Jahresbericht der Naturwacht vorgestellt

Veröffentlicht am 11.04.2018 in Umwelt

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger hat den Jahresbericht der Naturwacht Brandenburg für 2017 vorgestellt. Schwerpunkte waren die erfolgreiche Bildungsarbeit der Ranger in den 15 Brandenburger Großschutzgebieten sowie neueste Ergebnisse der naturkundlichen Datenerfassung. Insgesamt zeigt sich, dass Maßnahmen zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten vor allem dann erfolgreich sind, wenn eine kontinuierliche Begleitung erfolgt.

„Brandenburg trägt besondere Verantwortung für viele europaweit geschützte Arten wie Weißstorch, Wachtelkönig, Rohrdommel, Rotbauchunke und Orchideen“, erklärte Umweltminister Vogelsänger. Seit 27 Jahren gehöre es daher zu den Kernaufgaben der Naturwacht, Schutzmaßnahmen umzusetzen und deren Erfolg zu kontrollieren. „Dank ihrer sehr guten Gebietskenntnisse und einer regelmäßigen Datenerfassung, stellen Ranger selbst kleinere Veränderungen bei Arten und Lebensräumen frühzeitig fest. So wissen wir, in welchen Bereichen der Naturschutz gut vorankommt und wo wir noch besser werden müssen“, sagte Vogelsänger.

Das Arbeitsgebiet der Ranger sind die 15 Brandenburger Großschutzgebiete (ein Nationalpark, drei Biosphärenreservate und elf Naturparke). Auf einem Drittel der Landesfläche – etwa 9.000 Quadratkilometern – erfassen sie Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern. Die wichtigsten Ergebnisse sind im Jahresbericht zusammengestellt.

Das Jahr 2017 war beispielsweise für Orchideen ein gutes Jahr. Infolge günstiger Witterungsbedingungen hat die Zahl des Breitblättrigen Knabenkrauts bei Friesack im Naturpark Westhavelland von 956 im Jahr 2016 auf 2.142 Exemplare im Folgejahr zugenommen und damit den höchsten Stand seit Beginn der Zählungen im Jahr 2001 erreicht. Auch im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land hat sich der Bestand an neun Standorten von 7.362 Exemplaren in 2016 auf 15.100 Exemplare in 2017 mehr als verdoppelt.

Auch gibt es unter anderem Erfolge beim Schutz von Fledermäusen. Im Naturpark Barnim hat die Naturwacht seit 2005 mehrere Bunkeranlagen sowie zwei ehemalige Wasserwerke zu Fledermauswinterquartieren umgebaut. Neun verschiedene Arten, darunter auch das seltene Große Mausohr und die Mopsfledermaus, haben die Quartiere inzwischen besiedelt. Insgesamt stieg die Zahl der Tiere innerhalb weniger Jahre von 84 in 2008 auf 333 im Jahr 2017.

Sorge bereitet der Naturwacht die Bestandsentwicklung in der Vogelwelt. Nachdem bereits seit Jahren die Zahl der Nachkommen bei Bodenbrütern stark zurückgegangen sei, blieb der Bruterfolg nunmehr auch bei den Wasservögeln zunehmend aus. Die Gründe dafür müssen noch genauer untersucht werden. Zu vermuten ist ein Zusammenhang mit der Zunahme von Fressfeinden wie Waschbär und Mink. Gleichzeitig wird mit dem Insektensterben auch die Nahrung für die Aufzucht der Küken knapp.

„Bei der Naturwacht gibt es hingegen keine Nachwuchsprobleme. Der Generationswandel ist auf einem guten Weg. Stellenausschreibungen stoßen auf reges Interesse. In den vergangenen rund zweieinhalb Jahrzehnten ist es in Brandenburg gelungen, ein Berufsbild zu entwickeln und zu etablieren, das es so vorher in Deutschland nicht gab“, erklärte Minister Vogelsänger.

Mittlerweile gebe es eine passgenaue Ausbildung für den Beruf des Rangers mit Schwerpunkten in der Umweltkommunikation und der naturkundlichen Bestandserfassung, die auch anderen Bundesländern als Vorbild bei der Weiterentwicklung von Ranger-Organisationen diene. An der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde absolvierte 2017 der zweite Jahrgang den Studienschwerpunkt „Schutzgebietsbetreuung“ im Rahmen des Bachelorstudiums „Landschaftsnutzung und Naturschutz“.

Der Umweltminister lobte zudem die Rolle der Ranger als Mittler zwischen Mensch und Natur. “Erfolgreicher Naturschutz lässt sich nicht mit Verbotsschildern erreichen. Es ist wichtig, die Menschen mitzunehmen bei diesem Thema“, erklärte Vogelsänger. Die aktuell 92 Ranger seien akzeptierte Ansprechpartner für Landnutzer und Anwohner in den Brandenburger Naturlandschaften. Dank ihrer Präsenz sei die Zahl der gesetzlichen Verstöße in den Großschutzgebieten seit Jahren rückläufig. 2017 wurden insgesamt 782 gesetzliche Verstöße registriert.

Ihre Gebietskenntnisse kommen den Naturwächtern auch bei Führungen zugute. Im Jahr 2017 begleiteten die Ranger rund 9.500 Gäste auf über 540 geführten Touren und stärkten damit den Naturtourismus.

Im Rahmen ihrer Arbeit mit Kinder- und Jugendgruppen, den Junior Rangern, weckt die Naturwacht Interesse für Natur- und Umweltschutz bei der jungen Generation. Auch am Ganztagsschulangebot des Landes beteiligen sie sich. Insgesamt 46 Kinder- und Jugendgruppen mit fast 500 Teilnehmern betreute die Naturwacht 2017 regelmäßig. 224 Projekttage mit mehr als 6.000 Schülern organisierten die Ranger im vergangenen Jahr.

 
 

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