Unwort des Jahres 2017: Alternative Fakten

Veröffentlicht am 16.01.2018 in Bildung

Sicherlich, es gibt unterschiedliche Sichtweisen der gleichen Sache. Das Glas ist halbvoll – halbleer. Andere Beispiele: Die Elf der Gäste fegte die Heim-Mannschaft mit 8:0 in 90 Minuten vom Platz – Bis zur 15. Minuten hielten unsere Jungs tapfer mit. Für den einen ist es ein Super-Sport-Wagen mit Biturbo-Achtzylinder-Motor – für den anderen eine überteuerte Krawall-Kiste mit überhöhtem Spritverbrauch. In der Weltpolitik sind es für die einen tapfere (oder fromme) Freiheitskämpfer – oder Terroristen. Alternative Fakten sind aber etwas ganz anderes! Anmerkung von Hajo Guhl

Keiner kannte sie. Bis ein rotblond gefärbter New Yorker Immobilienhai (Geschäftsmann) und Schauspieler (Schmierenkomödiant) in den Vereinigten Staaten Präsident wurde. Weniger Zuschauer bei seiner Amtseinführung waren plötzlich zahlreicher als bei der gleichen Veranstaltung seines Vorgängers vier Jahre zuvor. Fotobeweis hin oder her. Die Alternativen Fakten waren geboren.

Mit diesem Ausdruck werden Falschbehauptungen salonfähig gemacht und mit Tatsachenbehauptungen auf eine Stufe gehoben. In Deutschland wird „alternative Fakten“ auch zur Kritik an dieser Praxis genutzt – diese kritischen Stimmen sollen durch die Wahl des Unworts 2017 explizit unterstützt werden. So die Juroren.

Schleichend haben sich alternative Fakten auch in die Sichtweise von Europäern eingeschlichen. Ein britischer Brexit-Befürworter meinte kürzlich, er habe gar nichts gegen die Europäische Union. Aber die Zuzügler aus Osteuropa würden seinen jungen Landleuten mit Dumpinglöhnen die Jobs wegnehmen und die Wohnungsmieten in die Höhe treiben. In diesen Tagen erreichte uns aus Groß Britannien folgende Meldung. Das staatliche Gesundheitssystem befindet sich in schweren einer Krise! Ursache ist eine Grippewelle im Land. Würden allerdings die ausländischen Ärzte und Krankenschwestern fortziehen, droht dem NHS der Kollaps.

Eine bekennende AfD-Wählerin freute sich vor einigen Tage über die Sonne auf den Kanaren. Sie hätte die dunklen Wintertage ihrer Heimat satt. Fast im selben Satz faselte sie dann von der Überfremdung in Deutschland. Die Ausländer würden sich weigern, deutsch zu lernen und nur die sozialen Errungenschaften Deutschland ausnutzen. Sie gestand, dass sie aus einem südostdeutschen Bundesland stammt, in dem kaum Ausländer leben. Ein Fakt ohne Alternative übrigens!

Die forsche Frau („sie müssen sich da mal informieren“) sprach kein Wort spanisch, gab ihre Rente "Unser Geld" im Ausland aus. Belegte für zwei Wochen ein Zimmer, in dem Einheimische gerne leben würden. Das wird man ja sagen dürfen: Bei den alternativen Fakten kann einem nur schlecht werden!

 
 

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