28 Jahre danach: Mauern müssen immer weg!

Veröffentlicht am 04.02.2018 in Allgemein

Mit dem 5. Februar 2018 ist die Berliner Mauer länger weg, als sie je gestanden hat. Nämlich 28 Jahre stand sie gut bewacht, oder genauer: 10.316 Tage. Das Bollwerk gegen den Kapitalismus, das Menschen-mordende Ungetüm gegen die Freiheit im Herzen Europas ist Geschichte, verschwindet jeden Tag ein wenig mehr.

Ein Verstorbener lebt, solange er in der Erinnerung der Lebenden bleibt. Eine tröstende Weisheit mit einem wahren Kern! Erinnerung verblasst, reduziert sich schließlich auf Geschichtsbücher und Dokumentationen. Das Erinnern verliert die persönliche Komponente, wird abstrakt.

Rund ein Drittel unserer Bevölkerung (egal in welchem der 16 Bundesländer) haben keine aktive Erinnerung mehr an die Mauer. In Berlin Mitte sind es gerade einmal zehn Prozent der Einwohner, die den Mauerfall im November 1989 selbst erlebt haben.

Wer 35 Jahre und jünger ist, kennt keine Pioniertücher oder die Aktivistenorden und das merkwürdige Aluminiumgeld, das in Omas Schatzkästchen. In der Schule galt ab den 90er Jahren der Lehrplan West.

Die Mauer im Herzen haben vor allem die Älteren. Nicht alle. Über 200.000 Brandenburger haben sich nach der Wende in den Westen aufgemacht, um sich dort einen neue Existenz aufzubauen. Sie haben die Mauer hinter sich gelassen. Leben in Bayern, Hessen und Schwaben. Deren Kinder reden längst eine andere Sprache. (Mir schwetzed alles außer hochdeutsch).

Für die Hauptstadt Deutschlands und das einstige Sinnbild der europäischen Teilung gilt einfach der Spruch: Berlin, wat haste Dir verändert! Das ist im übrigen eine der wenigen Konstanten, die für alle Metropolen gelten. Es wird eingerissen und dann wieder aufgebaut. Siehe Alexanderplatz, Berlin (Mitte). Jetzt quillt die Metropolregion Berlin im wahrsten Sinne des Wortes über.

Die Entwicklung im Speckgürtel spricht Bände. Eine Stadt wie Erkner muss binnen kurzer Zeit vom (demografischen) Schwinden umschalten auf Wachstum. Wider Erwarten sind es dann auch Wachstumsschmerzen, mit denen ein Bundesland wie Brandenburg in den nächsten Jahren zu kämpfen hat.

Menschen können nicht folgen

Wie reagieren die Menschen? Wo ist die Mauer in den Köpfen verblieben? Mit welchen Konsequenzen? Eine Dresdner Rentnerin beschwerte sich kürzlich lautstark über die vielen Fremdem im Land, die das sauer verdiente deutsche Geld ins Ausland (Nahen Osten) schicken. Die etwas starrsinnige Frau stand allerdings nicht an der heimischen Elbe sondern in der Sonne einer kanarischen Insel. Sie profitiert vom Mauerfall und gönnt dem Flüchtling nicht die Krume Brot zum Überleben.

Nun, sie ist nicht allein mit ihrer geistigen Engstirnigkeit. Der britische Urlauber hatte nichts gegen die Europäische Union, mochte aber die Osteuropäer nicht, die zu Dumpinglöhnen jungen Engländern die Arbeitsplätze wegnehmen. Als ob ein Einheimischer in Europa noch bei der Ernte von Tomaten, Wein, Spargel und Gurken helfen würde. Da macht sich längst keiner mehr den Buckel krumm.

Genau 28 Jahre ist nun die einst real existierende Mauer im Herzen Europas weg. Müll der Geschichte. In vielen Köpfen unserer Mitbürger hat allerdings sich eine ebenso grausame Mauer aufgebaut (Oder ein Brett vor dem Kopf). Die der Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz gegenüber dem Schwächeren…

Sozialdemokratie geht anders!

Ihr Jörg Vogelsänger 

 
 

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