Zukunft der Landwirtschaft im Land Brandenburg

Veröffentlicht am 29.11.2017 in Wirtschaft

Am Dienstag Nachmittag (28.11.2017) stellte Agrarminister Jörg Vogelsänger (Dipl. Ing.) im Potsdamer Landtag der SPD-Fraktion die neuesten Zahlen zum Thema Landwirtschaft in Brandenburg vor. Bei dieser Bestandsaufnahme ging es dann um die Aussichten für Betriebe und Beschäftigte, Märkte und Produkte.

Vollkommen klar, dass beim Agrarempfang der Sozialdemokratischen Abgeordneten am Abend im Foyer des Parlamentsgebäudes (Bild oben) das Thema "Moderne Landwirtschaft hat Zukunft" mit Material gut unterlegt im Vordergrund stand. Ministerpräsident Dietmar Woidke, promovierter Agraringenieur, betonte die Bedeutung seiner Landwirtschaft für ganz Brandenburg. Der Göttinger Professor für Landwirtschaftliche Betriebslehre Dr. Oliver Mußhoff, Sohn eines Landwirtes aus dem Havelland, warnte vor schierer Größe und Mengen bei den Agrarbetrieben. Es gelte die Vielfalt zu erhalten, erst dann sei man, ähnlich wie in der natürlichen Evolution, bei wirtschaftlichen Schwankungen besser abgesichert.

Wo steht Brandenburgs Landwirtschaft?

Fakten zur flächendeckenden Landwirtschaft: Rund 39.000 Arbeitsplätze gibt es in 5.400 landwirtschaftlichen Unternehmen. Die durchschnittliche Hofgröße liegt bei 243,4 ha landwirtschaftliche Fläche. In Eigentum befinden sich rund 30 Prozent der Äcker und Wiesen, rund 70 Prozent sind gepachtet.

  • Die Brandenburger Land- und Forstwirtschaft und Fischerei erreicht eine Bruttowertschöpfung von über einer Milliarde Euro.

  • Brandenburg liegt beim Ökolandbau mit an der Spitze. Neben Hessen und Saarland hat sie einen Flächenanteil von über 10 Prozent (145.812 ha ). Die Anzahl der Betriebe stieg seit 1999 von 299 auf 826 an. Rund 26 Mio € pro Jahr fließen aus ELER, GA-Mittel und andere Landesmittel in diese Betriebe.

  • Zum Schutz der natürlichen Ressourcen und Klimaschutz durch Zuwendungen aus den Kulturlandschaftsprogrammen KULAP einschließlich Ökologischer Landbau werden in der Förderperiode rund 273 Mio € eingesetzt.

Hausaufgaben für Brandenburgs Politik

Bild: Udo Folgart, SPD-Sprecher für Landwirtschaft und Agrarminister Jörg Vogelsänger

  • Udo Folgart, Sprecher für Ländlicher Raum/ Landwirtschaft und Agrarminister Jörg VogelsängerDie ländlichen Räume verdienen die gleiche Aufmerksamkeit wie die prosperierenden städtischen Regionen. Für die Berlin-fernen Gebiete und den Speckgürtel müssen entsprechende Problemlösungen gefunden werden.

  • Die wirtschaftliche Grundlage muss behalten und ausgebaut werden. Die Landwirtschaft inklusive der Tierhaltung stellt die Basis dar. Sie ist das Rückgrat. Forstwirtschaft, Gartenbau, Fischerei, naturnaher Tourismus, kulturelle Ankerpunkte und Nationale Naturlandschaften sind unverzichtbare Ergänzungen.

  • Die landwirtschaftlichen Betriebe sollten gut aufgestellt sein, um dauerhaft zu bestehen. Landwirtschaft steht zunehmend im globalen Wettbewerb. Damit steigt die Anfälligkeit für Marktschwankungen und Krisen. Siehe Milchkrise, Schweinefleischkrise der letzten Jahre.

  • Die Leistungsfähigkeit der Betriebe ist vermehrt abhängig von der strukturellen Diversifizierung, der Qualitätssicherung der Produkte und der Senkung von Kosten

  • Die Investitionen in die Landwirtschaft und Tierhaltung sollen auch das Tierwohl verbessern.

  • Die Landwirtschaft altert wie auch die Bevölkerung Brandenburgs. Die Sicherung der Betriebsnachfolge muss verbessert werden. „Grüne Berufe“ für den Nachwuchs sind attraktiver zu gestalten.

Wie weiter mit der EU-Förderung ab 2021?

  • EU Förderung wird nach 2020 insgesamt zurückgehen. Das ist u.a. Folge des BREXIT. Groß Britannien fällt dann als Nettozahler aus.

  • Bislang gehen rund 40 % des EU-Budgets in den Bereich Landwirtschaft.

  • Damit werden die Verteilungskämpfe zwischen Mitgliedsstaaten aber auch zwischen den deutschen Bundesländern zunehmen.

  • Gleiches gilt für die verschiedenen Förderschwerpunkte der Europäischen Union

  • Neue Aufgaben werden in den nächsten Jahren auf die Europäer zukommen.

Brandenburger und Deutsche Agrarpolitik

Ziel der Landesregierung Brandenburg ist: Die Mittel zur Unterstützung der Landwirtschaft beizubehalten. Ein Weg kann die stärkere Nutzung der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) sein. 10 Thesen der ostdeutschen Landwirtschaftsminister zur GAP nach 2020. Zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gehören unter anderen:

  • Die heimische Landwirtschaft ist nicht ersetzbar

  • Staatliche Verantwortung für den Erhalt einer regional verankerten Landwirtschaft

  • Differenzierte Stärkung der Ländlichen Räume fortsetzen

  • Öffentliches Geld für Öffentliche Leistungen

  • Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) als Instrument zur Einkommensstützung und Diversifizierung für die Landwirtschaft

  • Keine betriebsgrößenabhängigen Nachteile für nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe

  • Marktbedingungen für die Landwirtschaft verbessern

  • Klima-, Tier-, Natur- und Umweltschutz liegen in Mitverantwortung des landwirtschaftlichen Sektors

 
 

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