Die Zahlen allein sehen nicht gut aus: Destatis meldet für 2025 462 getötete Radfahrende, darunter 217 Pedelec-Nutzer; bei Radunfällen mit weiterem Beteiligten war der Pkw der wichtigste Gegner, mit 44.463 Fällen. Außerdem nennt das Bundesamt für Statistik 1.038 Pedelec–Fußgänger- und 3.399 Fahrrad–Fußgänger-Unfälle mit schweren Verletzungen. Im Jahre 2024 verunglückten in Deutschland 445 Radfahrer (m/w/d) tödlich. Bis zu 95.000 verunglückten auf ihrem Zweirad. Über 100.000 Unfälle registrierte die Polizei in den 16 Bundesländern, bei denen Radfahrer beteiligt waren.
Ein Großteil waren Senioren und E-Bikefahrer. Es tröstet auch wenig, wenn beim Blick auf die Statistik die Tendenz der Unfalltoten über einen längeren Zeitraum (1990 mit 908 Toten) nach unten zeigt.
Rund 9,5 Millionen der 82 Millionen Bundesbürger sind mehr oder minder regelmäßig mit ihrem Fahrrad unterwegs. Die meisten mit einer typischen (mittleren) Strecke von bis 12 Kilometer. Dazu zählen die tägliche Fahrt zur Arbeitsstelle oder zum Einkauf. Aber auch das Strampeln auf der Wochenendtour durch Wald und Flur.
Ist Radfahren nun gefährlich. Ja, wann man die Anforderungen an den Umgang mit dem zweirädrigen Beförderungsmittel sieht. Auch wenn wir es zunächst nicht wahrhaben wollen. Es will mühsam gelernt sein. Die Anforderungen an den Gleichgewichtssinn sind hoch. Und die Umsicht im Straßenverkehr ebenfalls.
Vor allem letztere lassen mit zunehmendem Alter nach. Der Redakteur (in den Siebzigern) durfte das in der Wintersaison erfahren. Er stürzte (allein) auf glatter Fahrbahn mit seinem E-Bike. Alte Menschen fallen auch nicht mehr so elegant, durfte er schmerzvoll erfahren.
Der Unfall in der Stadt ist dagegen meist ein Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmern. Dazu gehören Dooring (Aufprall auf eine sich öffnende Autotür) oder ein unachtsam abbiegender PKW an einer Kreuzung. Nur um zwei typische Varianten zu nennen.
Radfahrer sind keine Heiligen: Besonders Leichtsinnige fahren bei Rot munter in die (belebte) Kreuzung, halten Radwege für überflüssigen Luxus etc.
Wir haben nun Nachbarländer, in denen Radfahrer deutlich besser geschützt sind. Dänemark und die Niederlande trennen den Verkehr zwischen Fahrrädern und PKW, LKW und Motorrädern konsequent seit Jahrzehnten (Ein Ansatz, den Berlin gerade wieder zurückfährt.)
Dabei verzeichnen die Niederlande mit fast 300 tödlich verunglückten Radfahrern im Jahr 2024 und 17,5 Mio. Einwohner „verhältnismäßig“ viel dieser Unfälle. Doch dort sind rund 30 Prozent der Bürger mit ihren fiets oder bromfiets unterwegs. Meist mit ihren Fahrrädern oder Mopeds auf kurzen Strecken und vor allem Ältere. Mit den E-Bikes ist die Zahl der Unfälle vor allem der über 70jährigen zwischen den Fleets und Grachten gestiegen.
Die Niederländer verfolgen eine zentrale Politik, wenn es um die Sicherheit im Straßenverkehr geht. Infrastruktur so zu gestalten, dass Fehler nicht tödlich wirken:
1.) Getrennte Radwege als Standard
2.) Gestaltung der Kreuzungen
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„Protected Intersection“ als Standard:
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heißt getrennte Abbiegeradien
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jeder kann jeden sehen
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Kreisverkehre mit Priorität fürs Rad
3.) Tempolimits
Was bleibt ist der Risikofaktor Mensch! Radfahren will nicht nur gelernt sondern auch geübt sein. Gerade zu Beginn der Saison fällt das auf. Da steigen Menschen frisch auf das Fahrrad, die es nach mindestens einem halben Jahr Pause gerade aus dem Keller geholt haben. Entsprechend wackelig sehen die „Künste“ auf dem Zweirad aus. Unsicherheit auf dem Fahrrad verengt dummerweise auch noch die notwendige Beobachtung des Umfeldes. Sprich: Andere Verkehrsteilnehmer werden schlichtweg übersehen. Was dagegen zu tun ist: Üben, üben, üben.
Trainingsprogramm für Rad- und Pedelec-Fahrer
Wer „fit mit dem Fahrrad“ sein möchte, dem ist die Teilnahme an einem Kurs im gleichnamigen Programm der Deutschen Verkehrswacht sinnvoll. Es ist speziell für ein etwas älteres oder Fahrrad-unerfahrenes Publikum gedacht, bei denen unter Anleitung die Radfahrfertigkeiten abseits des regulären Straßenverkehrs aufgefrischt werden können. Besonders geeignet für Umsteiger aufs E-Bike. (gu)