In die Bahn kommt der Elektromotor (Teil 2)

Veröffentlicht am 16.06.2018 in Verkehr

Mit dem Einstieg ins 20. Jahrhundert – die Menschen feiern Neujahr 1900 und sind technikbegeistert – zeichnen sich auch Änderungen bei der Eisenbahn und in unserem Fall auch bei den Vorortbahnen rund um Berlin ab. Obwohl die Dampflok nach rund 60 Jahren rasanter Entwicklung technisch gesehen noch längst nicht ausgereizt ist, schauen sich die Ingenieure nach einem neuen Antrieb um. Qualmen soll er nicht, die berühmte Berliner Luft ist längst nicht mehr, was sie einmal war. Das Zauberwort heißt Elektrizität.

Doch erst einmal, wie sieht es in Erkner aus? Carl Bechstein (1826–1900), der berühmte Klavier- und Flügelbauer, Ehrenbürger der Gemeinde seit 1893 stirbt in diesem Jahr. Seine damalige Villa dient heute als Rathaus.

Gerhart Hauptmann (1862–1946), Literaturnobelpreisträger, war längst wieder fortgezogen, der Dichterfürst lebte von 1885 bis 1889 in Erkner. Seine drei Söhne waren in Erkner zur Welt gekommen. Zahlreiche Werke Hauptmanns spielen in oder um Erkner, viele Einwohner wurden Vorbilder seiner Figuren, so unter anderem die Mutter Wolffen im „Biberpelz“, der „Bahnwärter Thiel“ (Das Häuschen ist abgerissen) oder die Familie Kielblock in „Fasching“.

Die schnelle und vor allem zuverlässige Verkehrsanbindung ließ den Ort und Umgebung zum Naherholungsgebiet heranwachsen. Die Industrialisierung des Ortes begann mit der "Theerproductenfabrik" durch Julius Rütgers im Jahre 1861/62. Diese und andere Frabriken machten den Bemühungen, einen Luftkurort zu schaffen, später einen Strich durch die Rechnung. Fast ein Treppenwitz: Der beißende Teergeruch galt eine Zeit lang bei Ärzten des 19. Jahrhunderts als gut für Lungengeschwächte, so auch Gerhard Hauptmann.

Deutschland war arm. Der Monatslohn eines Arbeiters beträgt im Jahre 1900 im Schnitt 62,40 Mark. Umgerechnet entspricht das einer Kaufkraft rund 380 Euro. 1 Kilo Roggenbrot kostet damals etwa 30 Pfennig. Für zehn Eier verlangt die Marktfrau 50 Pfennig und den Liter Milch gibt es für etwa zwei Groschen (20 Pfennig). Es reicht kaum, eine Familie über die Runde zu bringen. Auch Kinder gehen in diesen Tagen arbeiten.

Sozialisten der Jahrhundertwende diskutieren derweil die Frage: Entsteht die kommunistische Gesellschaft durch Revolution der Arbeiterklasse oder gibt es einen friedlichen Übergang? Kaiser Wilhelm II im „hässlichen Berliner Stadtschloss“ sind solche Gedanken nicht nur suspekt, Sozis und ihre Internationale seien sowieso nur vaterlandslose Gesellen. (Nach Erichs Lampenladen - Palast der Republik - und verschiedenen Projekten von Architekten aus aller Welt, versöhnt das neue Stadtschloss und seine Bestimmung allerdings. Von den "lichten Höhen einer klassenlosen Idealgesellschaft" sind wir ohnenhin weiter weg denn je. Selbst bei der mühsam errungenen, sozialen Marktwirtschaft und dem Sozialstaat bröckelt es heftig. Die Red.)

Werner von Siemens stellt am 31. Mai 1879 die erste elektrische Bahn der Welt vor. Auf der Berliner Gewerbeausstellung von 1879 präsentierte Werner von Siemens die erste elektrische Lokomotive der Welt. Siemens & Halske, wie das Unternehmen heißt, kann sich vor Anfragen nach Investitions- und Betriebskosten kaum retten. Elektrische Hochbahnen in der Berliner Friedrichstraße und der Leipziger Straße sollten die Praxistauglichkeit unter Beweis stellen. Auch damals formulierten Verwaltungen (von Berlin) erst einmal zahlreiche Bedenken. Das Projekt wurde gekippt.

Testbetrieb gegen Widerstände

Werner von Siemens, war hartnäckig wie heute ein Elon Musk mit seinem Tesla und der Boring Company, die jetzt für die Stadt Chicago eine vollkommen neuartige U-Bahn bauen soll. Siemens wich nämlich in den südlich von Berlin gelegenen Vorort Lichterfelde aus. Der marode Bahnkörper für den Bau einer Kadettenanstalt aus den 70er Jahren musste herhalten. Für den Betrieb eines elektrischen Straßenbahnbetriebes rüstete Siemens & Halske drei gebrauchte Pferdebahnwagen um.

Die zweiachsigen Triebwagen beförderten knapp 50 Personen bei 16 Sitzplätzen. Jeder Wagen besaß einen Gleichstrommotor mit einer Leistung von 10 PS. Anfangs floss der Strom noch nicht über eine Oberleitung, sondern über die beiden Schienen. Eine lebensgefährliche Technik. Der Fahrstrom von 180 Volt wurde zunächst über Schleifkontakte von den mit eisernen Radkränzen versehenen Holz­schei­benrädern zum Motor geleitet. Stahlseile sorgten für die Kraftübertragung.

Die Wagen erreichten eine Geschwindigkeit von etwa 20 km/h. Fast dreimal so schnell wie eine Pferdebahn. Das Kraftwerk mit Dampfmaschine und Generator befand sich übrigens gleich neben dem Bahnhof. Am 12. Mai 1881 war es soweit: Die „kleine elektrische Bahn in Lichterfelde“ wurde probiert und offiziell abgenommen; der reguläre Fahrbetrieb begann am 16. Mai.

Der Anfang war gemacht. Alle sind begeistert. Die Voraussetzungen für die weitere Entwicklung von Straßenbahnen den U-Bahnen und später der S-Bahn geschaffen. Wie geht es mit den Vorortzügen von Erkner weiter? Erst einmal verhindert der Weltkrieg eine Elektrifizierung von Vorortbahnen. Lesen Sie auch die nächste Folge.

 
 

Für Sie vor Ort

Landtagsbüro
Alter Markt 1
14467 Potsdam
Tel.: 0331/966 1330
Fax: 0331/966 1307
E-Mail: Joerg.Vogelsaenger@spd-fraktion.brandenburg.de
Wahlkreisbüro Erkner
Für Sie geöffnet

Montag: 13:00 bis 16:00 Uhr
Dienstag: 9:00 bis 12:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 bis 18:00 Uhr

Dr.-Hans-Lebach-Str. 1a
15537 Erkner
Tel.: 03342/212 446
Fax: 03342/424 19 66
E-Mail: wk@JoergVogelsaenger.de
Wahlkreisbüro Neuenhagen
Für Sie geöffnet
Dienstag    14:00 - 18:00 Uhr
Mittwoch   14:00 - 18:00 Uhr
Freitag          9:00 - 12:00 Uhr

Ernst-Thälmann-Str. 32a
15366 Neuenhagen
Tel.: 03342/212 446
Fax: 03342/424 19 66

Bitte verabreden Sie rechtzeitig
einen Termin mit Ihrem
Landtagsabgeordneten Jörg Vogelsänger

Wo ist was los?

Alle Termine öffnen.

07.11.2026, 13:00 Uhr - 14:45 Uhr Heimspiel FV Erkner, Landesliga Süd Brandenburg
FV Erkner – 1.FC Guben

09.11.2026 - 09.11.2026 Schicksalstag
9. November 1848 9. Novemb …

21.11.2026, 09:00 Uhr - 12:00 Uhr Schöneiche Gemeindevertretung

Alle Termine

Koalitionsvertrag SPD CDU

Verantworung für Brandenburg

Nachrichten

12.10.2026 17:43 Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas
Ich danke Bärbel Bas von Herzen für ihren Einsatz, ihre Haltung und ihr Engagement. Wir kämpfen weiter gemeinsam für die soziale Demokratie. „Bärbel Bas hat heute Morgen ihren Rücktritt von Partei- und Ministeramt erklärt. Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere. Als Ministerin und Vorsitzende… Matthias Miersch zum Rücktritt von Bärbel Bas weiterlesen

09.10.2026 17:40 Wichtiges Signal für den Wohnungsbau
Die Fortführung und Aufstockung des EH55 Programms bis zum Jahresende ist ein wichtiges Signal für die Bauwirtschaft. Nun sollten die neuen Fördermöglichkeiten konsequent genutzt werden, um den dringend benötigten Neubau anzukurbeln. „Die Aufstockung der Förderung für den Neubau im Effizienzhausstandard 55 Plus und die Fortführung des Programms bis zum Jahresende sind ein wichtiges Signal für… Wichtiges Signal für den Wohnungsbau weiterlesen

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de