S-Bahn im Kalten Krieg bis zum Mauerbau (Teil 4)

Veröffentlicht am 01.07.2018 in Verkehr

Noch fährt die S-Bahn für alle: Plan aus dem Jahre 1960

Der 2. Weltkrieg hinterließ eines der modernsten Verkehrssysteme im öffentlichen Personennahverkehr als einen Haufen Schrott. Züge waren zerstört, abtransportiert. Tunnel und Brücken gesprengt. Die Sieger Sowjetunion demontierte Gleise und Maschinen als Reparation. So wurde die Strecke Schlesischer Bahnhof bis Erkner vollständig abgebaut; auf anderen Strecken vielfach das zweite Gleis. Dies alles musste später einschließlich vieler Bahnhöfe wieder neu errichtet werden. Die S-Bahn von der Stunde Null im Jahre 1945 bis zur endgültigen Schnitt am 13.August 1961.

In der Stunde Null - also im Jahre 1945 – glaubte kaum jemand, dass die innig geliebte Schnellbahn jemals wieder wie gewohnt im Minutentakt rollen würde. Über eine halbe Million Wohnungen waren größtenteils in der Bombennacht vom 6. Februar 1945 zerstört worden. Dennoch drängten die Menschen in die Stadt. Wo sollten sie auch hin, die rund 14 Millionen Flüchtlinge aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und den anderen Ostgebieten als in einer der vier Besatzungszonen.

Alle mussten enger zusammenrücken. Die Einweisung von Flüchtlingen in Wohnungen in den Städten und Dörfern, Siedlungen und Höfen stieß bei den Einheimischen häufig auf wenig Gegenliebe. Das überlebende Deutsche Volk des großartigsten Führers aller Zeiten (GröFaZ) starrte sich in den Nachkriegsjahren eher feindselig an.

Berlin war im Mai 1945 von den sowjetischen Armeen erobert, die Schlacht um die Reichshauptstadt geschlagen. Restdeutschland war in Besatzungszonen aufgeteilt. In Berlin zogen nach den Russen die drei West-Alliierten also Amerikaner, Briten und Franzosen in die Stadt. Die Deutsche Reichsbahn (DR) der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und späteren DDR erhielt das Betriebsrecht für die gesamte S-Bahn Berlins, also auch im Westen der Stadt. (Im Westen Deutschlands, den alliierten Zonen der Amerikaner, Briten und Franzosen fuhr ab 1949 die Bundesbahn.)

Im bitterkalten Hungerwinter 1947 fielen die Berliner Straßenbäume und der gesamte Tiergarten. Schließlich musste irgendwie geheizt werden. US-Zigaretten der Marke Camel und Lucky Strike galten auf dem Schwarzmarkt als Währung. Die Sieger gerieten sich zunehmend in die Haare und der Kalte Krieg begann. Die Berlin-Blockade mit ihren Rosinenbombern war der erste Höhepunkt der Auseinandersetzung von Ost und West, Sozialismus und Kapitalismus, die erst 40 Jahre später enden sollte.

Eigentlich ein kleines Wunder, dass die S-Bahn teilweise im Jahre 1946 wieder fuhr. Die Wiederherstellung dauerte insgesamt nur zwei Jahre. Zwar nicht wie früher, aber sie fuhr. Im Jahre 1948 verband die S-Bahn wieder Potsdam im Westen der nun geteilten Stadt und Erkner im Osten. Eingleisig war sie bis 1961 die längste S-Bahn-Strecke in Deutschland. Am 12. August 1961 hatte das S-Bahn-Netz immerhin eine Ausdehnung von 335 Kilometern.

Die Trennung der S-Bahn beginnt

Für einen Berliner Bengel gab es in den Fünfziger Jahren nichts größeres als mit zwei Groschen so lange wie möglich, auf dem S-Bahn-Ring zu fahren. Es gab viel zu erleben und Blödsinn zu veranstalten. Die Gören waren auch nie allein. Schlüsselkinder gab es genug. Nur erwischen lassen durfte man sich nicht. Und kein Pioniertuch tragen. Die S-Bahn hielt nach dem Krieg die Berliner zusammen. Bis zum besagten 13. August 1961.

„Achtung! Grenzkontrollen - bitte halten Sie Ihre Papiere für die Genossen der Transportpolizei bereit!“ Die Kontollen in der S-Bahn mehrten sich, die Teilung der Stadt wurde real. Noch fuhren die S-Bahnen normal in Ost-West-Richtung.

An der Sektorengrenze gab es keine Stopps, allerdings wurden die Reisenden von Polizisten kontrolliert. Züge, die aus dem Umland, also der DDR, nach West-Berlin einfuhren, mussten für eine Kontrolle halten. Außerdem gab es zwischen 1953 und 1958 "Durchläuferzüge", die in West-Berlin nicht hielten. So konnte man z. B. von Potsdam (westlich von Berlin) nach Erkner (östlich von Berlin) über West-Berliner Gebiet fahren, aber der Zug hielt nicht an.

Die politische Teilung in Ostberlin und Westberlin war schon deutlicher spürbar. Im Osten der Stadt marschierten die Freie Deutsche Jugend (FDJ), Die Einheitsgewerkschaft FDGB  und Partei SED, im Westen gab es die großen Versammlungen am Schöneberger Rathaus (SPD, DGB). In den Geschäften des Westens gab es ab der Währungsreform – DM West – spätestens nach der Blockade Waren im Überfluss. Wer konnte, kaufte im KaDeWe und protzte auf dem Kudamm. In den HO-Läden (Handelsorganisation) oder dem Konsum in Mitte und Prenzlauer Berg wollte es mit der Mark Ost bei der Versorgung nicht so recht klappen. Getauscht wurde rund um den S-Bahnhof Gesundbrunnen, eine Station hinter der Schönhauser Allee. Der Kurs schwankte bei 1 Mark West gegen 4 Mark Ost.

Die S-Bahn war und blieb das Rückgrat der geteilten Stadt: Der Ostberliner fuhr abends ins Kino im Westen, „Grenzarbeiter“ morgens an ihren Arbeitsplatz mit der harten Währung. Der Westler machte einen Ausflug ins schöne Umland. Fast wie gewohnt aus der Vorkriegszeit. Erkner hatte einmal über 30 Gaststätten.

Der Mauerbau am 13. August 1961 änderte alles. Nicht nur Menschen und Familien wurden getrennt. Von einem Tag zum anderen gab es kein einheitliches Verkehrssystem in Berlin mehr. Die Erkneraner S-Bahn endete nun für fast drei Jahrzehnte am Bahnhof Friedrichstraße.

Jörg Vogelsänger, Landtagsabgeordneter

 
 

So erreichen Sie uns!

DAS BÜRGERBÜRO
Ernst-Thälmann-Straße 32A
15366 Neuenhagen
Telefon 03342/ 212 446
E-Mail wk(at)joergvogelsaenger.de

Wo ist was los?

Alle Termine öffnen.

15.06.2019, 10:00 Uhr - 16.06.2019, 18:00 Uhr 25. Brandenburger Landpartie
Mehr vom Wochenende der offenen (Hof)-Tore zwischen der Priegnitz, der Uckermark und Elbe Elster oder Spree Neisse …

19.06.2019, 18:30 Uhr - 20:30 Uhr Gemeindevertretersitzung Schöneiche
Konstituierende Sitzung

30.08.2019, 18:00 Uhr - 22:00 Uhr Picknick im Park Schöneiche
Inzwischen findet das Picknick im Park zum zehnten Mal statt. Neben hoffentlich lauem Sommerwetter locken wie imme …

Alle Termine

Nachrichten

12.06.2019 08:12 Högl/Heidenblut zu Betreuervergütung
Bundesrat macht den Weg frei: mehr Geld für gesetzliche Betreuer Am 07. Juni 2019 hat der Bundesrat das Gesetz zur Anpassung der Betreuer- und Vormündervergütung gebilligt. Der Bundestag hatte das Gesetz bereits im Mai beschlossen. „Bund und Länder hatten sich im Vorfeld auf diesen Gesetzentwurf verständigt. An diesem Kompromiss wurde nicht mehr gerüttelt. Es ist

11.06.2019 07:10 Marja-Liisa Völlers zu Ganztagsbetreuung
Ziel bleibt Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter bis 2025 Im Rahmen der Kultusministerkonferenz haben die Länder heute aktuelle Kostenberechnungen über den geplanten Rechtsanspruch für Grundschulkinder auf einen Ganztagsplatz vorgestellt. Demnach reichen die vom Bund zugesagten zwei Milliarden Euro nicht aus. Die SPD-Bundestagsfraktion hält am Ausbau des Ganztags fest, um die Länder bei der Realisierung des

06.06.2019 19:31 Kampf gegen Lebensmittelverschwendung intensivieren
Am Thema Lebensmittelverschwendung komm niemand vorbei, wer das Ziel Nachhaltigkeit verfolgt. 85 Kilogramm wirft jeder deutsche Privathaushalt im Jahr durchschnittlich weg. Auch in Erzeugung, Handel und Gastronomie landen viel zu viele kostbare Nahrungsmittel im Müll. „An guten Ideen und Ansätzen Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen mangelt es nicht. Einige Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels engagieren sich bereits gegen Verschwendung.

05.06.2019 06:48 Wir wollen weiter Träger der Denkanstöße sein
Vor der Presse kündigt der kommissarische Fraktionschef Rolf Mützenich für die Sommermonate eine starke inhaltliche Konzentration auf wichtige Themen an. Die Fraktion werde alles dafür tun, dass Sozialdemokraten sichtbarer werden für die Menschen in unserem Land. Das Videostatement auf spdfraktion.de

04.06.2019 19:49 Rolf Mützenich kommissarischer SPD-Fraktionsvorsitzender
Kölner Abgeordneter übernimmt Vorsitz nach Rücktritt von Andrea Nahles Andrea Nahles tritt an diesem Dienstag vom Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion zurück. Der nordrhein-westfälische Abgeordnete Rolf Mützenich übernimmt als dienstältestes Vorstandsmitglied kommissarisch den Posten. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als SPD-Fraktionschefin hat der Geschäftsführende Vorstand der Fraktion einstimmig sein dienstältestes Mitglied Dr. Rolf Mützenich zum kommissarischen Fraktionsvorsitzenden benannt. Der 59-Jährige erklärte

Ein Service von info.websozis.de