Gesundheits-Check: Brandenburgs Wald

Veröffentlicht am 20.12.2018 in Umwelt

Die Wald-Bilanz des ersten halben Jahres: Trotz Kälte, Hitze, Dürre samt Bränden sowie Stürmen hat sich der Wald recht tapfer geschlagen. Obwohl das Jahr den Rekord des Wärmsten Jahres seit Beginn der regulären Messung brach. Daten und Trends aus dem aktuellen Waldzustandsbericht für das Jahr 2018 hat Forstminister Jörg Vogelsänger vorgestellt.

Wie sehen die Schäden aus?

Gegenwärtig weisen elf Prozent der Brandenburger Waldfläche deutliche Schäden auf. Das sind zwei Prozent mehr als im letzten Jahr. 45 Prozent sind ohne Schäden. Im Vergleich: Im Jahre 1991 galten nur 29 Prozent der Waldflächen in Brandenburg als frei von Schäden, 33 Prozent der Waldflächen wiesen deutliche Schäden auf.

Während bei der Eiche ein ähnlich schlechter Zustand wie im Jahre 2003 festgestellt wurde, zeigten sich bei der Kiefer bisher kaum Auswirkungen. Bei der Kiefer ist der Anteil ohne Schäden um drei Prozentpunkte zurückgegangen und liegt jetzt bei 48 Prozent. Nur sechs Prozent weisen deutliche Schäden auf. Bei der Kiefer wird der Kronenzustandsindex noch mit „sehr gut“ bewertet.

Bei der Eiche haben die deutlichen Schäden in diesem Jahr um 15 Prozent zugenommen und liegen jetzt bei 37 Prozent. Nur 16 Prozent der Eichen sind gegenwärtig als gesund einzustufen. Der Zustand der Eichen gilt als „beeinträchtigt“. Der Zustand der Buchen ist hingegen gut, nur noch drei Prozent weisen deutliche Schäden auf.

Brandenburg ist Kiefernland

Brandenburg ist das Kiefernland in Deutschland: 31 Prozent der Kiefernfläche befindet sich in Brandenburg. Mit 70 Prozent nehmen Kiefern in Brandenburg die größte Fläche ein. Gerade einmal sieben Prozent sind Eiche und drei Prozent Buche. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf andere Laub- und Nadelbaumarten. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. In Nordbrandenburg ist der Laubholzanteil mit 30 Prozent am höchsten, im Süden liegt er nur nur bei 19 Prozent. Drei Viertel aller Buchenbestände befinden sich im Norden des Landes.

Das wahre Ausmaß zeigt sich im Frühjahr

Die Daten wurden im Juli und August erhoben, sind also Daten nur ein Zwischenstand. Es kommt also darauf an, wie sich der Winter gestaltet, wie viel Niederschläge als Regen oder Schnee herunterkommen, wie kalt es wird. Erst wenn die Baumkronen wieder grün werden, können wir sehen, was die Wetterkapriolen „geleistet“ haben.

„Wie die Ergebnisse der diesjährigen Waldzustandserhebung zeigen, sind die Auswirkungen der Trockenheit noch nicht bei allen Baumarten sichtbar geworden. Das Ausmaß der Schäden wird wohl erst im nächsten Jahr deutlich werden“, betont Forstminister Jörg Vogelsänger. Sie auch die Waldzustandsberichte von Berlin (Nur jeder vierte Baum ist gesund), Hessen, NRW.

Ein Jahr der Waldbrände

Das Jahr 2018 wird nicht nur den Bewohnern um Treuenbrietzen und Fichtenwalde noch lange in Erinnerung bleiben. Der erste Waldbrand ereignete sich bereits am 4. März und der letzte am 28. November. Die Waldbrände verursachten massive Waldverluste und Schäden. Bei 489 Waldbränden vernichteten die Flammen Bäume, Büsche und Dickicht aus einer Fläche von 1.655 Hektar. Davon galten elf Feuer als Großbrände (mehr als 10 Hektar). Diese machten fast 90 Prozent (1.460 Hektar) der gesamten Brandfläche aus (Zum Vergleich 1992: 1296 Hektar bei über 1000 Bränden). Besonders betroffen waren die Landkreise Teltow-Fläming mit 594,1 Hektar und Potsdam-Mittelmark mit 393,7 Hektar. In Oder-Spree brannte es auf 28,4 Hektar.

Borkenkäfer und Co warten schon

Brände, Dürre und schließlich die Stürme „Xavier“, „Herwart“ und „Friederike“ machen den Wald anfälliger für Schaderreger in Pilzform und Insekten . Mehr als eine Million Kubikmeter Sturmholz sind durch umgeworfene und abgeknickte Bäume angefallen.

Deshalb ist mit einer Zunahme der so genannten Sekundärschädlinge zu rechnen, die insbesondere geschwächte Kiefern befallen. Dazu gehören Borkenkäfer und Kiefernprachtkäfer. Aber auch die viele Kieferngroßschädlingen, beispielsweise Kiefernspinner, Nonne, Kiefernspanner, Kiefernbuschhornblattwespe profitieren von Wärme und Trockenheit und vermehren sich rasant. Die Ausbreitung der potenziellen Schädlinge wird durch den Landesbetrieb Forst Brandenburg überwacht und unter der Rubrik Waldschutz ausgewertet.

Die Daten helfen Prognosen zum Schadensverlauf abzuleiten und rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Bereits seit mehreren Jahren werden auch Satellitenbilder eingesetzt. In diesem Jahr konnte bereits wieder eine Zunahme der Schadinsekten beobachtet werden. Die Überwachungsdaten weisen darauf hin, dass auch im nächsten Jahr regional wieder mit einer Massenvermehrung von Insekten mit einem erheblichen Schadpotenzial zu rechnen ist.

Wie wird bewertet?

Der Waldzustand wird jährlich mit einer Reihe von Indikatoren erfasst, aus denen ein Kronenzustandsindex abgeleitet wird. Die Vitalität wird auf einer Skala von „sehr gut“ über „gut“, „beeinträchtigt“, „beschädigt“ bis zu „gefährdet“ bewertet.

Die Aufnahme erfolgt nach einer einheitlichen Methode an 42 Probepunkten eines systematischen Grundnetzes im Raster von 16 mal 16 Kilometern als Teil der bundesweiten Waldzustandserhebung (WZE).

 
 

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