Danke Hans-Jochen Vogel

Veröffentlicht am 28.07.2020 in Allgemein

Hans-Jochen Vogel ist tot. Viele haben über ihn jetzt geschrieben. Seine Verdienste, die Lücken, die er hinterlassen wird. Das sozialdemokratische Urgestein…

(Der Beitrag wurde verfasst von Hajo Guhl)

Wikipedia hat es wohl auf den kürzesten Nenner gebracht: „Vogel war von 1960 bis 1972 Oberbürgermeister von München, von 1972 bis 1974 Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, danach bis 1981 Bundesminister der Justiz und im Jahr 1981 Regierender Bürgermeister von Berlin.

Nach dem Ende der Kanzlerschaft Helmut Schmidts war er Kanzlerkandidat der SPD bei der Bundestagswahl 1983, scheiterte jedoch gegen die neu formierte Koalition aus CDU/CSU und FDP. Von 1987 bis 1991 war er als Nachfolger Willy Brandts Parteivorsitzender der SPD und von 1983 bis 1991 in der Nachfolge Herbert Wehners Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.“

Er hat also Spuren hinterlassen. Viel tiefere als mancher, dessen Verlust in den letzten Jahren wortreich beklagt wurde. Es ist seine Bescheidenheit und Zurückhaltung, die uns zwingt bei Jochen Vogel etwas genauer hinzuschauen. Er war (allzu) häufig ein Gegenentwurf zu den Lauten ihrer Zeit.

Franz Josef Strauss mit seinem barocken Hofstaat beanspruchte für sich der Vertreter des Bayerischen Freistaates zu sein. Gegen einen Willy Brandt oder einen Helmut Schmidt wirkte Hans Jochen Vogel wie der stets korrekte aber etwas blasse Jurist, der durch Zufall Politiker geworden ist. Auch gegenüber seinem stets freundlich wirkenden Bernhard Vogel, zuerst Ministerpräsident in Rheinland Pfalz und dann in Thüringen.

In der äußerst erfolgreichen Koalition von Sozialdemokraten und Liberalen gehörte Hans-Jochen Vogel zu einer Politikergeneration, der es weniger auf Äußerlichkeiten und Eitelkeiten ankam. Es war "Sachzwängen" Beachtung zu schenken, sprich auch unangenehme Lösungen durchzusetzen. Das eckte vor allem bei den aufmüpfigen Linken wie den Jusos an. In den Siebziger Jahren auch in München.

Politiker wie Hans-Jochen Vogel waren im Nachhinein betrachtet weniger mit sich selbst beschäftigt als mit der Sache. Zerrieben wurde die Koalition schließlich durch eine Handvoll von Aussenseitern, die sich Rote Armee Fraktion nannten und für fast ein Jahrzehnt die Bundesrepublik zum Stillstand brachten.

Hans-Jochen Vogel war Münchner Oberbürgermeister, gerade einmal 34 Jahre als er antrat und die Stadt zur einer Großen machte. "Weltstadt mit Herz" lautete die Devise. Mit ihm kamen die Olympischen Spiele in die Bayerische Metropole. Das Millionen-Dorf München erhielt ein modernes Verkehrsnetz, das heute noch Bestand hat. S-Bahn, U-Bahn, Mittlerer Ring. Der äußere Autobahn Ring. Ein unglaublicher Aufbruch in der Provinz. Eine für heutige Verhältnisse unglaubliche Leistung und vor allem Weitsicht. Vogel selbst fuhr übrigens häufig mit der Straßenbahn ins Rathaus am Marienplatz.

Die weiteren Stationen mit den Höhen und Tiefen sind bekannt (s.o.). Er diente der Sozialdemokratie und trat pflichtbewusst an, wenn er gebraucht wurde. Im Jahr 1991 überließ er den Jungen in der SPD das Feld. Jochen Vogel war 65 und trat ab. Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping übernahmen die Geschicke der Sozialdemokratie. Er war bis vor seinem Tod für die Sozialdemokratie ein guter Ratgeber. "Sozialdemokraten sollten ruhig selbstbewusster auftreten", meinte er zuletzt in seiner unaufgeregten Art. Wie so häufig, er hatte recht.

In unseren Archiven der SPD Landkreis Oder Spree fand sich eine kleine Notiz, ein Telegramm aus dem Jahr 1991. Der große SPD Vorsitzende und Fraktionsvorsitzende Hans-Jochen Vogel gratulierte dem (kleinen) Ortsverein Beeskow zum ersten Geburtstag seines Bestehens. Das Telegramm sagt viel über ihn und seine Zeit.

Danke Hans-Jochen!

 
 

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