Die weiße Taube fliegt wieder: Integrationsfest in Brieskow-Finkenheerd

Veröffentlicht am 19.07.2015 in Allgemein

Der braune Sumpf zitiert Kurt Tucholsky (der sich im Grabe umdrehen würde) und faselt von einer Wahrheit, die es auszusprechen gelte. Die ewig Gestrigen machten Stimmung gegen Flüchtlingsunterkünfte in Brieskow-Finkenheerd. Der evangelische Pfarrsprengel Brieskow-Finkenheerd-Ziltendorf hob unterdessen mit Pfarrer Mathias Wohlfahrt das erste Integrationsfest aus der Taufe. Mit dabei die Landespfarrerin für Migration und Integration Barbara Killat. Sozialdemokraten zeigten ebenfalls Flagge. Allen voran Jörg Vogelsänger (MdL und Minister), Franz Berger (Vorsitzender Kreistag LOS), Jörg Skibba (SPD-Geschäftsführer für LOS, MOL und Frankfurt Oder), Lars Wendland (SPD Brieskow-Finkenheerd).

Die Näherungsversuche zwischen den jungen Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und den Heimischen waren noch etwas zaghaft. Aber der Anfang ist gemacht. „Wir müssen eine Kultur des Willkommens entwickeln. Schließlich ist es die christliche Pflicht einem Schwachen die Hand zu reichen. Es ist aber auch sozialdemokratische Tradition, Menschen in Not zu helfen und Chancen zu gesellschaftlichem Aufstieg zu bieten“, meint Jörg Vogelsänger, Landtagsmitglied und auch Minister für den ländlichen Raum. Er hat bereits mehrfach zu Spendenaktionen für Flüchtlinge aufgerufen, dem zahlreiche Bürger in seinem Wahlkreis gefolgt waren. „Auch das ist Solidarität. Und zwar eine sehr wirksame!“

Die Besucher des ersten Integrationsfestes hörten ergriffen die Schilderungen des jungen Ali aus Syrien. Wie er mit dem Boot übers Mittelmeer kam. Grenzen zu Fuß überwand. In Lastwagen durch Länder gekarrt wurde und schließlich in Deutschland ankam. Die Familie hatte ihn fortgeschickt, damit er in Sicherheit leben sollte. Lars Wendland hatte ihn mit Hilfe eines Dolmetschers interviewt. Es geht nah, wenn aus weit entfernten, abstrakten Zahlen über Flüchtlingsströme Menschen werden, die über ihr Schicksal berichten

Die Tränen des palästinensischen Flüchtlingsmädchens Reem rührten nicht nur sondern rüttelten auch auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte der 14jährigen bei einer PR-Veranstaltung in eigener Sache sinngemäß bedeutet, dass es schnell gehen sollte, wenn sie und ihre Familie das Land zu verlassen hätten.

Die peinliche Situation zeigte deutlich auf: Mit dem deutschen Asyl- und Einwanderungsrecht stimmt etwas nicht mehr. Schon lange nicht. Die Sozialdemokraten fordern ebenso wie Arbeitgeber und die Arbeitsagentur umfassende Reformen. Qualifizierte Flüchtlinge müssten in Deutschland bleiben und arbeiten können.

"Es läuft etwas grundfalsch in Deutschland, wenn wir einerseits mehr Nachwuchs brauchen und andererseits junge, gut integrierte Flüchtlinge von der Abschiebung bedroht sind", sagte SPD-Bundestags-Fraktionschef Thomas Oppermann. Kinder, die in der Schule perfekt deutsch gelernt hätten, sollten nicht mehr weggeschickt werden, forderte der Sozialdemokrat.

Die Konservativen klammern dagegen immer noch an den Vorstellungen einer deutschen Herkunft. Zum Vergleich: Wer in den USA oder Frankreich im Land geboren wird, erhält auch die Staatsangehörigkeit, egal aus welchem Land seine Eltern stammen.

Einiges hat sich bei uns schon getan: Gerade winkte der Bundesrat eine Änderung des Bleiberechts durch: bislang Geduldete sollen einen gesicherten Aufenthaltsstatus erhalten, wenn sie Integrationsleistungen erbracht haben. Gut integrierten jungen Menschen soll ein Aufenthalt leichter gewährt werden. (Die Abschiebung von aussichtslosen Asylanträgen wurde dagegen beschleunigt.)

Es läuft vieles schief in dieser Republik: Gerade fertig ausgebaute Flüchtlingsunterkünfte brennen kurz vor der Eröffnung. Mit Demos versuchen Rechtsradikale Stimmung gegen die angebliche Überfremdung zu entfachen. Das kleine Integrationsfest der Initiative Buntes Brieskow-Finkenheerd macht Hoffnung, dass Menschenwürde und Mitgefühl (Empathie) unser Land langfristig prägen werden.

 
 

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