Gehaltsatlas 2019: Löhne in Ost und West kommen sich (etwas) näher

Veröffentlicht am 06.02.2019 in Wirtschaft

Wo verdienen Beschäftigte in Deutschland am meisten? In welchem Bundesland fällt das Einkommen besonders niedrig aus ? Antworten auf Fragen rund um regionale Lohnunterschiede liefert der „Gehaltsatlas 2019“ von Gehalt.de. Für die Studie hat das Vergleichsportal 492.171 Datensätze aus den vergangenen zwölf Monaten analysiert. Ein paar Zahlen und etwas Hintergrund.

  • Hessen ist das Bundesland mit dem höchsten Lohnniveau. Hier verdienen Beschäftigte 14,1 Prozent mehr als der Bundesdurchschnitt.
  • Stuttgart hat dagegen als Landeshauptstadt die Nase vorne. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beziehen hier ein 24,8 Prozent höheres Einkommen.
  • Die Arbeitnehmer in Brandenburg liegen mit rund 78 Prozent, wie die anderen Länder im Osten deutlich unter dem Durchschnitt. NRW liegt mit  105 Prozent im Bundesdruchschnitt.
  • In der Tendenz schließt sich die Gehaltslücke zwischen West und Ost, wenn auch sehr langsam mit 1,5 Prozent im Jahr 2017 auf 2018.

Woran liegt´s?

Die Finanzmetropole Frankfurt hebt in Hessen das Einkommensniveau deutlich. Im schwäbischen Stuttgart sind es Daimler, IBM, Porsche. Das bayerische München hat BMW, Microsoft, Siemens. Der Vergleich von Gehalt.de sagt allerdings wenig über das tatsächliche Gehaltsgefälle aus. Die schlecht bezahlte Spülerin in der Küche hat nichts von exorbitanten Einkommen in den oberen Etagen der Geldbranche. Im statitischen Mittel lebt sie jedoch in einer Wohlstandsregion.

Große Unternehmen zahlen

Es sind die großen Unternehmen, vor allem die Konzerne, die ihren Angestellten die Traumgehälter zahlen können. In Firmen mit zwanzig Mitarbeitern steht am wenigsten auf den Gehaltszettel. Der Job in den Großen, vor allem den Multis hat aber auch seinen Preis: Der Konkurrenzkampf der Mitarbeiter untereinander.

Den Ost-Bundesländern damit auch Brandenburg fehlen die attraktiven Arbeitsplätze. Allerdings siedeln die sich nicht von selbst in den entvölkerten Dörfern und Kleinstädten an. Was hinzu kommt: Arbeitsplätze in den Bereichen Landwirtschaft (22.000 werden in den nächsten Jahren fehlen), Tourismus und anderen Dienstleistungen gehören im Gehaltsranking nicht unbedingt zu den Siegern.

Der Gehaltszettel muss kein Gradmesser für Lebensstandard sein

Was bei dem bundesdeutschen Gehaltsvergleich etwas untergeht, ist das Thema Lebenshaltungskosten und damit verbunden auch die Lebensqualität. Denn im Süden Hessens rund um Frankfurt, der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart, der Region um München und der Freien und Hansestadt Hamburg ist es teuer. Miete, Lebensmittel und was die Familie sonst so zum Leben braucht, kostet. Das Plus auf dem Gehaltszettel bringt kaum Vorteile.

Abseits der Metropolen wird zwar nicht so viel gezahlt, wer aber ein Haus auf dem Lande sein eigen nennt, lebt häufig besser. Auch wenn die Dorfstraße geflickt ist und der Bus nur alle Stunde fährt. Der Lebensstandard ist höher als der des urbanen Kollegen.

Auswanderung OST gebremst?

Aus der vor nunmehr dreißig Jahren Pleite gegangenen DDR sind seitdem rund 1,5 Millionen Menschen den besseren Arbeitsbedingungen und Gehältern gefolgt. Wer sich dort niedergelassen hat, wird dort wohl auch bleiben. Die Kinder sprechen schließlich Schwäbisch, Bayerisch oder Hessisch.

In der Gesamtbilanz aus Binnenwanderung und natürlicher Bevölkerungsentwicklung mussten die ostdeutschen Bundesländer einschl. Berlin einen Rückgang ihrer Einwohnerzahl im Zeitraum von 1991 bis 2012 von rund 2 Millionen Personen verkraften. Im Jahr 2019 konnten die Bevölkerungsstatistiker erstmals einen Stopp in den Wanderung nach West melden. Es sind die interessanten und gut bezahlten Jobs, die erstmals in Richtung Ost weisen. Motor ist allerdings u.a die vitale Metropolregion Berlin mit ihren Startups und Zuzügen von finanzstarken Unternehmen.

Seit 1989 hat sich sehr viel getan im Lande Brandenburg. Die Erfolge können sich sehen lassen. Es hat Entwicklungen gegeben, die nicht aufzuhalten waren. Ebenso Entscheidungen, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen haben. Es gibt für Sozialdemokraten noch sehr viel zu tun! Ohne falsche Versprechungen!

 
 

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