Weg mit dem Dreck aus der Wendezeit

Veröffentlicht am 06.04.2016 in Umwelt

Jede Generation und jedes System hinterlässt unangenehme Spuren: Gefährliche, lästige oder einfach widerliche. Relikte aus heissen und kalten Kriegen, Dreck aus jahrzehntelanger Mißwirtschaft oder Unrat mit zum Teil kriminellem Hintergrund. Rund 1,6 Millionen Tonnen unterschiedlicher Abfälle wie Bauschutt, Altholz, Reifen, Sortierreste, hochkalorische Materialien stammen aus den 90er Jahren. Genau 108 Alt-Abfalllager aus der Zeit nach der Wende müssen entsorgt werden. Darunter auch illegale Deponien in Märkisch Oderland und Landkreis Oder Spree. Eine (wenig appetitliche) Übersicht.

„Wir haben es hier fast ausschließlich mit Altfällen aus der Nachwendezeit zu tun, die Gemeinden, aber auch die Landkreise und das Land heute vor große Probleme stellen“, so Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger: „Selbst in den Fällen, bei denen es zu Strafanzeigen oder sogar zu Gerichtsverfahren gekommen ist, konnten sich die Betreiber der Pflicht, die Altlasten zu beräumen, entziehen oder zeigten leere Taschen vor.“

Das Brandenburger Umweltministeriums kennt landesweit 108 Standorte, an denen sich stillgelegte beziehungsweise illegale Abfalllager befinden. Der finanzielle Aufwand bei durchschnittlichen Entsorgungskosten von 100 Euro pro Tonne liegt 160 Millionen Euro. Umweltminister Jörg Vogelsänger sieht das Thema Wende-Müll als „Chefsache“: „Deshalb werde ich für den Doppelhaushalt 2017/2018 einen zweistelligen Millionenbetrag für die weitere Beräumung von Lagern mit illegalem Abfall beantragen.“

Das Land hat eine Reihe in seiner Zuständigkeit liegenden Abfalllager bereits räumen lassen. Dabei versuchen die Behörden, das Verursacherprinzip durchzusetzen: Zuerst wird der Anlagenbetreiber zur Beräumung aufgefordert, dann der Flächenbesitzer und danach der Abfallerzeuger. Ist dies nicht erfolgreich, werden die Unternehmen, die die Abfalltransporte vorgenommen hatten, zum Rücktransport aufgefordert.

„Wir können uns darüber ärgern, dass sich die ehemals verantwortlichen Betreiber bis heute ihren Pflichten entziehen, oder handeln“, so der Minister weiter: „Mit Blick auf die Sorgen in den betroffenen Kommunen haben wir überall, wo dies bereits möglich war, Lösungen gesucht und Wege zur Müllentsorgung gefunden“.

Für die Räumung illegaler Abfalllager und der Finanzierung braucht das Ministerium aber dringend die Unterstützung von Gemeinden und Landkreisen. Vogelsänger: Die Gemeinde Friedrichsthal ist durch den Flächenerwerb in Vorleistung für die Sanierung gegangen. Die Gemeinde Neuendorf hat ebenfalls die Voraussetzungen für die Umsetzung der Müllbeseitigung geschaffen. Das kann noch in diesem Monat auf den Weg gebracht werden.“

Die Rechtslage kennt zwei Varianten: Anlagen, die über eine Genehmigung gemäß Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) verfügen, fallen in die Zuständigkeit des Landesamts für Umwelt (LfU). Alle anderen Anlagen, die über keine Genehmigung oder lediglich eine Baugenehmigung verfügen, fallen in die Zuständigkeit der unteren Abfallwirtschaftsbehörden. Gemäß dieser Aufteilung ist das LfU für 45 und die Landkreise und kreisfreien Städte für 63 der insgesamt 108 Anlagen zuständig.

Die Gründe für diese illegalen Abfallansammlungen - fast ausschließlich aus den Neunzigerjahren waren untaugliche Geschäftsmodelle (Reifenrecycling), die Unfähigkeit der Anlagenbetreiber, gepaart mit Unkenntnis des Umweltrechts – aber auch kriminelle Energie. Obwohl bereits in den 90er Jahren viele Kontrollen stattfanden, gelang es der Müllmafia, sich der Verantwortung und der Übernahme der Kosten zu entziehen. Die Gründe:

  • mangelnde finanzieller Masse des (inzwischen insolventen) Unternehmens

  • ungeklärte Eigentumsverhältnisse

  • nicht mehr erreichbare Geschäftsführer, zum Teil ins Ausland verzogen

  • Nachrangigkeit behördlicher Forderungen

  • eingestellte Gerichtsverfahren

Lange Wartezeiten bis zur Räumaktion

„Es ist vor diesem Hintergrund klar, dass wir diese Last auf viele Jahre verteilen müssen“, erläutert Vogelsänger: „Um aktuell den Handlungsbedarf beurteilen zu können, hat das Land in den Jahren 2013/2014 eine Bewertung aller 45 Abfalllager, die sich in der Zuständigkeit des LfU befinden, vorgenommen und eine Rangliste aufgestellt.“

Danach erfolgte für jedes Lager eine nochmalige Begehung und Vor-Ort-Kontrolle. Die fachliche Begutachtung hat insgesamt bestätigt, dass an keinem Standort eine unmittelbare Gefahr für die Schutzgüter Luft, Boden und Grundwasser sowie das bewohnte Umfeld erkennbar ist. Weiterhin wurde festgestellt, dass keine Wasserschutzzonen unmittelbar beeinträchtigt sind. Sofortmaßnahmen waren damit nicht erforderlich. Beschilderungen, Absperrungen sowie Maßnahmen für den Brandschutz mussten erst einmal ausreichen.

In einem Fall bestand Gefahr im Verzug durch eine mögliche Boden- und Grundwasserkontamination, die von PCB-haltigen Kondensatoren (gefährliche Abfälle) verursacht wurde. Diese Anlage wurde in den Jahren 2013/2014 mit Mitteln des Landes geräumt. An neun weiteren Standorten findet gegenwärtig eine Entsorgung des Abfalls statt.

Elf frei gewordenen Mülldeponien erfüllen jetzt einen nützlichen Zweck. Sie werden als Solarparks genutzt.

Übersicht über die gesäuberten Lager:

  • Firma H+S Autoverwertung, Bölkershof (Landkreis Havelland)

  • Firma Reiter, Rhinow (Landkreis Havelland)

  • Firma Polycon, Oranienburg (Landkreis Oberhavel)

  • Firma G+F GmbH, Neuruppin (Landkreis Ostprignitz-Ruppin)

  • Firma BRC Bodenrecycling GmbH, Fredersdorf-Vogelsdorf (Landkreis Märkisch- Oderland)

  • Firma Huth, Altlandsberg (Landkreis Märkisch- Oderland)

  • Firma Buchwald GbR, Lebus Kunersdorf (Landkreis Märkisch- Oderland)

  • Firma OCI GmbH, Fürstenwalde (Landkreis Oder-Spree)

  • Firma W.T.B. GmbH, Groß Dölln (Landkreis Uckermark)

  • Firma Aqua & Terra GmbH, Groß Leine (Landkreis Dahme-Spree)

  • Firma Stechling Tief- und Straßenbau GmbH (Landkreis Oder-Spree)

Übersicht über neun Lager, die geräumt werden:

  • Firma VEB GmbH Abfallrecycling, Rüdersdorf (Landkreis Märkisch- Oderland)
  • Firma Fettke / Schultz, Fürstenwalde (Landkreis Oder-Spree)

  • Firma Schmitt / Schultz Fürstenwalde (Landkreis Oder-Spree)

  • Firma Onus, Schwedt (Landkreis Uckermark)

  • Firma Manteufel Recycling GmbH, Blumenhagen (Landkreis Uckermark)

  • Firma Bresto GmbH, Bernau (Landkreis Barnim)

  • Firma BER Entsorgungsservice GmbH, Genshagen (Landkreis Teltow-Fläming)

  • Firma Ketziner Baustoffrecycling GmbH, Ketzin (Landkreis Havelland)

  • Firma Baggerbetrieb Kleißner, Neustadt / Dosse, (Landkreis Ostprignitz-Ruppin)

 

 
 

Für Sie vor Ort

Landtagsbüro
Alter Markt 1
14467 Potsdam
Tel.: 0331/966 1330
Fax: 0331/966 1307
E-Mail: Joerg.Vogelsaenger@spd-fraktion.brandenburg.de
Wahlkreisbüro Erkner
Für Sie geöffnet

Montag: 13:00 bis 16:00 Uhr
Dienstag: 9:00 bis 12:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 bis 18:00 Uhr

Dr.-Hans-Lebach-Str. 1a
15537 Erkner
Tel.: 03342/212 446
Fax: 03342/424 19 66
E-Mail: wk@JoergVogelsaenger.de
Wahlkreisbüro Neuenhagen
Für Sie geöffnet
Dienstag    14:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch   14:00 - 18:00 Uhr
Freitag          9:00 - 12:00 Uhr

Ernst-Thälmann-Str. 32a
15366 Neuenhagen
Tel.: 03342/212 446
Fax: 03342/424 19 66

Bitte verabreden Sie rechtzeitig
einen Termin mit Ihrem
Landtagsabgeordneten Jörg Vogelsänger

Wo ist was los?

Alle Termine öffnen.

25.10.2026, 02:00 Uhr - 03:00 Uhr Zeitumstellung
In der Nacht auf Sonntag, den 25. Oktober, wird uns wieder eine Stunde "geschenkt". Dann werden die Uhren von 3 au …

07.11.2026, 13:00 Uhr - 14:45 Uhr Heimspiel FV Erkner, Landesliga Süd Brandenburg
FV Erkner – 1.FC Guben

09.11.2026 - 09.11.2026 Schicksalstag
9. November 1848 9. Novemb …

Alle Termine

Koalitionsvertrag SPD CDU

Verantworung für Brandenburg

Nachrichten

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de