benachteiligte in die Aktivitäten eingebunden. Bereits mit der Herausbildung des Kleingartenwesens schon im 19. Jahrhundert spielten in Deutschland Forderungen nach mehr Licht, mehr Luft für die Bewohner der Städte eine besondere Rolle. „Heute geht es auch um Anliegen des Natur- und Umweltschutzes wie Artenvielfalt oder Landschaftspflege, die auch im Kleinen, nämlich im Kleingarten, generationsübergreifend vermittelt werden können“, so der Umweltminister.

Der Kleingarten im Land Brandenburg

Bei der letzten Zählung in Brandenburg gab es 65.300 Gartenfreunde mit insgesamt 4.100 Hektar kleingärtnerische Fläche. Darunter viele Berliner. Die Kleingärtner sind in 1.292 Vereinen organisiert, die sich  in  32 Kreis-, Bezirks- und Regionalverbände (Mitgliedsverbände) gliedern.

Zu den Projekten der Gartenfreunde zählen die Beteiligungen an den Landeswettbewerben wie „Wir machen’s grüner“, „Gärten im Städtebau“. Zum Mitgliederservice gehören Angebote zur Fachberatung von Freizeitgärtnern sowie die Herausgabe der Verbandszeitung „GartenFlora“. Zunehmend finden sich Informationsportale einzelner Mitgliedsverbände im Internet. In diesem Jahr ist der Landesverband der Gartenfreunde mit dem Schwerpunkt BUGA Havelland präsent.

Seit 1990 unterstützt das Brandenburger Landwirtschaftsministerium die Belange des Kleingartenwesens im Land. Seit 1994 gibt es den Landeskleingartenbeirat mit Vertretern des Landesverbands der Gartenfreunde Brandenburg, des Städte- und Gemeindebunds, sowie Vertretern aus Politik und Verwaltung. „In diesem auf Dialog angelegten Gremium konnten wir uns zum Beispiel auf die Erarbeitung einer Kleingartenkonzeption für Cottbus verständigen. Die Konzeption ist Grundlage für ähnliche Planungen in anderen Städten, die nötig sind, um der demografischen Entwicklung und dem Leerstand entgegenzuwirken“, erinnert der Minister. Aktuelle Themen sind auch die potenziellen Flutungsflächen im Zusammenhang mit der von der EU vorgeschriebenen Planung für ein Hochwasser-Risikomanagement. Dazu gehört auch das Thema Rückbau..

Kleingarten-Vereine als Spielball der Ideologien

Der Namensgeber der Stiftung, der Sozialdemokrat Wilhelm Naulin (1890-1975), war Kleingärtner aus Passion. In den Zwanzigerjahren war Naulin 1. Vorsitzender zweier Berliner Kleingartenvereine und übernahm eine Funktion im Dachverband der Arbeitergärten des Roten Kreuzes. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP wurde er wegen „sozialistischer Umtriebe“ gezwungen, seine Ämter niederzulegen und sich jeder politischen Tätigkeit zu enthalten.

Nach Kriegsende nahm Wilhelm Naulin wieder Kontakt zu Gleichgesinnten auf, um die Kleingarten-Organisation auf der Grundlage der vor 1933 gültigen Statuten wieder zu gründen. Naulin wurde am 6. Juni 1946 zum Vorsitzenden des Zentralverbands der Kleingärtner, Siedler und bodennutzenden Grundbesitzer gewählt. Dieser Verband hatte seinen Sitz im unter sowjetischer Militäradministration stehenden Bezirk Mitte und wurde zu einer einflussreichen Organisation, die in Berlin sehr schnell 140.000 Mitglieder zählte. Naulin und seinen Mitstreitern gelang es aus Ostberlin heraus nicht, den Anspruch umzusetzen, als zentraler Verband für alle deutschen Länder zu agieren.

Die Teilung Deutschlands und der Stadt Berlin in die vier Einflusszonen der Besatzungsmächte spaltete schließlich am 7. November 1948 auch den Verband. Im Westteil wurde unter der Leitung Naulins ein eigenes Büro eingerichtet. 1960 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Bis zu seinem Tod war er 1. Vorsitzender des Landesverbands Berlin der Kleingärtner und Siedler.

Zu den Preisträgern gehören

1998      Volker Hassemer, ehemaliger Senator für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

1999      Manfred Stolpe, Ministerpräsident Brandenburg a.D.

2000      Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D.

2004      Dagmar Reim, Intendantin des RBB Berlin-Brandenburg

2009      Petra Merkel, ehemalige Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag

2010      Ingeborg Junge-Reyer, ehemalige Senatorin Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

2011      Mathias Platzeck, Ministerpräsident a.D.

2012      Raimund Hosch, ehemaliger Vorstand der Messe Berlin

2014      Prof. Dr. Klaus Neumann, Professor der Beuth-Hochschule

 

 
 

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