S-Bahn wird wieder sexy: 180 Ideen für bessere Fahrt (Teil 7 und Schluss)

Veröffentlicht am 20.07.2018 in Verkehr

Jeden Tag befördert die Berliner S-Bahn 1,4 Millionen Menschen, insgesamt sind in der Metropolregion in Regios, Bussen und den Bahnen vier Millionen Menschen unterwegs. Doch oft kommen die rot-gelben Züge zu spät. Fuhrpark und Infrastruktur sind marode, entsprechen noch nicht dem aktuellen Stand der Technik. Die Bundesbahntochter will jetzt mit einer Qualitätsoffensive PLUS bis zum Jahre 2025wieder an die Spitze im europäischen Nahverkehr. Kostenpunkt: zusätzlich 30 Millionen Euro, die Anschaffung von neuen Fahrzeugen und den ohnehin eingeplanten Investitionen nicht eingerechnet.

Von einem „Provisorium seit dem Jahre 1944“ sprechen Kritiker. Überforderten Managern, verfehlter Sparsamkeit, unausgereiften neuen Fahrzeuge und vor allem maroder, veralteter (analoger) Technik. Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin (2001 – 2014) titulierte seine Stadt (durchaus berechtigt) als „arm aber sexy“. Für die Problem geplagte, aber aufregende junge Hauptstadt hatte Wowi das wohl auf den Punkt gebracht. Für die krisengeschüttelte Schnellbahn galt wohl nur „arm“!

 

Nun soll alles soll besser werden! So das Versprechen. Mit der groß angelegten Qualitätsoffensive PLUS mit ihren 180 Bausteinen soll die S-Bahn wieder in die erste Liga der europäischen Nahverkehrssysteme aufsteigen. Der hatte sie seit den Neunziger Jahren nach der Wiedervereinigung von Fuhrpark, Gleisen und Mitarbeitern schon einmal angehört. Bis zum Jahr 2008, dem Beginn der Krise. Was war geschehen?

König Kunde muss warten
Mit voller Härte bekamen das die Fahrgäste im Winter 2008 zu spüren. Mit sinkenden Temperaturen fielen die Züge einfach aus.  Das große Bibbern und Fluchen auf den Bahnsteigen begann.

Der 1. Mai 2009 ist für viele Beobachter der Beginn der eigentlichen S-Bahn-Krise. Im Bahnhof Kaulsdorf entgleiste eine S-Bahn der Baureihe 481. Eine Radscheibe war zerborsten. Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) legte daraufhin einen Großteil der Flotte still. Räder und Achsen waren nicht vorschriftsgemäß kontrolliert worden.

Nur noch 165 der insgesamt 632 Viertelzüge der Baureihe 481 waren einsatzbereit. Die S-Bahn sprach von einer Fahrzeugkrise, ausgelöst durch herstellerbedingte Fahrzeugmängel aber auch Fehler des Managements. Der Verkehr brach weitgehend zusammen. Zwischendurch wurde jeder ausrangierte Zug, der noch rollen konnte, wieder auf die Gleise geschickt.

Meckern gehört nun mal zur Berliner Folklore. Da bekommt die S-Bahn ihr Fett weg. Allzu häufig zu recht. „Jedes mal wenn gegen Jahresende vollkommen überraschend der Winter einbricht, bekommt das Staatsunternehmen regelmäßig Probleme, den selbst gesteckten Fahrplan aufrecht zu erhalten“. So der Tenor auf den Bahnsteigen.

Im Fokus der Qualitätsoffensive von 2018 stehen jetzt "höhere Pünktlichkeit, eine bessere Qualität - und damit mehr Kundenzufriedenheit".   

Der Kunde würde von den vielen Baumaßnahmen und den technischen Änderungen nicht viel spüren, nur die Ergebnisse, so das Versprechen.

Türen sollen automatisch öffnen

Manchmal sind es Kleinigkeiten mit großer Wirkung über die Strecke. Die Türen der S-Bahn der Baureihe 481 soll der Fahrer an den Bahnhöfen automatisch öffnen. Das spart wertvolle Sekunden, wenn Fahrgäste nicht selbst auf die Türöffner drücken müssen. Dahinter steckt auch die Beseitigung von störanfälligen Türrelais bei der Baureihe 481. Maßnahmen zur Vermeidung von den üblichen Zugausfällen bei Hitze sind ein weiterer Punkt.

Es wird Zeit für Wirkungsvolles: Auch im Frühjahr dieses Jahres kamen Züge zu spät an oder waren ganz ausgefallen, hauptsächlich wegen Signalstörungen - ein Zeichen für die immer noch veraltete Infrastruktur. Der Qualitätsbericht des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB)berichtet von einer Quote von 94,7 Prozent pünktlicher Züge im Jahr 2017. Im Jahr zuvor waren es noch 95,5 Prozent. Vereinbart sind 96 Prozent. Dabei werden Verspätungen unter vier Minuten noch nicht einmal mitgezählt - im Sinne des Vertrags des Berliner Senats mit der Bahn gelten sie gar nicht als Verspätung.

Die Berliner S-Bahn ist neben der Hamburger Schwester die älteste in Deutschland - sie hat auch die meisten Bahnhöfe (166) und die meisten Fahrgäste (1,4 Millionen täglich). Tendenz steigend.

Die Berliner S-Bahn-Flotte wird deshalb in den kommenden Jahren deutlich verjüngt. Auf dem Teilnetz Ring/Südost werden ab dem Jahre 2021 neue S-Bahnzüge rollen. Dafür sind 382 neue S-Bahn-Wagen in Auftrag gegeben: 21 Zwei-Wagen-Triebzügen (Baureihe 483) und 85 Vier-Wagen-Triebzügen (Baureihe 484) werden auf der Ringbahn und den südöstlichen Zulaufstrecken eingesetzt. Hersteller der Fahrzeuge ist ein Konsortium der Unternehmen Siemens und Stadler. Sie produzieren in der Region Berlin-Brandenburg. Sie garantieren hohe Einsatzqualität über 30 Jahre. Gute Voraussetzungen! Gutes Gelingen! Zum Wohle von Fahrgästen und deren Nervenkostüm.

Nachtrag: Autonom fahrende Busse und Autos. Fahrten nach Wunsch und nicht nach Fahrplan. Service für den Fahrgast von Haus zu Haus. E-Bikes gegen Staus im Berufsverkehr. Radschnellwege und Lieferketten (sprich Fahrzeuge und Alternativen) in Ballungszentren ohne Verbrennungsmotoren. Motto: Elektromotor versus Diesel.

Niemand will das Individualfahrzeug pauschal verdammen. Dennoch müssen umweltschonende und platzsparende Alternativen her. Neue Konzepte für den Pendelverkehr zwischen Land und Stadt müssen dringend entwickelt werden.

Die Wünsche und Visionen zum Thema Mobilität speziell in den Ballungsräumen sind gegenwärtig zahlreich. Es geht um (gesunde) Luft zum Atmen und dem Kampf gegen die weltweite Blechlawine namens Auto. Die autogerechte Stadt nach den Vorbild von Los Angeles (USA) ist ein Irrweg.

Die Politik kann und sollte hier Rahmenbedingungen vorgeben und Wege ebnen. Oder Fehlentwicklungen aufhalten. Die technische Entwicklung ist ohnehin zu schnell, um regulierend einzugreifen. Manches, was gegenwärtig durch Gazetten und Fachzeitschriften geistert, liest sich allerdings wie Science Fiction aus dem frühen letzten Jahrhundert.

Eins ist sicher: Die S-Bahn wird dabei sein. Gerade zwischen Erkner und Potsdam.

 
 

So erreichen Sie uns!

DAS BÜRGERBÜRO
Ernst-Thälmann-Straße 32A
15366 Neuenhagen
Telefon 03342/ 212 446
E-Mail wk(at)joergvogelsaenger.de

Öffnungszeiten:
Di-Mi jeweils 14:00 - 18:00 Uhr
Freitag 10:00 - 12:00 Uhr

Termine mit dem
Landtagsabgeordneten
Jörg Vogelsänger
nur nach vorheriger Absprache

Wo ist was los?

Alle Termine öffnen.

27.08.2019, 16:00 Uhr - 18:00 Uhr Infostand mit Jörg Vogelsänger und Maria Kampermann
   

28.08.2019, 06:00 Uhr - 08:00 Uhr Infostand mit Jörg Vogelsänger
   

28.08.2019, 15:30 Uhr - 17:30 Uhr Infostand mit Jörg Vogelsänger und Stefan Radach

Alle Termine

Nachrichten

23.08.2019 10:09 Thorsten Schäfer-Gümbel im Interview
„Vermögensteuer wird keine Arbeitsplätze gefährden“ Das Interview auf rp – https://rp-online.de/politik/deutschland/kommissarischer-spd-chef-thorsten-schaefer-guembel-vermoegensteuer-wird-keine-arbeitsplaetze-gefaehrden_aid-45256001

21.08.2019 16:14 Soli: Koalition hält Wort und entlastet Millionen von Bürgerinnen und Bürgern
Von 2021 fällt der Solidaritätszuschlag für mehr als 90 Prozent aller Steuerzahler weg. Achim Post erläutert, warum die SPD-Fraktion aber will, dass die absoluten Top-Verdiener weiter ihren Beitrag leisten sollen. „Mit dem heute im Kabinett auf den Weg gebrachten Gesetz zur weitgehenden Abschaffung des Soli hält die Koalition Wort und entlastet Millionen von Bürgerinnen und

21.08.2019 16:13 Steigende Anerkennungszahlen belegen den Erfolg des Anerkennungsgesetzes
Heute veröffentlichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes haben sich die jährlichen Antragszahlen verdoppelt. Insgesamt wurden etwa 140.700 Anträge in den Jahren 2012 bis 2018 gestellt. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung, es müssen aber noch weitere Maßnahmen ergriffen werden. „Die steigenden Anerkennungszahlen belegen den Erfolg des Anerkennungsgesetzes und das große

21.08.2019 16:12 Brexit: Johnson will offenbar nicht aus der Rolle des Populisten heraus
SPD-Fraktionsvizechef Post stellt klar: Das, was der britische Premier als Verhandlungsangebot bisher an die EU übermittelt hat, sind Wünsch-Dir-Was-Ideen, die nichts mit der realen Verhandlungskonstellation zu tun haben.  „Bei Boris Johnson hat man leider den Eindruck, dass er nicht aus der Rolle des Populisten heraus will – oder es gar nicht kann. Das, was er als

18.08.2019 17:31 Abbau des Soli darf kein Entlastungsprogramm für Millionäre sein
SPD-Fraktionsvize Post stellt klar, unter welchen Bedingungen die SPD-Fraktion zu einer kompletten Abschaffung des Solidaritätszuschlags bereit wäre: höhere Einkommen- und Reichensteuer für Topverdiener.  „Wir sollten in der Koalition jetzt das machen, was wir gemeinsam vereinbart haben und den Soli für 90 Prozent der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler abschaffen. Das ist kein Pappenstiel, den wir da planen,

Ein Service von info.websozis.de