Sparkassen haben auch soziale Aufgaben

Veröffentlicht am 21.09.2023 in Wirtschaft

„Geschäftsbanken mit Sparkassen-rot-lackiertem Anstrich!“ So schrieb eine Fraktion im Brandenburger Landtag in ihrem Antrag zur Änderung des Sparkassengesetzes. Es sollten geändert werden: die Abführung von Gewinnen und die Einflussnahme des Aufsichtsrates auf Tagesgeschäfte. 

Ein Weltbild, in der eine Sparkasse nichts anderes als ein Geldinstitut, beliebig und austauschbar und lediglich auf Gewinn orientiert, geht an der Geschichte und der aktuellen Funktion der Sparkasse ziemlich vorbei. Die ersten Vorläufer der Sparkassen, bereits um 1800 gegründet, sollten damals dem „einfachen Volke“ den Zugang zu Geldgeschäften bieten. Es war also eine soziale Aufgabe.

Sparkassen sind bis heute Eigentum der Kommunen. Die rund 370 Sparkassen im Bundesgebiet vergeben etwa 40 Prozent aller Kredite an den Mittelstand. Sie verwalten 37 Prozent aller Einlagen von Privatpersonen. Das Brandenburgische Sparkassengesetz definiert: "Die Sparkassen sind Wirtschaftsunternehmen mit der Aufgabe, in ihrem Geschäftsgebiet die Versorgung mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicherzustellen. Sie stärken den Wettbewerb im Kreditgewerbe. Sie erbringen ihre Leistungen für die Bevölkerung, die Wirtschaft, insbesondere den Mittelstand, und die öffentliche Hand unter Berücksichtigung der Markterfordernisse."

Die flapsige Bemerkung vom Geldinstitut mit dem roten Sparkassen-Anstrich haben weder Kunden, die sich auf ihre Sparkasse verlassen, verdient noch die engagierten Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter der Sparkassen.

Leerstehende Filialen

Tatsache ist aber auch, Filialen stehen zunehmend leer und kosten Geld. Denn ein Großteil der Kunden bedient sich im Online-Banking. Das Beratungsgespräch erfolgt per Telefon. Tendenz steigend. Wie in anderen Geldinstituten auch, allerdings müssen sie kein dichtes Filialnetz pflegen. Zu Erinnerung: „Eine Filiale muss schon aus Gründen der Sicherheit mit zwei Mitarbeitern betrieben werden!“ So der SPD-Landtagsabgeordnete Jörg Vogelsänger, der sich in der Parlamentsdebatte zur Situation der Sparkassen für seine Fraktion äußerte.

Die Einschnitte werden drastisch sein: Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) möchte 31 von 141 Geschäftsstellen zusammenlegen. Das Angebot an Geldautomaten und Selbstbedienungs-Terminals soll bestehen bleiben. 10 Standorte sollen allerdings komplett gestrichen werden. Die Sparkasse Die Uckermärker sollen nach bisherigen Plänen auf fünf Filialen verzichten müssen. 

Die Welt wird digitaler

„Polemik und Vorwürfe braucht niemand! Es geht um eine sachliche Diskussion! Es geht um die Sparkasse der Zukunft, die sich verändernden Rahmenbedingungen und einer neuen Konkurrenz anpassen kann. Die Sparkassen sind hier übrigens nicht allein: Die Digitalisierung bei Dienstleistungen verändern unsere Welt und werden sie weiter verändern.“

Wer heute Geld von einem anderen Automaten abhebt als dem eigenen Institut, muss zahlen. Bis zu vier Euro werden zusätzlich pro 100 Euro vom Konto des Kunden abgebucht.

Weg mit den Automatengebühren

In einer Region, wo die Filialen der von Banken und Sparkassen auf dem Rückzug sind, ist das besonders bitter. Die Volksbanken und Sparkassen in einigen Regionen haben sich inzwischen darauf geeinigt, von ihren Kunden keine Gebühren zu verlangen. So gibt es inzwischen sogenannte Bargeldpartnerschaften in Göttingen und Eichsfeld. Bewährt haben sich in etlichen Regionen die mobilen Sparkassenbusse. Diese rollenden Geldinstitute leisten ihre Dienste zum Beispiel in Darmstadt und Umgebung. Insgesamt 29 Orte im Geschäftsgebiet werden angesteuert, um den Service, die persönliche Beratung und die Versorgung mit Bargeld anzubieten. Der Sparkassenbus gliedert sich in einen Selbstbedienungs- und einen Beratungsbereich für vertrauliche Gespräche.

Der ländliche Raum ist nicht rückständig und verloren. Nachbarschaftshilfe wird hier beispielsweise groß geschrieben. Die Einwohner setzen auch längst auf mobile Angebote. Die großen Versender sind zu den Lieferanten von Kleidung, Elektronik und und anderem Haushaltsbedarf geworden. Die Zeiten ändern sich. Das ist auch eine Chance für die Sparkassen. JV/gu

 
 

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