Das Ende des europäischen Milchquotensystems mit Beginn des Monats April 2015 sieht Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger vor allem als Chance. Denn Brandenburgs Milchproduzenten investierten rechtzeitig in artgerechte Stallanlagen und in moderne Melktechnik. Damit sind sie nach Ansicht des Ministers gut auf die Zeit nach der Quote vorbereitet. Was fehlt sind Fachkräfte.
Ziel der Milchquote verfehlt
Milchseen und Butterberge waren in den Achtziger Jahren nicht nur Schlagworte. Europa Milchbauern lieferten Milch ab, und die EU zahlte. Was zu lange lagerte wurde zu Milchpulver und Butterschmalz verarbeitet. Eine Quote sollte der überschäumenden Milchwirtschaft ab 1984 in der Europäischen Union ein Ende bereiten.
Die Idee der Regulierung in einer Marktwirtschaft funktionierte allerdings von Beginn an nicht. Die nach der deutschen Einheit ab 1991 auch in Brandenburg eingeführten Lieferrechte verhinderten nicht, dass Milcherzeugnisse teilweise unter den Produktionskosten gehandelt wurden. Für erweiterungswillige Milcherzeuger im ökologischen und im konventionellen Bereich war die Quote ein Hemmschuh. Für Landwirte und Verwaltung bedeuteten die Begrenzungen viel Bürokratie und auch Strafzahlungen. Nicht zuletzt band die Quote Kapital, das für Investitionen nicht zu Verfügung stand. Das Aus für die Quote zeichnete sich seit längerem ab, zumal wohlhabend gewordene Kunden in Fernost Milch, Butter, Käse und andere Produkte verstärkt verlangen. Der Milchmarkt ist global gewachsen.
„Wir rechnen aktuell nicht mit größeren Verwerfungen“, so Minister Jörg Vogelsänger : „Auch in Brandenburg ist die Milchquote, die letztendlich der Versuch war, einen planwirtschaftlichen Ansatz mit der Marktwirtschaft zu vereinen, gescheitert. Deshalb begrüßen wir den Ausstieg aus der Quote.“
Spezialisierung nach dem Mauerfall
Ein Strukturwandel in der Milchwirtschaft hat in Brandenburg bereits in den ersten Jahren nach dem Mauerfall stattgefunden: heute prägen vor allem auf Milch spezialisierte Betriebe diesen Produktionszweig. „Dieser hohe Grad der Spezialisierung ist auch ein Grund, warum Brandenburger Milcherzeuger seit Jahren bei den Qualitätsindikatoren zur Spitze unter den deutschen Bundesländern gehören“, unterstreicht Vogelsänger.
1991 gab es im Land Brandenburg 1.176 Betriebe, die Kühe hielten. Von 1989 bis zum Juni 1992 waren die Bestände bei Rindern um 61,2 Prozent und bei Milchkühen auf 58,2 Prozent zurückgegangen. Aktuell gibt es in Brandenburg 163.512 Milchkühe, die in 517 Milchbetrieben gehalten werden. Die durchschnittliche Jahresleistung liegt bei 9.277 Kilogramm Milch pro Kuh und damit in etwa auf Vorjahresniveau. Die Brandenburger Milchquote wird mit 1,35 Millionen Tonnen angegeben. Brandenburg zählt damit zu den kleineren Milcherzeugerregionen in Deutschland.
Dem Wachstum der Milcherzeugung sind natürliche Grenzen gesetzt: es geht um geeignete Nutzflächen für den Anbau von Futtermittel, Regelungen zur Gülleverwertung und Baurecht. Nicht zu vergessen der Mangel an ausgebildeten Fachkräften. Schwerpunktregionen sind deshalb Regionen mit hohem Grünlandanteil wie Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern.
Investitionen in Brandenburg
Als aktuelles Beispiel aus der EU-Förderperiode 2007 bis 2014 nannte Vogelsänger den neuen Stall mit Melkzentrum der Gahryer Agrargenossenschaft, den der Minister am 28. Februar feierlich eröffnen durfte.
Investiert wurde in den vergangenen Jahren unter anderem auch in den Milchviehstall mit Melkzentrum und Biogasanlage der Agrar GmbH Langengrassau, in den neuen Kuhstall der Agrargenossenschaft Hohennauen. In der Agrar GmbH Berlinchen, im Bio-Betrieb von Familie Funkel konnte ein Stallneubau realisiert werden. Die Agrarprodukte Dedelow GmbH hält 2.600 Milchkühe. Mit Hilfe Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) haben die Uckermärker in verbesserte Haltungsbedingungen investiert: Eine neue Liegehalle für rund 500 Kühe ermöglichte eine Ausdünnung des Bestands in der Stallanlage und damit einen höheren Komfort für alle Tiere. Das Milchgut Bahnitz war zu DDR-Zeiten LPG und startete nach der Wende als eingetragene Genossenschaft, seit einigen Jahren dann als AG. Der spezialisierte Milchviehbetrieb wurde in den vergangenen Jahren immer wieder umgebaut, modernisiert und vorbildlich weiterentwickelt. Mehrfach wurde dazu vom Land eine Investitionsförderung für den Betrieb gewährt, der durchgängig vorzügliche Haltungsbedingungen für die Tiere und Top-Milchgewinnungs-, -lager- und Umwelttechnik aufweist und vor einigen Jahren auch deshalb Konsultationsstützpunkt in Fragen der Milcherzeugung wurde.
Verbessert wurde aber auch das Umfeld: Der Milchhof Zwiebler ist ein Familienbetrieb in Reichenwalde. Nachdem in einer früheren Förderperiode der Neubau eines Viehstalls unterstützt wurde, ist die Zufahrtsstraße zum Betrieb ausgebaut worden. Dafür wurde zum zweiten Mal auf Mittel des ELER zugegriffen. Fördermittel des Landes flossen auch in die drei Bio-Molkereien in Biesenthal, Münchehofe und Brodowin sowie in die Familien-Molkerei Hemme-Milch Schmargendorf.
Mit der Milchwirtschaftlichen Lehr- und Untersuchungsanstalt in Oranienburg ist Brandenburg Sitzland einer der wichtigsten Ausbildungseinrichtungen in diesem Bereich. Die aktuelle Top Ten der Brandenburger Milchviehhaltung ergibt sich aus den Qualitäts- und Quantitäts-Analysen, die der Landeskontrollverband regelmäßig herausgibt:
- Agrar GmbH Kienberg (Havelland)
- Paries, Klein Mutz (Oberhavel)
- GRÜPA-Hof Grün-Paries GbR, Klein Mutz (Oberhavel)
- Agrargenossenschaft Uckro (Dahme-Spreewald)
- Landwirtschaftsbetrieb Margit Lüdemann, Neulögow (Oberhavel)
- Landwirtschaftsbetrieb Frank Zwiebler, Reichenwalde (Oder-Spree)
- Jeßnigker Agrar GmbH (Elbe-Elster)
- MILGETA Vierraden GmbH (Uckermark)
- Bauerngesellschaft GbR Wiesenau (Oder-Spree)
- Agrargenossenschaft e.G. Lossow-Güldendorf (Frankfurt Oder)