HeimatTour 2015: Mit drei Türmen zum Diplom

Veröffentlicht am 18.07.2015 in Allgemein

Schon zu Kaisers Zeiten war es für viele Gemeinden angesagt, einen Turm sein eigen zu nennen. Zuständig waren meist Verschönerungsvereine und zahlende Bürger. Jörg Vogelsänger (MdL) besuchte Mitte Juli auf einer zwölf Kilometer langen Fahrradtour drei Denkmäler im Wahlkreis 31. Den Woltersdorfer Aussichtsturm, den Wachtelturm von Hennickendorf und den Glockenturm im Museumspark Rüdersdorf. Der Lohn: Einen Muskelkater und das Turmdiplom, das jeder erhält, der die drei Türme an einem Tag besucht. Eine Reportage von Christian Stauch

„Es geht um die Vereine, die Menschen, die Freude an ihrer Heimat haben“, sagte Jörg Vogelsänger zu Beginn der HeimatTour. „Partnerschaftliche Aktionen von drei Vereinen wie dem Heimatverein Hennickendorf, dem Bergbauverein Rüdersdorf und dem Woltersdorfer Verschönerungsverein sind viel wichtiger als ein wohlformulierter Zuspruch eines Bürgermeisters, eines Landtagsabgeordneten oder gar eines Ministers“. Sprach´s und schwang sich auf Fahrrad und folgte dem Trupp der Reisenden zu den drei Türmen.

So lief die Tour ab.

13.15 Uhr. Ein Shuttle am Rathausplatz brachte 15 Räder samt Fahrer zum Wachtelberg in Hennickendorf. Dort trafen sich etwa 25 weitere Teilnehmer. Zuerst wurde der Wachtelturm bestiegen. 96 Stufen. Eine erste Bewährungsprobe bei 30°C. Die Mühe lohnte sich. Die Aussicht vom Wachtelturm bietet einen wunderbaren Überblick über den großen und kleinen Stienitzsee und umliegende Wälder. Dann ein Gruppenfoto.

Nun bat Sven Templin, der Tourguide, um Gehör. Er erläuterte kurz die anstehende Strecke. Es ging los. Abgesichert von zwei Johanniter-Motorrädern machte sich der Fahradkorso von rund 40 Personen, darunter auch Jörg Vogelsänger, auf den Weg zum nächsten Zielobjekt, dem Glockenturm im Museumspark Rüdersdorf. So manch ein Autofahrer zeigte sich sichtlich verwundert.

Angekommen am Glockenturm, lud der Geschäftsführer des Museumspark Rüdersdorf und stolzes Mitglied des hiesigen Bergbauvereins, Jörg Lehmann zum Erklimmen der gefühlten 30 Stufen. Getränke wurden von der SPD Rüdersdorf bereit gestellt. Der Glockenturm bietet Sicht auf den Tagebau in Rüdersdorf.

Die letzte Etappe führte den Korso nun zum Woltersdorfer Aussichtsturm auf dem Kranichsberg. Hier hat der Woltersdorfer Verschönerungsverein "Kranichsberg" e.V. ein kleines Fest mit Getränken, Wurst und Musik für die Radler organisiert. Das TurmDiplom gab es aber erst nach den letzten 90 Stufen, die es noch zu erklimmen galt. Der Woltersdorfer Aussichtsturm, der von allen am höchsten liegt, ergänzte das Landschaftsbild mit einem Blick bis hin zum Fernsehturm, dem Flughafen Schönefeld und einer scheinbar niemals endenden Waldlandschaft in Richtung Osten.

Das Diplom zur dreifachen-Turmbesteigung überreichte schließlich doch Jörg Vogelsänger. Er hatte auch die namentliche Schirmherrschaft für die HeimatTour übernommen und mit initiiert. Sein Kommentar: „Zur Nachahmung empfohlen. Gerne nächstes Jahr wieder.“

Die Objekte der HeimatTour

Woltersdorfer Aussichtsturm

Der Aussichtsturm begann seine Karriere als "Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Turm". Neben der „Woltersdorfer Schleuse“ war ein weiteres Wahrzeichen des Ausflugsortes für die Berliner. Der Verschönerungsverein errichtete ihn im Jahre 1886 auf der Höhe der Kranichsberge und er „leuchtete als Wahrzeichen und Wegweiser weithin in die Lande“. Seine Maße: 96,58 Meter über dem Meeresspiegel, bis zur Spitze hatte er eine Höhe von 18 Metern. Anlässlich des 50jährigen Bestehens des Vereins 1934 erhielt er mit Genehmigung des Landrats des Kreises Niederbarnim in "Hindenburg-Turm". Angehörige des Volkssturms brannten am 20. April 1945 den Turm nieder. Heute findet man nur noch Reste der alten Fundamente. Der alte Standort kam bei den Plänen zur Wiedererrichtung eines Aussichtsturmes im Jahre 1960 nicht mehr in Frage. Daher der jetzige Standort. 1961 erfolgt die Grundsteinlegung, 1962 die Einweihung. Technische Daten des neuen Turmes: 102 Meter über dem Meeresspiegel, 25 Meter hoch, ca. 80 Kubikmeter Holz, 3,6 Tonnen Stahl, 90 Treppenstufen.

Die Freude an der schönen Aussicht währte nicht lange: Ab Ende der 70er Jahre übernahm die Staatssicherheit den Turm - zu Nachrichten-dienstlichen Zwecken. Erst 1990 erfolgte eine Sanierung und Wiedereröffnung. Der Woltersdorfer Verschönerungsverein schließt mit der Gemeindeverwaltung Woltersdorf einen Nutzungsvertrag. Nun ist der zweite „Hölzerne Riese“ wieder ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher.

Wachtelturm

In den 1930er Jahren plante die damals noch selbstständige Gemeinde Hennickendorf einen Wachturm zur Früherkennung von Waldbränden. Auch Feuerwehrschläuche galt es zu trocknen. Der Berliner Architekt H. Groß legte im Oktober 1937 Pläne für den Bau eines solchen Turms vor. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Juli 1938 zum 30-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Hennickendorfs. Unter der Leitung des Maurermeisters Friedrich Henze und des Zimmerermeisters Reinhold Neumann entstand in den Jahren 1938 bis 1940 das Bauwerk auf der Anhöhe der Gemeinde. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Turm durch eine Brandbombe leicht beschädigt. Nach dem Krieg stand der Turm zunächst leer. Nach der Wende begann der Heimatverein mit der Rekonstruktion des Gebäudes. 1989 erfolgte die Dachsanierung. 1994 setzte man das Holzfachwerk, das Mauerwerk sowie die Elektroinstallation instand. Der Turm erhielt einen neuen Anstrich sowie eine Blitzschutzanlage. ach der Instandsetzung gelangt man über 96 Stufen zu einer Aussichtsplattform. Den Abschluss der Arbeiten feierte die Gemeinde am 25. Juli 1994 anlässlich des 3.Wachtelbergfestes. Er wird seit dieser Zeit als Aussichtsturm, für das alljährliche Wachtelbergfest sowie im Advent für ein vorweihnachtliches Singen genutzt. Über die Seen hinaus reicht der Blick in das Naturschutzgebiet Lange Dammwiesen und Unteres Annatal über den Marienberg in Strausberg bis zum Müggelturm. Seit 2012 ist der Turm Bestandteil der 66-Seen-Regionalparkroute.

https://www.hennickendorf.de/

Glockenturm auf dem Glockenberg
im Museumspark Rüdersdorf

Im Rüdersdorfer Museumspark steht der romantische Glockenbergpavillon. Das Königliche Bergamt Rüdersdorf ließ ihn 1829 erbauen. Er gab dem Bergzug auch den Namen Glockenberg. Über 150 Jahre thronte er als höchste Erhebung über die Kolonie Hinterberge und den Kalksteinbruch. Heute hat man vom Glockenturm aus einen beeindruckenden Blick in den aktiven Kalksteintagebau.

http://www.museumspark.de/

 
 

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